Kultur
Die Dreigroschenoper und das verstimmte Klavier
Ein Deutscher gehört zu den erfolgreichsten Filmkomponisten aller Zeiten und gibt auch bei "Inception" den Ton an: Hans Zimmer
Los Angeles. Hans Zimmer, geboren 1957 in Frankfurt am Main, gehört zu den erfolgreichsten Filmkomponisten aller Zeiten. Mit seiner musikalischen Handschrift trug er wesentlich zum Erfolg von Filmen wie "Rain Man", "Gladiator" oder "Fluch der Karibik" bei, seine Komposition zur Disney-Produktion "Der König der Löwen" wurde 1995 mit dem Oscar ausgezeichnet. Heute lebt Zimmer in Los Angeles, schwingt aber hin und wieder auch für deutsche Produktionen ("Lauras Stern", "Henri 4") den Taktstock. Zwischen seiner Arbeit an "Sherlock Holmes" und "Inception", dem neuen Film von "The Dark Knight"-Regisseur Christopher Nolan (Kinostart morgen), nahm sich Hans Zimmer die Zeit für ein Gespräch mit André Wesche über seine Arbeit.
Freie Presse: Herr Zimmer, wie kommen Sie in der Regel an Bord eines Film-Projektes?
Hans Zimmer: Der Regisseur ruft mich an und fragt, ob ich mal vorbeikomme und mit ihm spreche. Man versucht herauszufinden, ob man zusammenpasst und sich versteht. Guy Ritchie ("Sherlock Holmes") kannte ich noch gar nicht. Er hatte den Film schon fertig, als er sich an mich wandte. Als wir uns über unseren Musikgeschmack unterhalten haben, haben wir festgestellt, dass wir beide irischen Folk und Zigeunermusik mögen. Guy Ritchie kennt wirklich jeden irischen Folk-Song auswendig. Ich habe auch deutsche Elemente eingebracht, mich an die "Dreigroschenoper" von Kurt Weill angelehnt. Diesen Ton wollte ich einfangen. Und ich habe jahrelang in England gelebt. Dort hört man dieses verstimmte Klavier in jedem Pub an der Ecke. So kamen wir langsam in eine Richtung. Am Ende des Tages ist die Musik dann genauso von Guy Ritchie geprägt wie von mir.
Freie Presse: Gibt es Regisseure, deren Stil Ihnen mehr liegt als der von anderen?
Zimmer: Ich versuche immer, mich abzuwechseln und jedes Mal etwas ganz anderes zu machen. Natürlich kann ich meinem eigenen Stil nicht entkommen, aber ich möchte immer etwas Neues erfinden. Auch für den Komponisten gilt, dass Komödien immer schwieriger sind als alles andere. Es gibt Leute, die behaupten, ich mache das ganz gut, aber ehrlich gesagt fällt mir Komödie immer am schwersten. Sachen wie "Dark Knight" oder "Gladiator" liegen mir wesentlich mehr.
Freie Presse: Gibt es Filmemacher, die keine Ahnung von Musik haben?
Zimmer: Da gibt es eine ganze Menge, und ich versuche, nicht mit ihnen zu arbeiten. Es ist auch ein Unterschied, ob man von Musik keine Ahnung hat oder ob man Musik nicht liebt. Ich möchte mit Leuten arbeiten, die Musik schätzen.
Freie Presse: In den letzten Jahren arbeiten Sie verstärkt mit anderen Kollegen zusammen. Warum?
Zimmer: Dafür gibt es viele Gründe. Mir liegt schon immer viel daran, dass die Welt neue Talente entdeckt. Ich möchte, dass diese Namen auch auf die Leinwand kommen. Film ist immer eine Zusammenarbeit. Ganz demokratisch geht es allerdings nicht zu, ein bisschen bin ich schon ein Diktator. Am Ende des Tages bin ich der Architekt, der die Musik schreibt und den Stil erfindet.
Freie Presse: Wie hat die fortschreitende technische Revolution des Mediums Film Ihre Arbeit verändert?
Zimmer: Sie hat sich vollkommen verändert, allerdings mehr für die anderen Leute. Ich habe ja schon immer mit Technologie gearbeitet. Als ich nach Hollywood kam, hat jeder noch brav mit dem Bleistift auf das Papier geschrieben. Ich konnte das nicht, ich bin viel stärker in der Welt der Computer zuhause, das war schon immer mein Instrument.
Freie Presse: Würden Sie an einem kurzen Ausschnitt jede Filmmusik erkennen, die Sie je geschrieben haben?
Zimmer: Wahrscheinlich schon. Aber ich vergesse auch eine Menge. Wenn etwas geschrieben ist, ist es fertig. Ich höre es mir nicht mehr an. Ehrlich gesagt, macht es mir mehr Spaß, die Musik zu schreiben, als sie hinterher anzuhören.
Service
Informationen zum Streifen "Inception", zu dem Hans Zimmer die Filmmusik schrieb, sowie zu weiteren neuen Kinoproduktion gibt es morgen im
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