Der Graf, Sänger von Unheilig

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Unheilig in Chemnitz: Wenn die Lichter aufleuchten

Über 6000 Fans in der Arena begeistert

Chemnitz. Die Silhouette einer Großstadt als Kulisse auf der Bühne, ein Countdown auf zwei Videoleinwänden dazu, und schon jetzt ist das Publikum - knapp 6200 Fans - am Samstagabend in der Chemnitz Arena kaum noch zu halten. Es klatscht, ruft, kreischt. Der "Graf" lässt noch auf sich warten, das Intro wird ohne ihn gespielt. Schließlich erscheint er zu "Herzwerk" auf der Bühne.

Die Menschen, die gekommen sind, sind eingefleischte Fans. Anhänger der "Schwarzen Szene", zu der Unheilig in früheren Zeiten gezählt wurde, sind kaum zu sehen. Stattdessen Paare zwischen 30 und 50, Mütter und Töchter, Familien und Senioren, die "ihren Grafen" in der Arena feiern.

Viel ist über den Mann, der seit 13 Jahren auf der Bühne steht, nicht bekannt. Aus Würselen bei Aachen soll er kommen, eine Familie hat er und Zeitsoldat war er wohl auch früher mal. Der "Graf" ist Unheilig - und Unheilig ist der "Graf". Zwar gibt es auch ein paar Menschen, die die Musik zu seinen eingängigen lebensbejahenden Texten machen, aber die scheinen in der Kulisse irgendwo zwischen den Wolkenkratzern zu verschwinden. Selbst zum Schluss versäumt es der Frontmann, seine Musiker mit Namen vorzustellen.

"Lichter der Stadt II - Letzter Halt" heißt die aktuelle Tour, mit der Unheilig momentan durchs Land zieht. Die zahlreichen Konzerttermine bestätigen den Erfolg des "Grafen", der mit der Single "Geboren um zu leben" vor drei Jahren einem breiteren Publikum bekannt wurde. Videos in Sepia und Schwarz-Weiß untermalen die Songs und zeigen Stadtaufnahmen aus Köln und Hamburg, Familienszenen oder Menschen auf der Suche nach ihren Lieben. Harte Songs, wie "Eisenmann" vom Album "Lichter der Stadt", gehören ebenso zum Repertoire wie die Ballade "Unsterblich", bei der die Bühne in rotes Licht getaucht ist. Musikalisch bewegt sich Unheilig irgendwo zwischen den Genres. Ein bisschen Pop, ein bisschen Hardrock und auch ein kleines bisschen Schlager. Immer wieder gibt es La-Ola-Wellen für den Künstler, der wie gewohnt in schwarz-weiß gekleidet ist. Der Song "Auf ewig" ist speziell für die Fans und besonders für jene gedacht, die schon seit der Gründung der Band deren Anhänger sind.

Zwischen dem Frontmann und seinem Publikum herrscht eine enge Verbindung, die spürbar ist. Nicht nur, wenn das Publikum jedes Mal "Bitte" grölt, wenn der Musiker sich für den Applaus bedankt. Ringsherum sind beseelte Gesichter zu sehen. Trotzdem werden nur wenige Feuerzeuge auf Kommando des "Grafen" in die Höhe gehalten. "Die Raucher werden weniger! Macht nichts, nehmt eure Handys und ruft einfach zu Hause an", sagt der "Graf", erntet viele Lacher und spielt "Mein Stern".

Nach zwei Stunden lassen die Fans Unheilig noch nicht von der Bühne. Der minutenlange, begeisterte Applaus ist der Beweis dafür, dass der "Graf" mit seinen Texten voller Sehnsucht, Hoffnung und Zuversicht ankommt. Nach den beiden Zugaben "Große Freiheit" und "Stark" gehen die Lichter der Stadt schließlich aus.

 
erschienen am 25.02.2013 ( Von Julia Lappert )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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