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Elbphilharmonie-Ausschuss befragt mit Hartmut Wegener ersten Zeugen

Er fühlt sich zu Unrecht zum "Sündenbock" gestempelt

Hamburg (ddp). Mit der Befragung von Hartmut Wegener hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) der Hamburger Bürgerschaft zur Elbphilharmonie am Donnerstagabend die Vernehmung von Zeugen begonnen. Wegener war im September 2008 nach mehr als vier Jahren als Chef der Realisierungsgesellschaft ReGe zurückgetreten und durch Heribert Leutner ersetzt worden. In seinem rund einstündigen Vortrag vor dem Gremium wies der ehemalige Projektkoordinator des umstrittenen Konzerthauses die Vorwürfe zurück, er habe aufgrund seines harten Verhandelns mit den Architekten und dem Baukonzern Hochtief "zur Verkantung" beigetragen. Er fühle sich zu Unrecht zum "Sündenbock" gestempelt. Er habe die Aufsichtsgremien stets ausreichend informiert.

Wegener stritt zudem ab, den Bau der Elbphilharmonie verzögert zu haben. Er wies vor allem die Vorwürfe der ehemaligen Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) und ihres Nachfolgers und früheren Staatsrats Reinhard Stuth (CDU) zurück. Stattdessen beschuldigte er die Politiker, die Bürgerschaft falsch informiert zu haben.

Mit seiner Aussage hat sich Wegener am Donnerstag erstmals seit seinem Ausscheiden aus dem Prestigeprojekt wieder öffentlich geäußert. Dabei gestand der heute 64-Jährige auch eigene Fehler bei der Planung der Elbphilharmonie ein. So habe er zu spät gemerkt, dass die Architekten und Hochtief nicht an einem schnellen Baufortschritt interessiert waren. Die Architekten hätten eine "wunderbare Planung" mit allerdings "riesigen Ausführungsproblemen" gehabt. Und Hochtief habe an dem Bauverzug verdienen wollen, sagte Wegener. Die Planung sei von "erheblichen Abstimmungs- und Steuerungsproblemen" begleitet worden.

Nach Wegeners Ausscheiden hatte sich die Stadt mit dem Baukonzern auf Nachtragskosten in Höhe von 137 Millionen Euro geeinigt. Wegener war einst mit einem Spielraum von 75 Millionen in die Verhandlungen gegangen.

Der Anfang Mai 2010 von der Bürgerschaft eingesetzte Ausschuss soll die Ursachen und Hintergründe der Kostenexplosion beim Bau der prestigeträchtigen Elbphilharmonie untersuchen. Zudem soll die politische Verantwortung für die Fehlentwicklung des Projekts geklärt werden. Die Elbphilharmonie ist seit Jahren Streitobjekt in Hamburg. Die Bürgerschaft bewilligte bisher 323,5 Millionen Euro für das Vorhaben. Ursprünglich waren 77 Millionen Euro veranschlagt worden. Auch der Eröffnungstermin hat sich seit der Grundsteinlegung im April 2007 immer wieder verschoben. Zuletzt hieß es, das Konzerthaus in der HafenCity solle Anfang 2013 öffnen.

In dem Untersuchungsausschuss sind auch die Vernehmungen von Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust, Ex-Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (beide CDU) und von Welck geplant.

ddp

 
erschienen am 02.09.2010
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