Überzeugende Bühnenprofis kontra Boulevard-Aufregung: Stefanie Hertel und Stefan Mross live im Stadttheater Glauchau Überzeugende Bühnenprofis kontra Boulevard-Aufregung: Stefanie Hertel und Stefan Mross live im Stadttheater Glauchau

Foto: Wiegand Sturm

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Zum ersten Mal seit Bekanntwerden der privaten Trennung stand das Volksmusik-Paar Stefanie Hertel und Stefan Mross in Sachsen gemeinsam auf der Bühne

Glauchau/Oelsnitz (V). Liebes Publikum, du musst jetzt mal ganz tapfer sein: Daniel Radcliffe, den du als Harry Potter in so vielen Filmen kennen und lieben gelernt hast, wird die Welt nicht retten: Er ist ein englischer Schauspieler und kann leider kein bisschen zaubern. Ein Betrüger also, in etwa so wie Stefanie Hertel und Stefan Mross? Einer, der seinen Fans nur etwas vorspielt, das sie gern sehen möchten? Gegen Eintrittsgeld womöglich?

Aber ja! Genau deshalb war das Stadttheater Glauchau am Samstagnachmittag rappelvoll mit rund 500 Fans, die dem makellosen Sonnenschein vor der Tür eine innere Wolkenlosigkeit vorzogen, die sie sich auch von Schatten nicht verderben lassen wollten: die Welt ihrer Volksmusik-Hitfamily, bestehend aus Stefanie Hertel, Stefan Mross und Eberhard Hertel. Alles Show? Unterhaltungsshow!

Fortkommen mit Handwerk

Wahr ist natürlich: Gut sind Gefühle in der Bühnen-Unterhaltung nur, wenn sie glaubwürdig vorgeführt werden. Am besten ist es da, wenn sie echt sind. Und die Aufregung, mit der Stefanie Hertel und Stefan Mross die Bühne betreten, ist spürbar echt. Die (längst zugegebenen) Berichte über das Ehe-Aus haben das Traumpaar in eine vermeintlich heikle Lage gebracht: Sind die Fans so sauer, wie Volksmusik-Konkurrent Heino in der "Bild"-Zeitung herbeiempören durfte: Fühlen sich die Hertel-Fans verraten?

Ein paar Herzschläge und etliche enttäuschte Seufzer später ist klar: Nein! Das Noch-Ehepaar kommt gut mit den üblichen Sätzen davon: "Journalisten schreiben eh nur was sie wollen", sagt Mross, in den Zeitungen "steht so viel Mist". Und Hertel ergänzt, man habe "nie im Leben das Publikum betrogen". Das erste klingt gut und stimmt so nun nicht wirklich - das zweite klingt nicht wirklich gut, stimmt so aber. Denn es folgt eindrucksvoll, wofür die Zuhörer gekommen sind: die echte Show. Die beliebten Lieder und das viele Lächeln. Urig-deftige Fremdgeh-Scherze und "Yesterday" von den Beatles als live gespieltes Trompetenstück. Feine "Drham is drham"-Poesie und gekonnte Jodel-Akrobatik. Drei Stunden, nur von einer kurzen Pause unterbrochen. Stefanie Hertel, Stefan Mross und Eberhard Hertel ziehen alle Register in diesem spannend-frischen Konzert, in dem es um mehr geht als einfach nur zu liefern wie immer. Es steht, so scheint es, alles auf dem Spiel: Beruf und Berufung.

Sicher: Man hat sich in der Vergangenheit oft fragen können, was am Lächeln von Stefanie Hertel letztlich echt ist: Seit ihrer enorm erfolgreichen Volksmusik-Teenager-Zeit versucht sie, im neuen, offenen Schlager Fuß zu fassen. Doch während Helene Fischer die großen Konzerthallen mit tausenden Fans allen Alters füllt, ist die Live-Sängerin Hertel in der Stadttheater-Kategorie
gelandet, singt modernere Lieder vorrangig vorm eigentlichen Volksmusik-Publikum. Vorstellbar, dass echte Bühneneuphorie da gelegentlich durch professionelles Unterhaltungshandwerk ersetzt werden muss. Nur: Ist das ein Problem der Menschen, die ihre Stimme gern hören? Die das Handwerk mögen? Es lieben, dass sie immer noch mit ihrem Vater und dem Vater ihrer Tochter auf der Bühne steht? Eine von "hier" eben, die es geschafft hat, nach der Wende unter den großen, populären Namen der Gesamtrepublik geführt zu werden. Das macht sie zum Star - und nicht ihr privater Lebenswandel, der einer 32-jährigen, selbstbestimmten Frau. Erleichtert wird auf der Bühne immer wieder "Danke" gesagt. Es ist ein "Danke" dafür, dass das in der deutschen Musiklandschaft einmalige Konstrukt der "Hitfamily" funktioniert.

 
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Echter als es oft aussieht
 
erschienen am 04.10.2011
 
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