Eindrucksvoll: "Selbst mit Modell" von Clemens Gröszer in der Neuen Sächsischen Galerie. 
Eindrucksvoll: "Selbst mit Modell" von Clemens Gröszer in der Neuen Sächsischen Galerie.

Foto: Neue Sächsische Galerie/Laszlo Toth (Reproduktion)

Auf dem Jahrmarkt der Einsamkeiten

Künstler Clemens Gröszer, Volker Stelzmann und Norbert Wagenbrett stellen in der Neuen Sächsischen Galerie aus

Chemnitz. Zwar ist das Otto-Dix-Jahr vorbei, doch sowohl im Gunzenhauser-Museum als auch in der Neuen Sächsischen Galerie erinnern die laufenden Ausstellungen noch an den Künstler, der in Chemnitz seine Spuren hinterlassen hat. Besonders ambitioniert ist das Projekt der Neuen Sächsischen Galerie, die mit Clemens Gröszer, Volker Stelzmann und Norbert Wagenbrett drei ostdeutsche Nachfahren der Neuen Sachlichkeit präsentiert, die Dix einst mit begründete.

Volker Stelzmann, der Älteste der drei ausgezeichneten Maler, und die beiden etwas jüngeren Clemens Gröszer und Norbert Wagenbrett führen eine Kunsttradition dort fort, wo Otto Dix unter dem Eindruck der repressiven Kunstpolitik der Nationalsozialisten aufgehört hatte. Alle drei glänzend ausgebildet und mit der Kulturpolitik der DDR aufgewachsen, setzen deren "sozialistischen Realismus" mutig eine Art "Überrealismus" entgegen, der der Realität viel näher kommt, ohne sie einfach nur zu plagiieren.

In der Welt verlorener Werte

Volker Stelzmann, der 1986 nach Westberlin übersiedelte, begleitete mit seinen Bildern Jugendkultur und Jugendbewegungen in Ost und West. Oft sind seine Figuren in eine kalte, anonyme Umgebung gestellt, die verdrängte Ängste, mehr oder weniger unterdrückte Gewalt nur umso stärker zur Geltung bringt. Er malte schon Punker und Skinheads, als es die offiziell gewissermaßen noch gar nicht gab. Die in Chemnitz gezeigten neueren Bilder, etwa in dem Triptychon "Passage", gestehen seinen markant gekleideten und frisierten Figuren ein merkwürdiges Selbstbewusstsein zu, das sich genau gegen die Realität wendet, der sie selbst angehören und die sie selbst ausmachen. Sie gestatten sich zwar Eitelkeit, aber keine Trauer, und sie wirken so verloren, wie man in einer Welt verloren gehender Werte nur sein kann.

Ähnlich eitel gebärden sich viele der großstädtischen Parvenüs, die die Bilder von Clemens Gröszer bevölkern. In einigen der großformatigen Gemälde kann man mit Erfolg nach bekannten Gesichtern suchen, die an einer fiktiven "Réunion" (Abendmahl) teilnehmen oder sich im "Grand Café", dem Café Einstein treffen. Mit zum Teil grandios bestechender Ironie nimmt ihnen der Maler die Bedeutung, die sie sich selbst geben oder die ihnen von einer Welt des schönen Scheins gegeben wird. Viele Bilder Gröszers, der auch als Bildhauer arbeitet und mit anderen Kunstformen experimentiert hat, strahlen einen morbide-faszinierenden Charme aus, thematisieren oft mit Bezügen zu biblischen Motiven das Verhältnis der Menschen zueinander, das Verhältnis des Künstlers zu seinem Modell, zur Kunst und zur Welt, mit einem gewissen Hang zur stilisierten Dekadenz, die gleichwohl in der Realität ihre Grundlage hat.

 
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Auf dem Jahrmarkt der Einsamkeiten
Auf der Suche nach Wärme
Die Maler und die Ausstellung
 
erschienen am 07.01.2012 ( Von Matthias Zwarg )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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