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Eike von Repgow-Dorf Reppichau feiert seinen berühmten Sohn

Ort bei Köthen sieht sich als Museum für Rechtsgeschichte

Reppichau (ddp-lsa). Erich Reichert kann sich noch gut erinnern, wann er das erste Mal von Eike von Repgow hörte. Das war 1959, er war gerade zehn Jahre alt. "Anlässlich der 800-Jahr-Feier von Reppichau gab es ein großes Fest im Dorf", sagt er rückblickend. In der Schule erfuhr Reichert wenig über den Schöpfer des Sachsenspiegels, der vermutlich um 1180 in dem kleinen Ort bei Köthen geboren wurde.

Als Reicherts Heimatdorf 825 Jahre alt wurde, war es der CDU-Mann, der dieses Jubiläum feiern wollte. Damals fand er bei den verantwortlichen Volksvertretern wenig Gehör. 25 Jahre später hat Reichert als Bürgermeister, CDU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Eike-von-Repgow-Fördervereins keinerlei Schwierigkeiten mehr, sich Gehör zu verschaffen. Heute ist Eike von Repgow das Pfund, mit dem Reppichau wuchert.

Deshalb feiert der Ort am Wochenende sich und Eike von Repgow. "Neben mittelalterlichem Markttreiben und einem Festgottesdienst können Besucher am Sonntag einen historischen Festumzug durch den 480 Einwohner zählenden Ort erleben", sagt Reichert.

"Reppichau ist das erste und einzige Freilichtmuseum für Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte", wirbt der Ort in Prospekten. Am Dorfteich werden die Besucher von sieben fünf Meter hohen bunten Metallfiguren begrüßt. Nebenan hat das alte Feuerwehrhaus eine Burgfassade bekommen. Dort erhalten Besucher alle Informationen für den Rundgang durch das Museumsdorf und dessen Kunstprojekt. Das besteht inzwischen aus mehr als 50 lebensgroßen Metallfiguren mit den unterschiedlichsten Motiven aus dem Sachsenspiegel. Deren Bedeutung erschließt sich dem Besucher meist nicht sofort, daher bietet der Förderverein auch geführte Rundgänge durch das Dorf an.

Es geht vorbei an lebensgroßen Lampenhaltern die Grobiane, Narren und eine Giftmischerin zeigen. Immer wieder tauchen Tiere auf. Viele Häuserfassaden sind mit Motiven der Rechtsprechung bemalt, erklären das Verwandtschaftsrecht oder geben Auskunft über strafbare Handlungen. Auch die prunkvollen Schlösser Anhalts sind als Wandbilder zu sehen. Am Mühlenmuseum wartet Reichert meist mit dem berühmten Spruch "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" auf. Nicht selten erntet er erstaunte Blicke, wenn die Gäste erfahren, dass dieser aus dem Sachsenspiegel stammt und quasi bis heute im Patentrecht verankert ist.

Repgow hatte mit dem Sachsenspiegel das bedeutendste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters verfasst, auf dessen Grundlage bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches 1900 fast 700 Jahre lang Recht gesprochen wurde.

Mit dem Kunstprojekt Sachsenspiegel lockt der 120 Mitglieder zählende Förderverein jährlich bis zu 7000 Besucher an. Reichert vermutet sogar noch mehr. "Da drei touristisch bedeutende Wege unseren Ort durchqueren, gibt es sicher noch viele Radtouristen, die wir nicht erfassen." Neben dem internationalen Radweg R1 führen der Lutherweg und die Oranier-Route durch Reppichau.

Seit wenigen Wochen erwartet auch die im mittelalterlichen Stil eingerichtete Gaststätte "Zur Morgengabe" die Touristen. An den Wänden sind Szenen aus der Rechtsprechung zu sehen, fast alle Bilder stammen von dem Köthener Kunstmaler Steffen Rogge. Am Dorfplatz hat er neue Metallskulptur bemalt, die die Besucher zur 850-Jahr-Feier und ersten urkundlichen Erwähnung Eike von Repgows vor 800 Jahren am Wochenende auch bestaunen können.

(ddp)

 
erschienen am 19.06.2009
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