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Uwe Timm erhält Carl Zuckmayer-Medaille

Beck: „Wichtige politische Stimme“ – Preisträger wettert gegen gesellschaftliche Ungleichheit

Mainz (dapd-rps). Dem Schriftsteller Uwe Timm ist die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz verliehen worden. Vor rund 700 Gästen würdigte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) den Preisträger am Mittwoch im Mainzer Staatstheater als einen "aufmerksamen Beobachter" seiner Zeit und als "wichtige politische Stimme". Timm habe mit seinen Werken wie "Die Entdeckung der Currywurst" die Entwicklung der Bundesrepublik erzählend dokumentiert und so viel zum Verständnis der Nachkriegsgeschichte beigetragen.

Beck verwies auf die Nähe zwischen Timm und Carl Zuckmayer, zu dessen Ehren seit 1979 mit dem Preis herausragende Verdienste um die deutsche Sprache gewürdigt werden. Die Verbindung liege vor allem "in der Menschlichkeit" der Art der Erzählung. Beispielsweise werde dies in Timms autobiografischem Werk "Am Beispiel meines Bruders" über seine Kindheit deutlich. Auch als Kinder- und Jugendbuchautor habe er sich mit Werken wie "Rennschwein Rudi Rüssel" hervorgetan.

Ähnlich wie Zuckmayer schreibe Uwe Timm nicht für eine "verschwindend kleine Minderheit von Künstlern und Intellektuellen", betonte Beck. Vielmehr sei er "im wahrsten Sinne des Wortes ein Bestseller-Autor", der in seiner über 40-jährigen Schriftstellertätigkeit mit höchster Qualität ein breites Publikum erreicht habe.

Der italienische Germanistikprofessor Matteo Galli, der sich selbst als "Forscher, Übersetzer und Freund" Timms bezeichnete, lobte den Schriftsteller als "sehr würdigen Preisträger". Spätestens mit seinem Buch "Rot" über die 68er-Generation sei Timm national und international der Durchbruch gelungen. Als Basis für den Erfolg des Preisträgers erachtete Galli die "systematisch durchgeführte Beschäftigung" mit der deutschen Vergangenheit, die den Leser erinnern und zugleich unterhalten soll.

In seiner Dankesrede appellierte Timm an die Bekämpfung der wachsenden Ungleichheit. Die Gesellschaft müsse einen "solidarischen Sinn für Verhältnismäßigkeiten entwickeln" und sich gegen den "Wildwuchs-Kapitalismus" wenden, sagte der Schriftsteller, der sich als "ergrauten alten Linken" bezeichnete. Die Armut im Land vergrößere sich jedes Jahr und dürfe von der Gesellschaft nicht geduldet werden, forderte Timm.

dapd

 
erschienen am 18.01.2012
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