Kultur
Rolling-Stones-Fan gründet in Lüchow Museum über die Rockband
Sammlung von Erinnerungsstücken seit frühen 60er Jahren
Lüchow (ddp-nrd). Bohrmaschinenlärm und Hammerschläge dringen aus dem ehemaligen Supermarkt in der Lüchower Innenstadt. "Das ist es", sagt Ulli Schröder, öffnet die Tür und deutet stolz auf die Baustelle: Im Frühjahr 2011 wird hier das weltweit erste Museum zur Geschichte der Rockband "The Rolling Stones" öffnen.
Schröder ist Initiator des Projekts und leidenschaftlicher Fan der Rockgruppe, die er scherzhaft "berühmteste Kapelle der Welt" nennt. Mehr als 160 Konzerte habe er seit der Gründung der Band im Jahr 1962 besucht, das erste 1965 in Hamburg. "Das Ticket zu diesem Konzert ist aus heutiger Sicht das erste Exponat meiner Sammlung", sagt der 60-Jährige. Es sei, wenn man so wolle, "auch das Wichtigste".
In seinem Lüchower Wohnhaus beherbergt Schröder 2500 Stones-Platten, Gitarren der Bandmitglieder, Bilder des Gitarristen Ron Wood, Poster, Marionetten und eine Unzahl weiterer Fan-Artikel. "Einer meiner Beweggründe zur Einrichtung des Museums war auch die Frage, was später einmal aus den Sachen werden soll", sagt er. Der Hauptgrund indessen sei ein anderer: "Die Sachen müssen an die Öffentlichkeit".
Rund 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet das künftige Museumsgebäude, ein Haus mit Fachwerkfassade. "Dort, wo die Gemüseabteilung war, bauen wir unsere Bühne", sagt Schröder. Auf der Bühne sollen Coverbands die Hits der Rolling Stones spielen, "vielleicht können wir auch einen Bandwettbewerb veranstalten", sagt Schröder. Ein Auftritt der echten Rolling Stones sei bislang nicht geplant.
Vom Steinboden abgesehen lässt nichts mehr auf die einstige Nutzung des Gebäudes schließen, zu vollgestellt ist alles mit Regalen und künftigen Exponaten wie Schildern und Bannern, auf denen das Bandlogo, ein Mund mit herausgestreckter Zunge, prangt. Auch ein Flipper steht im Erdgeschoss, darauf abgebildet sind die Konterfeis der Bandmitglieder Mick Jagger und Keith Richards.
"Für viele ist es eine spleenige Idee, ausgerechnet in Lüchow ein Rolling-Stones-Museum einzurichten", sagt Schröder. Bislang hatte die Stadt im Wendland vor allem im Zusammenhang mit Castor-Transporten Bekanntheit erlangt. Es habe wegen des Museums auch schon ein paar böse Leserbriefe in der Zeitung gegeben. "Aber wir machen das trotzdem", betont Schröder. Aus markenschutzrechtlichen Gründen dürfe das Museum nicht "Rolling-Stones-Museum" heißen, dafür habe man keine Erlaubnis bekommen. Es werde deshalb als "Rolling-Stones-Fan-Museum" geführt, sagt Schröder.
Das Budget des Museums ist eng. Der Großteil der Mittel fließt aus der Tasche von Initiator Schröder, die ortsansässigen Handwerksbetriebe gewähren ihm Sonderkonditionen. Zehn Freunde und Unterstützer stehen an Schröders Seite und helfen beim Bohren, Sägen und Fliesenlegen. Die Gallionsfigur des Projekts ist Schröder selbst. Mit schwarzer Sonnenbrille, Zylinder und im Frack mit Dutzenden Fan-Buttons lacht er von allen Plakaten und Flyern.
Die Stadt Lüchow unterstützt das Projekt mit 100 000 Euro. Im Gegenzug verpflichtete sich Schröder, das Museum jährlich in den Sommermonaten - geplant ist die Zeit zwischen Ostern und Oktober - an sechs Wochentagen sechs Stunden lang geöffnet zu halten. "Auch die Immobilie hat uns die Stadt vermittelt", sagt Schröder.
Der Bürgermeister der Samtgemeinde Lüchow, Hubert Schwedland (SPD), setzt große Hoffnungen in das Projekt: "Wir glauben an den Erfolg des Museums", sagt er. "Die weltweite Alleinstellung dieses Projektes mit großem Kultpotenzial lässt uns Großes erwarten." Eine eigens in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeitsstudie prognostiziert jährlich 12 000 Besucher und sieht damit neben zahlreichen zusätzlichen Tages- und Übernachtungsgästen für Lüchow längerfristig auch einen Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Region.
"Bei den Liebhabern sauberer Luft, traumhafter Landschaften und sportlicher Aktivitäten stehen wir mit dem Wendland bereits hoch im Kurs", sagt Schwedland. Mit den erwarteten Museumsbesuchern werde eine ganz neue Zielgruppe hinzugewonnen. Das Stones-Museum sei somit Bestandteil einer überregionalen Vermarktung von Stadt und Samtgemeinde.
Auch die Lüchower Bevölkerung unterstützt Schröder. "Ich bekomme immer wieder Anrufe von Leuten, die ihre Fanartikelsammlung auflösen oder Poster und Plakate auf dem Dachboden finden. Immer wieder würden ihm auch Poster und T-Shirts zu den Beatles angeboten, sagt Schröder - die Band galt unter Fans als Gegenspieler der Rolling Stones. Schröder lächelt gequält: "Dafür haben wir hier aber natürlich keinen Platz."
ddp
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