Kultur
Sterne, Schreie und Nazi-Lieder
"Des Teufels General" von Carl Zuckmayer am Staatsschauspiel Dresden
Dresden. Als "Des Teufels General" von Carl Zuckmayer unmittelbar nach Kriegsende uraufgeführt wurde, waren der Stoff dieses Dramas und die Frage nach Schuld und Mitschuld im Dritten Reich noch ganz nah. Harras, der Flieger-General, verabscheut die Nazis, verhilft heimlich befreundeten Juden zu Flucht und ist Bomberpilot im Dienst dieser Nazis.
Harras-Darsteller der Neuinszenierung durch Burkhard C. Kosminski am Staatsschauspiel Dresden ist Tom Quaas. Ihm gelingt es, die Widersprüchlichkeit seiner Figur passgenau zu setzen - die burschikose Attitüde, die den verletzenden wie verletzlichen Menschen schützen soll. Eine große schauspielerische Leistung, von der man allerdings nach 90 Minuten genug hat. Quaas gibt zu viel, gibt zu oft davon. Wenn Harras sich dann in seiner Maschine opfert, um seine Mitarbeiter zu beschützen, berührt das wenig.
So seltsam unausgegoren ergeht es auch dem Thema Verblendung. Der erst 26-jährige Benjamin Pauquet gibt in Dresden den Offizier Hartmann. Bestimmend für ihn ist die Isolation. Zweimal hofft er, sie zu beenden. Erstens glaubt er an die Kameradschaftspropaganda. Und er ist mit Pfützchen (Annika Schilling) verlobt, doch sie verlässt ihn für einen, der mehr "Schneid" hat. Als Hartmann erlebt, wie einige seiner Kameraden wehrlose Menschen wie bei einer Tierhatz ermorden, fragt er: "Wird jeder so, wenn man ihn lässt? Könnte man selbst so werden? Gibt es dagegen denn keinen Schutz?"
An dieser Stelle der Inszenierung geschieht etwas Paradoxes. Diese zentrale Frage des Stückes wird wesentlich die Frage des Fliegeroffiziers Hartmann. Weshalb? Weil Pauquet so gut ist. Tom Quaas kann in dieser Szene nicht gleichwertig agieren. Und Pauquet hat einen "sprechenden Rücken". Wenn er sich abwendet und mit dem Rücken zum Publikum steht, so vermag er ohne Bewegung trotzdem alles auszudrücken - Verzweiflung, Furcht, Einsamkeit.
Annika Schilling als Pfützchen, eine Verblendete, die ihre Karriere beim "Bund deutscher Mädel" startet, gelingt es zwar gelegentlich, etwas wie verstörende Lebensfreude unter der Verblendung zu zeigen, quietscht mehr oder minder aber nur aufgekratzt herum. Das rettet auch keine ausgiebige Nacktszene mehr, die hier nur vordergründig und banal über die Bühne kommt. Und so geht es leider weiter. Wenngleich das Singen von Nazi-Liedern - vom "Deutschen Mädel" bis hin zu "Bomben auf Engelland" - auch keine besonders originelle Idee ist, sie hätte sicher mit ein paar weniger Gesangseinlagen besser funktioniert. Zudem gab es zu viele Sterne am weiten, weiten Bühnenhimmel und Wagners "Nibelungen" obendrein. Und dann und wann einen schreienden Schauspieler.... Das ist einfach zu viel des Guten. Von Zuckmayers großartigem Theaterstück kam somit zu wenig rüber.
Service
Das Stück
Das Drama schrieb Carl Zuckmayer 1945, es wurde am 14. Dezember 1946 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt (Harras: Gustav Knuth). Am 8. November 1947 folgte die deutsche Erstaufführung am Hamburger Schauspielhaus.
Weitere Aufführungen
Im Schauspielhaus Dresden: 14., 18., 26. Februar, 3., 11., 19. 24. , 29. März. Karten-Telefon: 0351/4913 555.
www.staatsschauspiel-dresden.de
Von Uta Wiedemann
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KGweitere Meldungen:
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