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Vom barocken Theatersaal in die karge Flugzeughalle
Am Samstag eröffnet das Oldenburgische Staatstheater seine neue Spielstätte
Oldenburg (dapd-nrd). Das Licht erlischt und die Probe zur Premiere der "Dreigroschenoper" kann beginnen. Doch statt gespannter Stille im Saal ist das Surren einer Kehrmaschine zu hören. "Bei diesem Lärm können wir nicht arbeiten, das macht keinen Sinn", schimpft der leitende Regisseur, K.D. Schmidt. Ein paar Minuten später wird die Maschine abgestellt. Nun kann es losgehen. Wenige Tage vor der Eröffnung der temporären Spielstätte des Oldenburgischen Staatstheaters auf dem Fliegerhorst in Oldenburg ist allen Beteiligten die Anspannung anzumerken. Denn schließlich soll alles perfekt sein, wenn die Halle 10 auf dem ehemaligen Militärgelände am Samstag zum ersten Mal als Theater einlädt.
"Wir liegen derzeit sogar vor dem Zeitplan", betont Generalintendant Markus Müller. "Kleine Restarbeiten müssen aber überall noch erledigt werden." So passiert es schon mal, dass die Kehrmaschine parallel zur Probenzeit die Parkplätze vor der Halle säubern soll. Natürlich geht das Schauspiel in diesem Fall aber vor und die Maschine muss später weiter kehren.
Seit März läuft der Umbau der früheren Flugzeugwerft, die das Oldenburgische Staatstheater zu seiner "Wahlheimat" für die Spielzeit 2010/2011 gemacht hat. Notwendig geworden war der vorübergehende Umzug, weil das Große Haus des Staatstheaters dringend saniert werden musste.
Mit neun Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket soll das kleinste Staatstheater Niedersachsens auf Vordermann gebracht werden. Neben der Erweiterung des Orchestergrabens stehen die Sanierung der Wasserleitungen, die Restaurierung des Zuschauerraumes sowie der Einbau einer Obermaschinerie auf dem Programm.
Für die Zwischenzeit seien 26 verschiedene Ersatzstandorte begutachtet worden. Halle 10 fand der Intendant "von Anfang an toll und attraktiv". Aber nicht alle waren gleich so angetan vom neuen Standort. "Auch in der Leitung gab es einige sehr skeptische Stimmen, die angezweifelt haben, dass sich die Halle in wenigen Monaten in ein spielfähiges Theater umwandeln lasse", erinnert sich Müller. Er selbst sah es als "Abenteuer und Herausforderung", wenngleich auch "nicht ganz ohne Risiko".
Immerhin sind die Zuschauer mit dem barocken Staatstheater gemütliche Theateratmosphäre gewohnt und nicht jedem würde die Kargheit einer Flugzeughalle gefallen. Das wusste auch Müller, der aber auch die Vorzüge direkt erkannte: "Das Große Haus gibt die Grundatmosphäre, mit der man direkt auf Theater eingestellt wird. Hier ist es dagegen viel rauer und roher, so dass die Produktion viel mehr im Mittelpunkt stehen und wirken kann. Das ist schon toll."
Aufgrund seiner Größe bietet die Halle zudem die Möglichkeit, Stücke auf die Bühne zu bringen, die im Großen Haus nie möglich wären, wie die Opern "Saul" und "Die Walküre". "Wir wollen den Zuschauern daher klar machen, dass sie hier etwas erleben können, das sie in dieser Form sonst nie wieder erleben können", sagt Müller.
Auch auf Komfort verzichten muss in der neuen Spielstätte niemand. Liebhaber der roten Plüschsessel aus dem Großen Haus können auf diesen in den ersten sieben Reihen Platz nehmen, während das restliche Publikum auf schwarzen, ebenfalls bequem gepolsterten Stühlen sitzen kann. Auch wegen der Temperatur müsse sich niemand sorgen, sagt der Intendant. Es gebe keine zugigen Ecken und im gesamten Zuschauerraum eine Fußbodenheizung, so dass es "mollig warm" werden sollte.
Die mit Abstand größte Herausforderung der Halle bestand jedoch in der vollkommen anderen Akustik. Das meint auch Christoph Iacono, der musikalische Leiter der "Dreigroschenoper", die am Samstag Premiere feiern wird. "Ich hatte von Anfang an sehr großen Respekt vor der Halle", sagt Iacono. "Aber es ist in jedem Fall eine Chance, die man nicht alle Tage hat."
Anders als im Großen Haus muss das Orchester mit zahlreichen Verstärkern arbeiten. Um sich auf die neue Situation einzustellen, hat Iacono sämtliche Proben in der Halle stattfinden lassen und nicht - wie sonst üblich - zunächst im Orchesterprobenraum.
Wenige Tage vor der Premiere ist er zufrieden mit dem Ergebnis. Ob die Halle nun aber tatsächlich akustisch und optisch den Geschmack des Publikums trifft, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Dass die ersten Vorstellungen alle bereits ausverkauft sind, sieht Müller zumindest mal als ein "sehr gutes Zeichen."
dapd