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"Ich wollte den Bildern ein Zuhause geben"

Ausstellung gibt Einblick ins Leben des Kunstsammlers Frieder Burda

Baden-Baden (dapd). Seit über vier Jahrzehnten ist das Sammeln von Kunst Frieder Burdas große Leidenschaft. 2004 beschloss der Verlegersohn, seine umfangreiche Sammlung expressionistischer und moderner Kunst aus den angemieteten Depots zu befreien und der Öffentlichkeit im Rahmen eines eigens dafür in Baden-Baden gebauten Museums vorzustellen. Jetzt wird Burda 75 und gibt in der Ausstellung "Lebenslinien - Stationen einer Sammlung" vom 18. März bis zum 15. Mai einen ganz persönlichen Einblick in sein Leben mit der Kunst.

Den Beginn seiner Sammelleidenschaft datiert Frieder Burda schon in seiner Kindheit. "Mein Vater umgab sich mit Bildern, weil er Farbe liebte. Immer wenn er etwas Geld übrig hatte, hat er sich Bilder gekauft, Bilder seiner Zeit, der deutschen Expressionisten", berichtet er. Frieder Burda wuchs mit Gemälden von Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann auf. "Das Elternhaus spielte bestimmt eine große Rolle. Aber Sammeln ist Leidenschaft. Letzten Endes kann man sie nicht wirklich erklären - wie die Liebe", sagt er.

Das Plakat zur Ausstellung zeigt das erste eigene Bild, das sich Frieder Burda gekauft hat. Auf der documenta in Kassel 1968 stach ihm die leuchtend rote, zerschlitzte Leinwand von Lucio Fontana ins Auge. "Ich fand es so aufregend, weil Fontana radikal die Malerei zerstören wollte. Heute ist es ein Kultbild", erzählt der Sammler. Burda erinnert sich: "Ich habe es meinem Vater gezeigt, damit er sich aufregt. Aber er fand das Bild ganz interessant."

Nicht die einzige Enttäuschung im Leben des Sammlers Frieder Burda: "Viele Bilder habe ich gar nicht bekommen weil sie schon verkauft waren. Als ich die späten Picassos sammelte, sah ich ein Bild von ihm in einer New Yorker Galerie und wollte es auf dem Rückweg von Kalifornien mitnehmen. Aber als ich zurückkam, war es weg. Das war eine große Enttäuschung. Aber ich hüte mich vor der Obsession, dann verliert man die Relationen, kauft zu teuer oder das Falsche", sagt Burda.

Der Erfolg, ein begehrtes Kunstwerk zu bekommen, und die Jagd nach dem Neuen machen für Burda den Reiz des Sammelns aus. "Der passionierte Jäger hat viel Ähnlichkeit mit dem passionierten Sammler, der Kampf um das Wild entspricht dem Kampf um das Bild, das für die Sammlung wichtig ist", meint Burda, der früher selbst Jäger war.

Über den Unterschied zwischen Jägern und Sammlern sinniert er: "Der Sammler ist ein Einzelwesen. Ich habe keine Sammlerfreunde, man hat keine Verbindung zueinander und schon gar kein jährliches Treffen. Es gibt auch keinen Kreissammlermeister", lacht er und fügt hinzu: "Wenn man ein Museum hat, ist man nicht mehr so allein."

Vor dem Bau des kleinen Museums in der Lichtentaler Allee waren seine Bilder verstreut, teils in der Firma, teils in der Wohnung, die meisten in Depots. "Ich wollte den Bildern ein Zuhause geben, wo sie sich der Öffentlichkeit präsentieren. Und ich wollte, dass die Öffentlichkeit teilnimmt an dem, was ich mache", sagt er. Bei großen Ausstellungen geht Frieder Burda drei Mal in der Woche durch das Museum und beobachtet die Reaktionen der Besucher.

In der kommenden Ausstellung "Lebenslinien" haben viele Kunstwerke einen ganz persönlichen Bezug zu Burdas Leben. Einige Lieblinge wie die "Kerze" von Gerhard Richter waren schon mehrmals zu sehen. Andere Stücke werden das erste Mal ausgestellt.

Zum Beispiel ein Geburtstagsgeschenk von Sigmar Polke, der Burda zu dessen 60. Geburtstag in Südfrankreich besuchte. "Er hatte eine Mappe dabei. Das erste Blatt war weiß, nur ein paar Striche waren darauf, und ich sagte höflich so etwas wie 'Das ist ja interessant'. Aber Polke zog ein Blatt nach dem anderen aus der Mappe, und am Ende ergaben die Blätter zusammen mein Porträt", berichtet der Kunstsammler.

Natürlich zeigt Burda in dieser Ausstellung auch seine neuesten Erwerbungen wie "Die Ausschüttung" von Neo Rauch, den er in den letzten Jahren zusammen mit einigen anderen jungen deutschen Künstlern sammelt. Burda selbst hat die Auswahl aus den rund 1.000 Kunstwerken seiner Sammlung getroffen, die ab Freitag zu sehen ist.

(museum-frieder-burda.de)

dapd

 
erschienen am 14.03.2011
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