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Hummer auf dem Hörer als Highlight

- Schirn zeigt zum Jubiläum "Surreale Dinge" - Objekte des Surrealismus von Dalí bis Man Ray

Frankfurt/Main (dapd). Aus dem Draht einer Champagnerflasche hat Pablo Picasso 1938 ein Figürchen zusammengebogen: Die Skulptur scheint sich im Tanz zu drehen. Mit rund 15 Zentimetern ist es das kleinste Kunstwerk in der neuen Ausstellung "Surreale Dinge - Skulpturen und Objekte von Dalí bis Man Ray" der Frankfurter Kunsthalle Schirn.

"Es ist faszinierend, was für eine enorme Ausstrahlung so etwas Kleines entfalten kann", sagt Kuratorin Ingrid Pfeiffer am Donnerstag. In der Nähe steht ein antikes Telefon mit einem knallroten Hummer auf dem Hörer von Salvador Dali. Von René Magritte findet sich ein hellblauer Gipskopf mit weißen Wolken. Die mit internationalen Leihgaben bestückte Ausstellung ist bis zum 29. Mai zu sehen und bietet eine Mischung aus Traumwelt und Gruselkabinett.

Nach Angaben des Museums ist es die erste umfassende Ausstellung mit Skulpturen und Objekte des Surrealismus. Die Epoche sei prägend für das Kunstgeschehen zwischen den beiden Weltkriegen gewesen, sagt Museumsdirektor Max Hollein. Die Künstler erforschten das Traumhafte, Unbewusste, Vergessene und Verdrängte. Ab den 1930er Jahren habe die Gruppe sich verstärkt der Objektkunst zugewandt. "Wir wollen einen Akzent setzen, der noch nicht ausreichend beleuchtet wurde", sagte Hollein.

In ihrem 25-jährigen Bestehen habe die Schirn sich immer wieder mit dem Surrealismus beschäftigt, sagt Hollein. Mit der Jubiläumsausstellung setze die Kunsthalle einen neuen Schwerpunkt: Erstmals würden ausschließlich dreidimensionale Objekte in einer umfangreichen Ausstellung zusammengestellt. Gezeigt werden 180 Werke von 51 Künstlern. Ziel der Ausstellung sei es, nicht nur "die großen Namen des Surrealismus" - wie René Magritte und Pablo Picasso - zu präsentieren, sondern auch vergessene Künstler dieser Generation.

Nach Angaben der Kuratorin sind viele der Werke kaum bekannt. "Einen Drittel der Namen haben Sie wahrscheinlich noch nie gehört", sagt Pfeiffer. So findet sich in der Ausstellung zum Beispiel eine Büste des Künstlers Wilhelm Freddie: Um den Hals des Frauenkopfes ist ein Strick gewickelt, daran baumeln zwei Likörgläser. Sein Kollege Conroy Maddox platzierte eine alte Schreibmaschine auf einem roten Samtkissen. Der belgische Künstler Marcel Marien kreierte eine Brille mit nur einem Glas für Einäugige.

"Bei den Objekten geht es um die Wirkung auf uns", sagt Pfeiffer. Das Material spiele für die Surrealisten keine Rolle. Ob eine Muschel am Strand, eine Geige vom Flohmarkt oder ein Teller aus dem Küchenschrank, für die Künstler dieser Epoche gilt: "Jedes Ding ist kunstfähig". Wichtig sei die Partizipation der Besucher. Es gehe um die psychologische Wirkung, betont die Kuratorin. Die Kunstwerke wollten Emotionen wecken: Schock, Überraschung Schaudern, Neugier, Erotik, Abscheu. Beeinflusst durch die Theorien Sigmund Freuds strebten die Surrealisten danach, Vergessenes und Verdrängtes im Menschen ans Tageslicht zu holen und in die Kunst zu integrieren.

"Es fällt auf, dass die Objekte keinesfalls historisch wirken", sagt die Kuratorin. Sie hält es ohnehin für eine altmodische These, den Surrealismus als abgeschlossene Kunstepoche zu betrachten. Der rote Faden führe direkt in die Gegenwartskunst. "Wir versuchen den Spagat einer historischen Ausstellung mit dem Blick von heute", betont Pfeiffer. Deshalb ließ die Schirn ein junges Künstlerteam aus Frankfurt das Treppenhaus für die Ausstellung gestalten. Das Ergebnis ist eine Kulisse wie aus einer Horrorshow mit Gipsköpfen, Schaufensterpuppen, Sägen und Mistgabeln.

dapd

 
erschienen am 10.02.2011
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