Foto: dapd
Die "Große Nacht im Eimer" in der Villa Schöningen
Ausstellung zeigt Baselitz-Werke aus der Berliner Zeit des Künstlers
Potsdam (dapd-lbg). Auf der großen braun-schwarzen Leinwand ist ein weißes Männlein mit einem großen kahlen Kopf zu erkennen. Mit auf den Boden gerichteten Blick beugt es sich nach vorne, die Hände umfassen das nackte Glied.
Es ist eine Version von Georg Baselitz' "Die große Nacht im Eimer", das im Berlin der 1960er Jahre für einen großen Skandal sorgte und dem Künstler gleichzeitig berühmt machte. Dieses und 20 weitere Baselitz-Werke aus der Sammlung des Künstlers selbst sind ab Samstag (4. Februar) in der Potsdamer Villa Schöningen zu sehen.
Die Exponate stammen hauptsächlich aus der Berliner Zeit des Künstlers, wie Kurator Norman Rosenthal sagt. Dort lebte Baselitz, 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz (Sachsen) geboren, seit 1956 und studierte zunächst an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Ost-Berlin. Doch nach zwei Semestern musste er wegen "gesellschaftspolitischer Unreife" gehen und wechselte an die Hochschule der Bildenden Künste in West-Berlin.
Doch der dort vorherrschende Tachismus - eine abstrakte Form des Expressionismus - habe ihm genauso wenig gepasst wie der sozialistische Realismus in der DDR, sagt Rosenthal. "Er wollte etwas Neues". Der junge Künstler schuf aggressive und teils auch verstörende Bilder in jener Zeit, die sich in keinen bis dahin existierenden Stil einordnen ließen. Bestes Beispiel dafür ist die "Die große Nacht im Eimer".
Als das Werk 1963 in der Galerie "Werner & Kratz" am Kurfürstendamm ausgestellt wurde, kam es zum Skandal: Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte dieses sowie ein weiteres Bild, Baselitz wurde angeklagt, "fortgesetzte und gemeinschaftlich begangene Handlungen unzüchtige Darstellungen an Orten, welche dem Publikum zugänglich waren, ausgestellt zu haben". Der anschließende Prozess endete erst 1965 mit der Rückgabe der Bilder.
Anschließend schuf Baselitz dann die bekannten "Heldenbilder", von denen in der Ausstellung ebenfalls eines zu sehen ist. "Ökonomie" zeige einen Soldaten, der aus dem Krieg heimkomme, sagt Rosenthal. "Man sieht, dass alles schiefgegangen ist." Auch eine Auswahl an "Remix"-Bildern, bei denen Baselitz Motive früherer Werke wieder aufgreift und neu gestaltet, sind zu sehen.
Den Abschluss der Berliner Jahre und damit auch der Ausstellung bilden die 1966 entstandenen großformatigen Frakturbilder, von denen "Große Nacht im Eimer Heimat" und "Lockiger" gezeigt werden. Die Figuren darauf sind zerteilt und verschoben - für Rosenthal schon ein Hinweis auf die späteren Bilder "auf dem Kopf", für die Baselitz heute vor allem bekannt ist.
Die Ausstellung "Baselitz aus der Sammlung Baselitz - Die Berliner Jahre" ist bis zum 1. August in der Villa Schöningen zu sehen. Eröffnet wird sie am (heutigen) Freitagabend.
dapd