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Standing Ovations, Konfettiregen und ein paar Tränen

Berührender Abschied von Rekord-"Jedermann" Peter Simonischek in Salzburg

Salzburg (ddp). Mit minutenlangen Standing Ovations, Blumen und Konfettiregen ist am Donnerstagabend der Burgtheaterschauspieler Peter Simonischek als Rekord-"Jedermann" bei den Salzburger Festspielen verabschiedet worden. Der 63-jährige österreichische Mime hatte die Rolle des "reichen Mannes" in Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel "Jedermann" auf dem Salzburger Domplatz 91 Mal verkörpert, öfter alle anderen "Jedermann"-Darsteller vor ihm.

Jürgen Flimm, Intendant der Salzburger Festspiele, nannte den Abschied des Burgtheaterschauspielers einen "historischen Moment". Simonischek sei "sicher der Beste aller Jedermänner" gewesen. Christian Stückl, Regisseur der aktuellen "Jedermann"-Inszenierung, erinnerte an eine "wunderbare Zeit" mit Simonischek und dem gesamten Ensemble. Der Geehrte selbst zeigte sich auf der Bühne des Domplatzes im grauen Büßergewand des bekehrten Titelhelden sichtlich zu Tränen gerührt. "Ich bin sehr traurig, dass es zu Ende ist. Aber auch stolz auf den richtigen Zeitpunkt, aufzuhören", bekannte er.

Flimm hatte Simonischek 2002 in seiner damaligen Eigenschaft als Salzburger Schauspieldirektor für die Rolle verpflichtet. An seiner Seite spielten in der Neuinszenierung von Christian Stückl im ersten Jahr unter anderem Veronika Ferres als "Buhlschaft" und Jens Harzer als "Tod". Seither wurden viele Rollen mehrfach neu besetzt. Neben Ferres verschliss Simonischek in seinem achtjährigen Bühnenleben als "Jedermann" allein drei weitere Buhlschaften: Nina Hoss, Marie Bäumer und Sophie von Kessel. Außerdem, wie Flimm launig anmerkte, 17 Kostüme. 108 Zuschauer seien durch seinen "Energieschub" auf dem Domplatz in Ohnmacht gefallen.

"Ich habe viel erlebt mit dem ´Jedermann´, er hat mein Leben sogar etwas verändert, weil ich das zugelassen habe", schreibt Simonischek in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Salzburger Festspielzeitung "Daily". Die Rolle des "reichen Mannes", der erst angesichts des Todes zum Glauben und zur Barmherzigkeit findet, sei für ihn keine Rolle wie jede andere gewesen. Simonischek nennt das Mysterienspiel "Jedermann" selbst ein Mysterium. Allein schon die Tatsache, dass es seit 90 Jahren auf dem stets ausverkauften Domplatz gegeben werde, sei schwer erklärlich. Simonischeks Abschiedsvorstellung war die 575. der Festspielgeschichte.

Der erste, der die Rolle des "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen verkörperte, war der legendäre, albanisch-österreichische Schauspieler Alexander Moissi. Es folgten Bühnenstars wie Attila Hörbiger, Will Quadflieg, Curd Jürgens, Maximilian Schell und Klaus Maria Brandauer. Im nächsten Jahr soll der 38 Jahre alte Wiener Schauspieler Nicholas Ofczarek als 15. "Jedermann" erstmals auf der Bühne des Salzburger Domplatzes stehen, an seiner Seite Birgit Minichmayr als Buhlschaft.

Simonischek zählt zu den bekanntesten österreichischen Schauspielern. Er wurde in Graz geboren und gehörte unter anderem 20 Jahre lang dem Ensemble der Berliner Schaubühne an, wo er mit Regisseuren wie Peter Stein, Luc Bondy, Andrea Breth, Klaus Michael Grüber und Robert Wilson zusammenarbeitete. Bei den Salzburger Festspielen war er, vor dem "Jedermann", unter anderem in der Titelrolle von Johann Wolfgang Goethes "Torquato Tasso" sowie als Horch in Elias Canettis "Hochzeit" und als Leonid in Anton Tschechows "Kirschgarten" zu erleben. Seit der Saison 1999/2000 ist Simonischek am Wiener Burgtheater engagiert. Außerdem ist er seit Ende der 70er Jahre regelmäßig im Kino und im Fernsehen zu sehen.

(ddp)

 
erschienen am 27.08.2009
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