Regionales

Im Tod mit der Natur vereint

Immer mehr Menschen wollen selbst bestimmen, wie ihre letzte Ruhestätte aussieht


Schwarzenberg ist dabei, seinen Zentralfriedhof neu zu gestalten. Dazu gehört auch dieser Engel, der von dem in der Stadt ansässigen Holzkünstler Jörg Beier geschaffen wurde. Die Figur fand ihren Platz gegenüber der Aussegnungshalle. Für die Gestaltung des Friedhofs-Areals bekam die Kommune erst kürzlich einen Sonderpreis in einem vom Bund deutscher Friedhofsgärtner ausgelobten Wettbewerb.

Foto: Lars Rosenkranz

Chemnitz. Der November ist der Monat der Besinnung und des Gedenkens. Mit dem heutigen Totensonntag endet das Kirchenjahr, und so werden auch in Sachsen tausende Menschen auf die Friedhöfe gehen, um sich an den Gräbern ihrer Lieben zu erinnern.

Raus aus der Anonymität: Der Tod gehört zum Leben

Beim Bummel über den Friedhof drehen sich die Gedanken öfter als anderswo um die Endlichkeit des Lebens, das eigene Sterben. Manch einer ertappt sich wohl dabei, dass er abwägt, ob ihm dieses oder jenes Grab für sich gefallen würde. "Gut, dass das Thema öfter aus der Anonymität geholt wird. Der Tod gehört nun mal zum Leben", betont Angelika Schmieder vom ambulanten Hospizdienst Chemnitz. Sie weiß: "Es ist für die, die bleiben, wertvoll zu wissen, wie der Verstorbene bestattet werden wollte. Deshalb sollte man zu Lebzeiten darüber reden. So braucht später niemand Angst vor Entscheidungen zu haben."

Immer mehr Menschen wollen Trauer und Gedenken nach ihren persönlichen Vorstellungen ausdrücken, selbst bestimmen, wie ihre letzte Ruhestätte aussehen soll. So spiegeln die Friedhöfe auch ein Stück Zeitgeist wider. "Trotzdem, die Urnenbeisetzung wird die bevorzugte Art der Bestattung bleiben." Peter Schubert, Chef des Friedhofs- und Bestattungsbetriebes der Stadt Chemnitz, ist sich da ganz sicher. Doch auch die Urne und ihre Beisetzung haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Mehr Natur ist gefragt.

Dem Wunsch nach einer Bestattung in einem Friedwald ist das Land Sachsen mit der Novellierung des Bestattungsgesetzes nachgekommen. So ist nun auch im Freistaat neben der "normalen" Urnen- und Erdbestattung auch die so genannte Baumbestattung erlaubt - allerdings nur auf Friedhöfen. Begründung: Die Totenruhe soll weiterhin unter dem Schutz der Gemeinschaft stehen.

Doch auch im Freistaat, versuchen Menschen außerhalb des Friedhofes Grabstätten zu schaffen. Wenn es nach dem Willen von Eva und Dieter Nitsche geht, soll es in ihrem Wald im Leubsdorfer Ortsteil Marbach bald einen Ruheberg geben. Die Privatwaldbesitzer stellen dafür eine abgegrenzte Fläche in ihrem Forst zur Verfügung. Doch noch fehlt die Erlaubnis. Würde es eine geben, so wäre dies der erste Ruheberg in Sachsen.

Aber was ist eine Baumbestattung? "Eine Art Gemeinschaftsgrab", klärt Schubert auf. "Am Fuße eines Baumes werden bei uns in Chemnitz maximal acht Urnen beigesetzt. So genannte Bio-Urnen. Die Behältnisse sollen sich im Boden rasch auflösen. Das, was bleibt, nimmt der Baum als Nährstoffe auf." Damit gibt der Verstorbene dem Baum Kraft und lebt in ihm weiter - das ist der eigentliche Sinn dieser letzten Ruhestätte. Die Gräber können mit und ohne Namensnennung gestaltet werden. Um der Natur und Ästhetik willen werden sie in Chemnitz gleich aussehen. Das Material der Tafeln und die Inschriften werden vorgegeben. Nur Vor- und Zuname sowie das Geburts- und Sterbejahr dürfen darauf stehen. Da bei der Baumbestattung auf recht großer Fläche nur wenige Gräber angelegt werden können, seien die Kosten dementsprechend. Mit Namenstafel müssen in Chemnitz 2098 Euro und ohne 1644 Euro bezahlt werden, für 20 Jahre.

Mehr Farbe kommt ins Bild der Trauer

Zurück zur Natur! Die letzte Ruhestätte soll "naturnah" sein. Da Grabmale, durch Gemeinschaftsgräber etwa, weniger werden, gibt es nicht nur in Sachsen ein Überangebot an Friedhofsfläche. "Auf solchen wilden Flächen legen wir, wenn der Wunsch nach einer naturnahen Beerdigung besteht, einen Waldweg an, setzen Büsche und stellen Bänke auf, damit die Menschen in Ruhe ihrer Lieben gedenken können", so Schubert. Auch dort werden an Bäumen Urnen beigesetzt. Doch dann folgt nur noch Ruhe - keine Tafel, nichts.

Bestatter und Steinmetze halten von solchen Beerdigungen wenig. Claus-Dieter Wulf, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, bedauert, dass die Särge schlichter werden, die Trauerfeiern oft ganz wegfallen. In den vergangenen anderthalb Jahren seien die durchschnittlichen Kosten einer Bestattung mit Trauerfeier von 2500 bis 3000 Euro auf 1500 bis 2000 Euro zurückgegangen. Der Wandel in der Trauerkultur drängt auch das Handwerk der Steinmetze in diesem Zweig zurück. Inzwischen sind rund 40 Prozent der Bestattungen in Städten anonym. Doppelt so viele wie vor einem Jahrzehnt. Trotz alledem gibt es für diese Zunft auch Lichtblicke. Sie registriert immer mehr Wünsche nach einem einmaligen Grabstein. "Die Menschen wollen sich, ihr Leben wieder finden", sagt Tobias Neubert, Innungsmeister der sächsischen Steinmetze.

Er erzählt von zwei älteren Schwestern. Als die eine gestorben war, bemühte sich die andere um ein Grab, in dem sie später auch einmal zur ewigen Ruhe kommen will. Sie hatte klare Vorstellungen. Das Grab sollte den Lebensweg der Schwestern nachzeichnen. Beide waren einst aus Schlesien in die hiesige Region gekommen. Beide verband ihr christlicher Glaube. "So haben wir für die Grab-Gestaltung grauen schlesischen und rötlichen Granit aus der Region verwendet", so Neubert. "In die Mitte setzten wir eine Stele, auf der die Namen der Schwestern einmal nebeneinander stehen werden. Auf der einen Seite steht in Aramäisch ,Maranatha', was auf der anderen erklärt wird: ,Unser Herr kommt'. Damit haben wir das Lebensbild der Schwestern gezeichnet." Andere Steinmetze erzählen, dass die Gräber bunter werden. Ein Kunde wünschte sich eine blaue Inschrift, weil der Verstorbene blaue Autos liebte. Ein anderer eine Berglandschaft aus dem Schwarzwald, weil der Tote zu Lebzeiten die Landschaft so mochte.

Wenn von Trends in der Trauerkultur die Rede ist, fehlt natürlich auch das Internet nicht. In jüngster Zeit haben im deutschsprachigen Raum Gedenkportale und Internet-Friedhöfe geöffnet. Dort können Hinterbliebene Fotos und Videos der Verstorbenen hochladen, sich in Kondolenzbücher eintragen oder digitale Kerzen anzünden.

Wer über neue Erscheinungen in der Beisetzungskultur spricht, kann sich auch dem traurigen Trend nicht verschließen, dass die Sozialbestattungen zunehmen: Die Kommunen übernehmen die Kosten, weil Angehörigen der Toten mittellos sind oder nicht bezahlen wollen. Doch Geld ist überall knapp, und so wird oft nur das Nötigste getan, was vor allem bei Kirchen auf Widerstand stößt: Es sollte der Name des Toten genannt und ein öffentlicher Ort des Trauerns geschaffen werden. Jeder verdiene eine menschenwürdige Beerdigung.

Andere Länder gehen mit der Endlichkeit offener um

In anderen Ländern geht man mit dem Tod offener um als in Deutschland. Beispielsweise in den Niederlanden. Dort ist von Standardbeerdigungen kaum mehr die Rede, weiß Norbert Fischer von der Universität Hamburg. Die Krematorien präsentierten ein breiteres Dienstleistungsangebot als hierzulande. "Wer will, kann die Trauerfeier von Bongo-Trommeln oder Multimedia-Technik, lauter Rock- oder leiser Harfenmusik, aber auch von einer Laser-Show begleiten lassen. Zur Beisetzung stehen Urnenhaine, Kolumbarien und Aschenstreuwiesen bereit. Wer will, kann gar seine Harley mit ins Grab nehmen - der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.


Von Renate Färber

Erschienen am 20.11.2009


Special: Auto & Mobiles
Testen Sie Ihr Fahrschulwissen! Informieren Sie sich über die neuesten Automodelle, faszinierende Oldtimer und holen sich Sicherheitstipps und Infos zum aktuellen Straßenverkehr im Online-Special... mehr
Online-Specials
Bad Elster
Das ganze Jahr Kultur und Events "Königlich genießen" mehr

Einsteigen, Abfahren, Pünktlich sein Verkehrsverbund Mittelsachsen mehr
www.erzgebirge.de

Gehen Sie auf Erlebnistour

Entdecken Sie eine wunderschöne Region. Hier können Sie mit ihrer ganze Familie Abenteuer erleben oder einfach mal die Seele baumeln lassen. mehr
Werbung, die bewegt

Ihr Unternehmen in Web + Zeitung

Lust auf innovative Werbekonzepte? Unsere Kombi: Video-Clip, Printwerbung und Webpräsenz.
Erfahren Sie mehr:

Zu den Unternehmensvideos
Zum Türmer
RauMa Thalheim
Gasthof zu Alten Mühle
Sportzentrum am Taurastein
Gala 3000 Küchencenter
Hotel "Nussknacker" mehr
Ticketsuche

Ihre Schnellsuche für Konzert-Tickets

Mit unserer neuen Schnellsuche können Sie Konzert-Tickets jetzt noch leichter finden. Zur Ticketsuche... mehr
Winterliche Blumengrüße

Blumen in den schönsten Farben

Machen Sie einem lieben Menschen eine Freude und überraschen Sie ihn mit diesem Traum aus farbenfrohen Winterblumen. mehr
fp-atnight.de

Partypixx auf der Communitysite!

• 6.02.10 - Bad Taste Party - BPM-Club, Zwickau
• 6.02.10 - Vampire Clubbing - Südbahnhof, Chemnitz
• 5.02.10 - Friday Girl Fire - ClubFX, Chemnitz



-Anzeige-
Kredit
Der Partner für Ihren Kredit



-Anzeige-