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Eines der ältesten Orchester Deutschlands feiert Geburtstag

Badische Staatskapelle wurde vor 350 Jahren erstmals erwähnt

Karlsruhe (dapd). Sie zählt zu den ältesten Orchestern in Deutschland: Die Badische Staatskapelle in Karlsruhe feiert in diesem Jahr ihr 350. Jubiläum - und ist damit älter als die Stadt Karlsruhe selbst. Seinen Ursprung hat das renommierte Orchester in der Hofkapelle der Markgrafen von Baden-Durlach. Im Jahr 1662 wurde es erstmals als "Music der Hof-Capellen" urkundlich erwähnt. Durlach wurde später zu einem Stadtteil von Karlsruhe, und die einstige Hofkapelle ist heute das Konzert- und Opernorchester des Badischen Staatstheaters.

In Deutschland gebe es höchstens ein Dutzend Orchester, die ähnlich alt seien wie die Badische Staatskapelle, sagt Orchesterdirektor Axel Schlicksupp. Das außergewöhnliche Jubiläumsjahr wird daher ausgiebig gefeiert: Auf dem Programm stehen historische Konzerte ebenso wie eine Ausstellung und ein Orchesterfest.

Den Auftakt bildet ein Konzert mit Festakt am Montag im Großen Haus des Staatstheaters. Aufgeführt wird das Karlsruher Werk schlechthin, die 1876 von der Staatskapelle uraufgeführte 1. Sinfonie c-moll von Johannes Brahms. Zudem wird das Stück "Abendempfindung" des jungen Komponisten Anno Schreier gespielt, ein Auftragswerk des Badischen Staatstheaters, das am 1. Januar uraufgeführt wurde.

Zeitgenössische Kompositionen haben im Repertoire der Badischen Staatskapelle generell einen festen Platz, und das wird auch im Jubiläumsprogramm deutlich. Zu den Höhepunkten zählt ein Festkonzert zum 60. Geburtstag Wolfgang Rihms am 13. März, bei dem ein Auftragswerk des berühmten Komponisten uraufgeführt wird. Den Schlusspunkt setzt Mitte Dezember ein Sonderkonzert mit Arnold Schönbergs "Gurreliedern", die mit mehr als 300 Beteiligten zu den am größten besetzten Werken der Orchesterliteratur zählen.

Auch wenn die "Gurrelieder" zum spätromantischen Frühwerk Schönbergs zählen, stellen sie nicht nur an das Orchester Ansprüche. Die Zuhörer zu unterfordern sei der größte Fehler, den ein Orchester machen könne, betont Schlicksupp. Auf dem Jubiläumsprogramm stünden jedoch nicht nur Herausforderungen, sondern auch "Konzerte zum Genießen". Dazu zählten die Historischen Konzerte, die sich strikt an das Originalprogramm berühmter Komponisten und Solisten wie Bela Bartok, Richard Strauss oder Niccolo Paganini in Karlsruhe halten.

In der Fächerstadt brachten berühmte Komponisten wie Richard Wagner, Hector Berlioz oder eben Brahms ihre Werke zur Uraufführung. Das Orchester sei schon immer sehr zeitgenössisch gewesen, sagt Schlicksupp. Auch heute würden viele moderne Kompositionen gespielt. Natürlich lösten sie manchmal Kontroversen aus, doch das sei in vergangenen Jahrhunderten ebenfalls der Fall gewesen. So manche Werke, die heute zu den Klassikern zählten, seien bei der Uraufführung beim Publikum durchgefallen. Selbst Brahms habe für seine berühmte 1. Sinfonie auch Kritik einstecken müssen.

Problematisch sei jedoch, dass viele Werke heutiger Komponisten nach der Uraufführung in der Versenkung landeten, kritisierte Schlicksupp. Die Badische Staatskapelle bringe daher viele solcher Kompositionen zur Wiederaufführung. Ziel sei es, bei jedem Konzert auch ein modernes Werk aufzuführen. Damit wolle man dem Publikum beweisen, dass die weitverbreiteten Vorurteile gegen zeitgenösissche Musik nicht gerechtfertigt seien.

Im vergangenen Jahr kamen 33.500 Zuhörer zu den Konzerten der Badischen Staatskapelle. Die Veranstaltungen seien stets gut ausgebucht, es gebe ein sehr treues Publikum, sagt Schlicksupp. Allerdings sitzen auch in Karlsruhe vor allem ältere Menschen im Konzertsaal. Das Orchester unternimmt vieles, um die Jüngeren an klassische Musik heranzuführen. Die Kinderkonzert-Reihe ist nach Angaben von Schlicksupp so erfolgreich, dass sie inzwischen erweitert wurde. Neu in diesem Jahr ist eine Reihe von Jugendkonzerten. Dabei wird ein klassisches Werk gespielt und mit Ausschnitten und Klangbeispielen erläutert.

dapd

 
erschienen am 05.01.2012
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