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Mobbing-Vorwürfe am Staatstheater Darmstadt von Mediator entkräftet

Autokratischer Führungsstil des Intendanten John Dews - Besetzung mit Angehörigen untersagt

Darmstadt (dapd-hes). Der zur Schlichtung des Streits am Staatstheater Darmstadt eingesetzte Mediator Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff hat keine Belege für Mobbing ausmachen können. Die angespannte Situation sei auf eine "explosive Mischung" aus dem autokratischen Führungsstil des Intendanten John Dew und der in großem Ausmaß betriebenen Rollenbesetzung durch Familienmitglieder zurückzuführen, sagte der ehemalige nordrhein-westfälische Staatssekretär am Donnerstag bei der Vorstellung seines Prüfberichts in Darmstadt. Der Anwalt von Generalmusikdirektor Constantin Trinks bezeichnete alle gegen seinen Mandanten erhobenen Vorwürfe als haltlos.

Zwischenzeitlich habe die Auseinandersetzung am Theater "Züge einer Schlammschlacht" angenommen, kritisierte der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Er will gemeinsam mit der hessischen Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) den Empfehlungen des Mediators folgen und einen Ombudsmann am Theater einsetzen, der als Ansprechpartner für alle Beschäftigten zur Verfügung stehen soll. Zusätzlich wird ein externer Moderator bestellt, der das Leitungsteam begleiten soll. Außerdem sollen keine neuen Besetzungen mit Ehe- oder Lebenspartnern zugelassen werden, sagte Kühne Hörmann.

Bei dem Streit am Theater geht es vor allem um die gegenseitige Nichtberücksichtigung der Partner von Generalmusikdirektor Constantin Trinks und Intendant John Dew. Trinks wirft Dew vor, er habe seine - Trinks' - Lebensgefährtin trotz Zusage von der Besetzungsliste einer Oper gestrichen. Damit soll sich Dew an Trinks gerächt haben, weil dieser Dews Lebensgefährten Sven Ehrke bei einer anderen Inszenierung nicht berücksichtigt habe.

Trinks hat seinen Vertrag Mitte Dezember in Folge der Verwerfungen zum Ende der laufenden Spielzeit gekündigt. Die beim Bühnenschiedsgericht eingereichte Kündigungsschutzklage habe das Ministerium inzwischen zurückgenommen. Sie sehe keine Möglichkeit zur konstruktiven Zusammenarbeit mehr, begründete die Ministerin die Entscheidung. Trinks bleibe bis auf Weiteres freigestellt, das Ministerium prüfe eine außerordentliche, fristlose Kündigung.

Auch Intendant John Dew habe schwere Fehler begangen, sagte die Ministerin. "So führt man kein Haus", sagte auch Grosse-Brockhoff. Dew habe seine Grenzen überschritten, jedoch habe er Fehler zugegeben und sich entschuldigt. Außerdem habe er das in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten führende Engagement seines Lebenspartners inzwischen gelöst, sagte Kühne-Hörmann. Sven Ehrke hatte Mitte Januar um die Auflösung seines Vertrages gebeten.

"Daher ergeben sich auf den ersten Blick keine Anhaltspunkte, die juristisch eine außerordentliche Kündigung Dews rechtfertigen würden", sagte Kühne-Hörmann. Die Prüfung dauere aber noch an.

Trinks' Anwalt Ulrich Schwab beanstandete Grosse-Brockhoffs Bericht. Bei näherem Hinsehen habe der Mediator bewusst oder unbewusst den erkennbaren Zusammenhang zwischen unzähligen, Dew belastenden Sachverhalten vernachlässigt. Schwab kritisierte weiter, dass das Ministerium trotz aller Verfehlungen an dem Intendanten festhalte, während Trinks und er als Sündenböcke abgestempelt würden.

dapd

 
erschienen am 19.01.2012
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