1983 malte Kurt Pesl diesen "Blick auf Ronneburg" in Öl.
Foto: Wismut
Gerangel um Wismut-Kunst
Neue Runde um Zukunft der riesigen Archivbestände
Chemnitz/Bad Schlema. Nach dem Scheitern des Vorhabens, Teile des Archivgutes und der Kunstsammlung der Wismut im künftigen Haus der Archäologie in Chemnitz dauerhaft auszustellen, wurde nun eine neue Runde um die Zukunft eines der größten Unternehmensarchive in Deutschland eingeläutet. Der Bürgermeister von Bad Schlema (Erzgebirgskreis), Jens Müller (Freie Wähler), hat der Geschäftsführung des Bundesunternehmens die Offerte unterbreitet, zumindest Teile der Sammlungen dauerhaft in Schlema der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zugleich sei er dabei, mit dem Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle zu prüfen, inwieweit das Vorhaben förderfähig sei. Ihm schwebe ein Länder übergreifendes Projekt mit Tschechien vor, "vielleicht eine Art europäisches Uranbergbaumuseum", sagte Müller.
Es gebe viele Parallelen bei der Sanierung der Uranbergbau-Hinterlassenschaften und zugleich mit dem Unternehmen Diamo in Tschechien noch einen aktiven Uranproduzenten. Der Stadtchef von Bad Schlema hat EU-Fördermittel aus dem sogenannten Ziel-3-Topf im Auge, die bis 2013 zur Verfügung stehen.
"Schlema gehörte zu den am stärksten von der Wismut geschädigten Gemeinden", so Müller. Der heutige Kurort sei aber auch ein Paradebeispiel für die gelungene Sanierungstätigkeit. "Nirgendwo kann man so anschaulich zeigen, wie Landschaft über Jahrzehnte im Negativen wie im Positiven verändert wurde. Würde die Wismut auch ihre Kunst- und ihre Mineraliensammlung hierher verlagern und öffentlich zugänglich machen, würde sich für Bad Schlema der Kreis schließen. Wir sind als Kurort ein Leuchtturm in der Wismut-Landschaft."
Die beiden Geschäftsführer der Wismut GmbH können das Engagement des Kurortchefs durchaus nachvollziehen. Allerdings wissen sie von ähnlichen Begehrlichkeiten weiterer Wismut-Standorte, darunter Johanngeorgenstadt (Erzgebirgskreis). "Es werden sich noch andere zu Wort melden. Wir können die Standortfrage aber nicht an erste Stelle rücken", sagte der kaufmännische Geschäftsführer Hardi Messing. Man müsse sich zuerst mit der Frage beschäftigen, "was haben wir mit den umfangreichen Archivbeständen vor, wie gehen wir mit diesem Erbe um, und an zweiter Stelle den Standort diskutieren".
Am Tag zuvor geführte Gespräche mit dem Bergbaubautraditionsverein Wismut hätten gezeigt, dass es sehr differenzierte Sichtweisen und Interessenslagen gebe. "Letztlich widerspiegeln unsere Archivbestände die Lebenserfahrungen und Einzelschicksale von fast 500.000 Beschäftigten", sagte der technische Geschäftsführer Stefan Mann. Geplant sei als nächster Schritt ein Symposium, bei dem man sich von Wissenschaftlern und Museologen Anregungen für eine dauerhafte Präsentation holen will. Denkbar sei auch, Künstler einzubeziehen, "solche, die eine objektive Sicht auf die Dinge haben". Während sich Chemnitz durch nicht nachvollziehbare Geldforderungen der Möglichkeit beraubt hat, mit einer Wismut-Schau im Stadtzentrum ein besonderes Stück Geschichte zu bewahren, gibt es bereits eine Anfrage des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst. Es erinnert an die Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 und an den Zweiten Weltkrieg. Zurzeit wird die ständige Ausstellung überarbeitet und eine Sonderschau zur Nachkriegszeit vorbereitet. Bestandteil sollen auch die Anfangsjahre der Wismut von 1945 bis 1953 sein. "Wir wollen dafür eine Schau konzipieren, die als Wanderausstellung danach weiteren Interessenten zur Verfügung gestellt werden kann", sagte Messing.
Das vom Bund seit 2009 geförderte Projekt "Bildatlas - Kunst der DDR", das 2012 abgeschlossen wird, widmet sich mit seiner umfassenden Dokumentation zur Malerei aus der DDR ebenfalls der Wismut-Kunst. "Das zeigt, dass es überall großes Interesse gibt", sagte Thomas Hennicke, Leiter der Unternehmensarchivs. Er ist überzeugt, dass man auch ohne Chemnitz "einen Ort mit Niveau zur dauerhaften und würdigen Präsentation finden wird. Chemnitz hat seine Chance vertan."
Die Kunstbestände der Wismut gelten als größte Unternehmenssammlung in Deutschland. Sie umfasst 4138 Arbeiten von 450 Künstlern. Auch 100.000 Fotos, 100 Filmproduktionen und eine umfangreiche Mineraliensammlung mit 1500 Exponaten gehören zum Archivgut.
Der Soziologie-Professor Karl-Siegbert Rehberg von der Technischen Universität Dresden rät, die Kunstwerke im Zusammenhang mit dem Wirken der Wismut als Uranproduzent zu zeigen. Für ihn sind sie Teil der deutschen Kulturgeschichte. Der Arbeiter rückt in den Mittelpunkt der Kunst, er wird zum Idealbild.
20:12 Uhr
Lithops: Ich bin begeistert, wie sich die Stadt der Moderne wieder einmal ins Abseits manövriert hat. Ein paar unbedeutenden Wunstlern (abgeleitet von Wollen aber nicht von Können) mit ihrem Haß auf alles aus der DDR , sei Dank.
Alleine die Mineraliensammlung wäre ein Renner wie die Freiberger terra mineralia.
Chemnitz baut lieber für Abstiegskandidaten im Profifußball ein Stadion.