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Museumsführer proben für den Besucheransturm

Militärhistorisches Museum in Dresden öffnet Mitte Oktober - 20 neue Museumsführer im Einsatz

Dresden (dapd-lsc). Fast täglich wandert Steffen Liebscher in diesen Tagen über die große Baustelle des Militärhistorischen Museums in Dresden. Während in dem Haus die Vorbereitungen für die Neueröffnung am 14. Oktober laufen, tüftelt der künftige Museumsführer an seiner Tour durch die Ausstellung. Das Thema des 29-jährigen Historikers sind die beiden Weltkriege. "Dabei soll jedem klar werden, dass widerstreitende, oft explosive Emotionen am Anfang eines jeden Krieges stehen", hat er sich für seine Führungen vorgenommen.

Liebscher gehört zu den 20 neuen Museumsführern, die das Bundeswehrmuseum ausgesucht hat. Sie sollen den erwarteten Besucheransturm bewältigen. Eigentlich ist der Auftrag des Hauses die politische Bildung der Bundeswehr-Angehörigen. "Aber wir haben schon viele Anfragen - sogar aus dem Ausland", sagt Major Lars Patrick Berg vom Pressestab. In dem historischen Albertstadt-Gebäude wird die Militärgeschichte vom 13. Jahrhundert bis heute mit Uniformen und Waffen dokumentiert.

Besonderer Hingucker ist der keilförmige Neubau des Museums, der vom Architekten Daniel Libeskind entworfen wurde. Dort wird die chronologische Abfolge der Ausstellung durch einen Themenparcours durchbrochen. Unter dem Motto "Krieg und Spiele" ist dort unter anderem das Puppenhaus eines englischen Mädchens von 1944 zu sehen, das für seine Figuren Schutzräume vor Bombenangriffen baute. Im Bereich "Krieg und Tiere" wird gezeigt, wie Tiere zu Kriegszwecken instrumentalisiert wurden. Ausgestellt sind dabei ein Pferd mit Gasmaske, ein Schaf für die Minensuche mit nur noch drei Beinen und ein Hund, dem eine Granate umgebunden wurde.

"Wir zeigen auch einen Film über Giftgas-Versuche mit Katzen, weil wir nichts beschönigen wollen", sagt Museumspädagogin Avgi Stilidis. Allerdings werde darauf hingewiesen, dass dieser Ausstellungsbereich für Kinder nicht geeignet sei. Überhaupt sei die Militärausstellung mit ihren rund 8.000 Exponaten erst für Kinder ab zehn Jahren geeignet, die schon Geschichtsunterricht hatten.

Etwa die Hälfte der 20 Museumsführer hat ihren Schwerpunkt im 20. und 21. Jahrhundert - dort wird das größte Besucherinteresse erwartet. Die anderen kennen sich im Mittelalter und der frühen Neuzeit aus. Seit Juli entwickeln die künftigen Museumsführer ihre Touren über die 20.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. "Wir haben sowohl Berufsanfänger mit Bachelorabschluss als auch auch 40-jährige 'Veteranen' mit Doktortitel im Team", erläutert Museumspädagogin Stilides. Unterschiedliche Stile und Vorlieben seien dabei durchaus gewollt.

Bevor die Museumsführer ab Oktober direkten Kontakt zu den Besuchern haben, proben sie im Moment noch vor den anderen Kollegen und werten die Führungen danach gemeinsam aus. Der 29-jährige Liebscher sieht seinen neuen Job als zweites Standbein zur Schauspielerei. Denn neben der Arbeit als Museumsführer spielt er unter anderem im Dresdner Schauspielhaus in der Komödie "Sein oder nicht sein" einen Nazi. Auch bei den Zwingerfestspielen war er dabei. Den Umbau des Dresdner Militärmuseums verfolgt er schon seit einigen Jahren. "Wie hier klassische Darstellungskonzepte aufgebrochen werden, hat mich begeistert", sagt er. Das sei einer der Gründe, warum er sich vor einem Dreivierteljahr für die Stelle bewarb.

Als besonders bemerkenswert empfindet Liebscher die museumspädagogische Station zum Thema Schützengräben. "Originalfotos aus der Zeit zeigen sowohl Ruhephasen wie auch Verbrüderungsszenen", sagt er. Um die Grauen des Krieges besonders plastisch zu machen, gebe es einen Bereich, in dem Besucher den unerträglichen Verwesungsgeruch aus den Gräben nachempfinden könnten. Besucher sollten dort allerdings nur einzeln hinein. "Ich werde aber vielleicht einen Mutigen aus der Gruppe auffordern, sich diesem Erlebnis zu stellen und den anderen davon zu berichten", überlegt Liebscher.

dapd

 
erschienen am 14.09.2011
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