Kultur
Polanskis Anwälte beantragen Einstellung des Verfahrens
Geheime Absprache moniert
Los Angeles (ddp). Rund ein halbes Jahr nach der Festnahme von Regisseur Roman Polanski bemühen sich seine Anwälte um Einstellung des Jahrzehnte währenden Verfahrens wegen sexuellen Missbrauchs. In ihrem Antrag monieren sie eine geheime Absprache zwischen führenden Staatsanwälten und dem damaligen umstrittenen Richter Laurence J. Rittenband, wie die "Los Angeles Times" berichtete. Dadurch sei 1977 eine Absetzung Rittenbands durch den zuständigen Staatsanwalt Roger Gunson verhindert worden.
Polanskis Anwälte argumentieren, ihr Mandant habe unter dem 1993 gestorbenen Rittenband keinen fairen Prozess erhalten und solle daher nicht von der Schweiz an die USA ausgeliefert werden. Die Vorwürfe hatten 2008 durch die Dokumentation "Roman Polanski: Wanted and Desired" neue Nahrung erhalten. Ankläger Gunson hatte darin dem Richter Voreingenommenheit vorgeworfen und Verständnis für Polanskis Flucht gezeigt.
Der Regisseur ("Chinatown") hatte sich in Absprache mit der Staatsanwaltschaft 1978 schuldig bekannt, mit einer 13-Jährigen Sex gehabt zu haben. Fünf weitere Anklagepunkte, darunter Vergewaltigung, waren dafür fallengelassen worden. Der Oscar-Preisträger hatte sich dem endgültigen Richterspruch durch Flut entzogen. Ende September war der 76-Jährige auf Basis eines US-Haftbefehls in Zürich festgenommen worden. Seit Anfang Dezember steht er in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest. Laut einem Schweizer Justizsprecher drohen ihm in den USA maximal zwei Jahre Haft.
Über die Auslieferung sollte ursprünglich im Januar entschieden werden. Das Schweizer Bundesamt für Justiz hat die Entscheidung mittlerweile auf unbestimmte Zeit vertagt. Zuvor müsse geklärt werden, ob Polanski tatsächlich persönlich vor einem US-Gericht erscheinen müsse. Ein Antrag von Polanskis Anwälten, den Prozess in Abwesenheit ihres Mandaten zu führen, war Ende Januar von einem US-Richter abgelehnt worden. Gegen das Urteil kann Medienberichten zufolge bis 24. März Einspruch eingelegt werden. Polanski war vor einem Monat bei der Berlinale in Abwesenheit für seinen Thriller "Der Ghostwriter" als bester Regisseur geehrt worden.
(ddp)
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