Michael Klevenhaus.Foto: dapd
Leidenschaft für eine kaum bekannte Sprache
Der Bonner Michael Klevenhaus ist Deutschlands einziger Experte für Schottisch-Gälisch
Bonn (dapd-nrw). An seinen ersten Schottisch-Gälisch-Kurs erinnert sich Michael Klevenhaus gut: "Ich hörte die ersten Sätze und wusste: Das ist genau das, was ich schon immer lernen wollte". Die Sprache fasziniert ihn, seit er mit 15 Jahren in seiner Heimatstadt Bonn eine Musikgruppe auf Gälisch singen hörte. 20 Jahre später fuhr er zum Sommerkurs nach Schottland. Seitdem ist die Sprache Teil seines Lebens.
Schottisch-Gälisch ist eine der keltischen Sprachen und wird heute noch in Teilen Schottlands gesprochen. Die letzte Zählung ergab 58.000 Sprecher - weniger als 1,5 Prozent der schottischen Bevölkerung. Die Zahl geht weiter zurück, Englisch ersetzt im Alltag zunehmend das Schottisch-Gälische.
In Michael Klevenhaus findet die alte Sprache einen Unterstützer. 2002 gründete er das Deutsche Zentrum für Gälische Sprache und Kultur in Bonn. 70 Teilnehmer besuchen hier zurzeit Sprach- und Liederkurse. Zusätzlich unterrichtet Klevenhaus am Institut für Keltologie der Universität Bonn, die als einzige Hochschule in Deutschland Kurse in Schottisch-Gälisch anbietet.
Auch in Schottland unterrichtet er mittlerweile. Besonders stolz ist der Rheinländer auf seinen eigenen Abschluss: Am College Sabhal Mòr Ostaig auf der schottischen Insel Skye beendete er vor drei Jahren als erster Deutscher ein Masterstudium auf Schottisch-Gälisch. Nächstes Jahr möchte er mit seiner Doktorarbeit anfangen.
Der 49-Jährige muss oft erklären, warum er sich mit dieser Sprache beschäftigt. Seine Antwort lautet: "Warum nicht? Im Leben kann alles schnell zu Ende sein. Deshalb sage ich mir: Tue das, was dir Freude bereitet."
Das merkt man: "Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, seine tiefe Leidenschaft reißt uns mit", sagt Rudolf Specht, der seit fünf Jahren den Abendkurs "Gälische Lieder" besucht. Die sechs anderen Teilnehmer stimmen ihm zu. Mit kräftiger Stimme singt Michael Klevenhaus ihnen ein neues Lied vor, das sie nachsingen sollen.
Den Kopf wiegt er sanft hin und her. Die Melodie ist langsam und klagend, es geht um eine gälische Feengestalt, ein Wasserpferd. "Die Sprache klingt wunderschön, ist sehr logisch aufgebaut und sieht schön aus", schwärmt Michael Klevenhaus. "Tha mi ag ionnsachadh Gàidhlig" heißt "ich lerne Schottisch-Gälisch".
Auf Außenstehende wirkt das kompliziert - und das ist es auch, räumt der Experte ein. Es gibt zum Beispiel keine Wörter für ja und nein. Fragen beantwortet man mit der entsprechenden Form des Verbes, das immer am Satzanfang steht. Wer den verpasst, kann nicht antworten. Gerade das Ungewöhnliche fasziniert Michael Klevenhaus: "Sie mögen mich für verrückt halten, aber ich kann schottisch-gälische Grammatik abends im Bett lesen und finde das amüsant", sagt er.
Inzwischen muss er seine Begeisterung aber nicht mehr alleine ausleben. Er organisiert ein schottisch-gälisches Film- und Kulturfestival in Bonn, trägt als Sänger gälische Lieder vor und berichtet telefonisch im gälischen Radioprogramm des britischen Rundfunks BBC aus Deutschland.
Außerdem telefoniert und mailt er häufig mit schottischen Freunden und schreibt Kurzgeschichten auf Schottisch-Gälisch. Doch auch wenn Michael Klevenhaus oft in Schottland ist, bleibt das Rheinland seine Heimat: "Es ist schön zu reisen, aber es ist auch schön, eine Basis zu haben und zu wissen, wo meine Wurzeln liegen."
dapd