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Entdeckungsreise in eine andere Kultur
Afrikahaus in Sebnitz entstand aus vier Privatsammlungen
Sebnitz (dapd-lsc). Von der Sächsischen Schweiz nach Afrika ist es nicht weit. Jedenfalls nicht für diejenigen, in sich in einem für die Region typischen Umgebindehaus in Sebnitz am Rand des Elbsandsteingebirges auf eine kleine Expedition einlassen. Mächtige Holzmasken und Kultfiguren entführen dort Besucher auf den schwarzen Kontinent. Im September feiert das Afrikahaus in Sebnitz sein zehnjähriges Bestehen.
"Wir sind eine anerkannte Institution in Sebnitz", sagt Leiter Franz Irlich, ein gebürtiger Namibier mit deutschem und namibischem Pass, der sich selbst als Afrikaner bezeichnet. Zu sehen sind in dem Museum zahlreiche Exponate, darunter eine Hütte von Viehhirten. Ein Nomade des Himba-Volks hat sie aus Kuhmist errichtet, der aus Namibia eingeflogen wurde.
Anfeindungen gegen das Afrikahaus habe es nie gegeben. "Keine Schmierereien, keine Anschläge, keine Drohungen", sagt der 60-Jährige nachdrücklich. Er betont das, weil die Sächsische Schweiz als eine Hochburg der Rechtsradikalen in Deutschland gilt und die rechtsextreme NPD in der Vergangenheit vergleichsweise viele Wähler in der Region fand. Die meisten Sebnitzer seien weltoffen und an fremden Kulturen interessiert, sagt Irlich. Viele hätten die Pläne für das Afrikahaus unterstützt.
Die Idee dazu stammte vom inzwischen verstorbenen bayerischen Unternehmer Eckard Nold, der in Namibia lange Zeit Geschäfte tätigte, nach der Wende in und um Sebnitz investierte und viele historische Immobilien vor dem Verfall bewahrte.
Seine umfangreiche Sammlung afrikanischer Kunst und wissenschaftlicher Literatur sollte der Nachwelt erhalten werden, erinnert sich Irlich, der in diesem Herbst nach zehn Jahren in Sebnitz wieder zurück in seine afrikanische Heimat geht. Dem Afrikahaus will er aber weiterhin verbunden bleiben.
Über Jahre hinweg hat er Gäste aus verschiedenen afrikanischen Ländern eingeladen und empfangen, zuletzt war der Botschafter Lesothos zu Gast und hat dem Museum Trachten seiner Heimat geschenkt.
Schulklassen aus Sachsen und Tschechien nutzen die Einrichtung für den Unterricht, Afrikanistik-Studenten aus Leipzig und Stuttgart für wissenschaftliche Arbeiten. Neben der Sammlung der Familie Nold mit Schwerpunkt auf der deutschen Kolonialzeit in Namibia und einer Bibliothek mit 3.400 Titeln haben drei weitere Afrika-Experten ihre Sammlungen aus unterschiedlichsten Regionen des Kontinents als Dauerleihgaben der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darunter sind Originaldokumente eines ehemaligen Mitarbeiters von Albert Schweitzer und Exponate der Heinrich-Barth-Gesellschaft.
Anspruch des Museums ist es, dass das sogenannte Fremde dem Besucher nicht fremd bleiben solle. Erklärtes Ziel ist es auch, bereits Kinder an fremde Kulturen heranzuführen. So lädt ein Baumhaus zum spielerischen Entdecken der afrikanischen Natur und Kultur ein.
Das Afrikahaus Sebnitz verfüge über einen Objektgrundstock vom afrikanischen Kontinent, der regional und ethnisch breit gefächert sei, sagt Silvia Dolz, Kustodin der Afrika-Sammlung im Museum für Völkerkunde Dresden. "Einzelne Objekte nehmen dabei eine Sonderstellung ein, da sie entweder seltenere Sammlungsstücke oder ästhetisch besonders gute Stücke sind."
Trotz der Vielzahl der Objekte könne die Sammlung kein komplettes Kulturbild eines oder mehrerer Völker in Afrika zeichnen, fügt sie hinzu. Die Zusammenführung der vier privaten Sammlungen gewähre jedoch Einblicke in die Kulturgeschichte, in die Vielfalt der Lebensbereiche, in Lebensvorstellungen und in die breite Palette handwerklichen sowie kunsthandwerklichen Könnens afrikanischer Menschen, betont die Afrika-Kennerin.
Thematisiert werde auch die historische Wahrnehmung und koloniale Einflussnahme aus europäischer Sicht. Besonders beleuchtet wird dabei das Wirken von deutschen Forschern sowie großen Humanisten. Das Afrikahaus schaffe damit einen interkulturellen Bildungs- und Treffpunkt in einer Region, "die nicht unmittelbar von den Möglichkeiten größerer kultureller Brennpunkte profitieren kann", sagt Dolz.
dapd