Regionales

Polizei fasst Annaberger Kindergarten-Sextäter

Opfer identifiziert einschlägig Vorbestraften


Weil der Schulhort (vorn) aus den Nähten platzt, bringt die Stadt Annaberg-Buchholz Kinder zum Teil auch im benachbarten Gebäude (hinten) unter, gewissermaßen Wand an Wand mit Ex-Straftätern.

Foto: Brigitte Streek

Annaberg-Buchholz. Kriminalistisch scheint die sexuelle Belästigung eines fünfjährigen Mädchens aus dem Kindergarten "Mäuseburg" in Annaberg-Buchholz aufgeklärt. Obwohl der Täter, der das Kind Montag früh bei einem Toilettenbesuch unsittlich berührte, zunächst floh, kam die Polizei ihm innerhalb von drei Tagen auf die Spur. Nachdem das Kind ihn auf von der Polizei vorgelegten Fotos identifizierte und weitere Zeugen bestätigten, den Mann am Tatort gesehen zu haben, nahm man den 26-Jährigen fest. Inzwischen hat er gestanden. Seit Donnerstag ist er in Untersuchungshaft - so weit der Fahndungserfolg.

Zugleich deckt der Fall ein Problem auf, das bisher ungelöst ist. Es geht darum, dass man dem bereits einschlägig Vorbestraften, der 2003 im Marienberger Erlebnisbad "Aqua Marien" einen siebenjährigen Jungen auf die Toilette zog und missbrauchte, potenzielle Opfer jetzt gewissermaßen vor die Nase setzte. Die Fünfjährige stammt aus einer Vorschulgruppe, die aus Platzgründen nicht im Kindergarten selbst, sondern im benachbarten städtischen Gebäude, ehemals das Arbeitsamt, untergebracht ist. Auch ein Grundschulhort nutzt dort Räume, mehrere Firmen sind eingemietet, außerdem der für Bewährungshilfe für Straftäter zuständige Sozialdienst des Landgerichts. In den Betreuungsstellen gehen auch pädophile Täter ein und aus, mitunter sogar solche, die wegen Gefährlichkeit unter Führungsaufsicht stehen. Im Gebäude an der B 101 können sie die gleiche Toilette aufsuchen wie Vorschul- und Hortkinder. Auch der 26-jährige Verdächtige wurde bis September 2008 von der Gerichtshilfe betreut.

Der Freistaat hat für die Gerichtsaußenstelle seit neun Jahren Räume im Haus gemietet. Die Kinder kamen erst später dazu. Als Schulhort und Kindergarten "wegen der geburtenstarken Jahrgänge" aus den Nähten platzten, habe sich die Stadt entschieden, auch Kinder dort unterzubringen, sagt der Annaberger Rathaussprecher Matthias Förster. Als Alternative hätten sonst nur Räume jenseits der für Kinder gefährlichen B 101 zur Wahl gestanden. Die Raumplanung sei 2005 vom Landesjugendamt genehmigt worden. Seither verbringen die Vorschulgruppe und rund 90 der 150 Hortkinder ihren Tag Wand an Wand mit Ex-Straftätern. Sich der "ungünstigen Situation" bewusst, habe die Stadt im Sommer den mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) abgeschlossenen Mietvertrag für die gerichtlich genutzten Räume gekündigt, so Förster. Da die Gerichtsaußenstelle aber bisher kein Ausweichquartier fand, habe man den Vertrag bereits zweimal befristet verlängert.

SIB-Sprecherin Katja Weber sagte, dass trotz fieberhafter Suche - "es wurden bereits sechs Objekte besichtigt" - noch kein neues Domizil für die Gerichtshilfe zu finden gewesen sei. Als Grund führt die SIB-Sprecherin "mangelnde Akzeptanz des Betreuungsklientels" durch andere Mieter an. Also akzeptiert die Stadt Annaberg-Buchholz dieses Klientel eben vorerst weiter neben den Kindereinrichtungen. "Aber zum Jahresende ist Schluss", sagt Förster.

Silvi T., deren siebenjährige Tochter in den "Risikoräumen" des Horts betreut wird, ist fassungslos. "Die sollen zumindest schon mal den äußeren Zugang zu den Toiletten abtrennen", sagt die 24-Jährige. Susann G., deren einjährige Tochter Annika noch im Kindergartengebäude betreut wird, wusste bisher gar nichts von der gefährlichen Nachbarschaft. "Da wäre es sicherer, die Kinder die Bundesstraße überqueren zu lassen. Da gehen sie ja nur in Begleitung", sagt die 26-Jährige. Wichtig seien jetzt schnelle Konsequenzen.

Über die mögliche Abtrennung der Gebäudebereiche sollte am Donnerstagabend Annabergs Technischer Ausschuss beraten. Zu prompten Konsequenzen gehören laut Meldung der Stadt "sofortige Information der Eltern und die Begleitung von Kindern bei Toilettenbesuchen."


Von Jens Eumann (mit tw)

Erschienen am 05.11.2009


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