Kultur
Neuer Sachsen-Pop mit Hirn und Seele
Die Neon Pingu Pussys aus Werdau wollen ihren Sieg beim F6 Music Award in eine solide Karriere verwandeln
Berlin/Werdau. Die Werdauer Band Neon Pingu Pussys entwickelt sich zum sächsischen Serien-Sieger: Nachdem man bereits beim Wettbewerb "Band Clash" den Titel der landesbesten Schülerkapelle erobern konnte, siegte die Gruppe nun auch beim F6 Music Award, dem wohl wichtigsten ostdeutschen Nachwuchspreis: In Berlin setzte sich das Quintett gegen die besten Nachwuchskünstler aller anderen Ost-Bundesländer durch und errang ein Förderpaket im Wert von stolzen 30.000 Euro.
Bei aller Euphorie über den hart erarbeiteten Sieg - die "Pingu Pussys" mussten sich immerhin in Regional- und Landesausscheiden gegen eine große Konkurrenz nach oben kämpfen - will die Band nun aber erst einmal eines: zurückschalten. "Wir entwickeln derzeit einen Plan, wie man das Geld am besten nutzen kann", sagt Gitarrist Andres Seidel. "Vor allem wollen wir neue Songs schreiben. Dabei wäre zum Beispiel ein guter Produzent hilfreich". Vertreter der Plattenfirma Universal haben sich bereits zum Besuch im Proberaum angekündigt. "Mit Verträgen werden wir aber erst einmal vorsichtig sein", so Seidel.
Ein Blick in die Annalen des Wettbewerbes gibt ihm dabei recht: Bands wie die Magdeburger Scycs oder die Dresdner Polarkreis 18 konnten ihre ersten oder zweiten Plätze bei dem von Veranstalter-Legende Fritz Rau ins Leben gerufenen F6 Music Award zu einer recht erfolgreichen Karriere weiterdrehen. Andere Sieger-Gruppen verschwanden jedoch so plötzlich wie der Wettbewerb sie ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hatte. "Das ist jetzt eine Chance, aber keine Garantie. Man muss die Möglichkeit nutzen und vor allem hart weiterarbeiten", skizziert Seidel die Zukunft der Werdauer "Pussys". Die Bandmitglieder wollen ihre Studien beziehungsweise Ausbildungen erst einmal weiterführen und den Mehraufwand für die Band dazwischenschieben, um ein möglichst respektables Album hinzubekommen. Derzeit hat die Band ein Programm von nur 40 Minuten - zu wenig, wie die Musiker finden. "Außerdem sind noch einige Songs dabei, die eher aus einer infantilen Spaß-Phase stammen. Mit 17, 18 steht man eben mehr auf aufgedrehte Sachen. Jetzt sind wir nicht mehr so auf Krawall gebürstet. Die neuen Lieder sollen eher die Seele zum Schwingen bringen", so der Gitarrist. Die ersten Schritte in Richtung neuer Ernsthaftigkeit hatte man den Neon Pingu Pussys bereits auf der Wettbewerbsbühne angemerkt: Wo früher noch ein gehöriger Klamauk-Faktor vor allem Schulkumpels ansprach, herrschen nun bereits professionelle Entertainer-Fähigkeiten, die letztlich auch die Jury beeindruckten.
www.nenonpingupussys.de
Von Tim Hofmann
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