Chemnitz
Säle voller Narren, aber einer bleibt leer
Karnevalsklubs haben am Wochenende mit ihren Gästen ausgelassen gefeiert
Unter dem Motto "Wir fahren nicht mit Bus und Bahn - Wir heben ab vom Airport Hahn" haben am Samstagabend 120 Narren, so auch Heike Preussner und Alberto Estopian (Foto), mit dem Club der Karnevalisten Altchemnitz im Gasthof "Goldener Hahn" in Chemnitz bis in die Puppen gefeiert.
Chemnitz/Limbach-Oberfrohna. Zur Hochform sind am Samstagabend die Narren in und um Chemnitz aufgelaufen. Bis in die Nacht hinein wurde beispielsweise im Gasthof "Goldener Hahn" in Chemnitz, im Volkshaus Thum und im Krystallpalast Klaffenbach in vollen Häusern gefeiert - in Limbach-Oberfrohna fiel die Faschingsveranstaltung hingegen ins Wasser.
Abrocken im Gasthof"Goldener Hahn" in Chemnitz
Ausgelassenes "Abheben" zur Flug-Weltreise war im Gasthof "Goldener Hahn" angesagt, wo ungefähr 200 Karnevalsfreunde feucht-fröhlich feierten. Bernd Hähnel vom Club der Karnevalisten Altchemnitz war hocherfreut über diese Resonanz. "Es sind mehr Leute gekommen als im Vorjahr. Unser Fasching beginnt sich am neuen Ort zu etablieren", so der Vereinsvorsitzende. Zudem sei das mit viel Aufwand vorbereitete Programm unter dem Motto "Wir fahren nicht mit Bus und Bahn - Wir heben ab vom Airport Hahn" angekommen. "Die Begeisterung war riesig. Absolute Knüller waren unsere Zwischenlandung auf dem Roten Platz im Moskau, mit Matrioschka-Tanz, und der per Video übertragene Abstecher in den Weltraum", sagte Hähnel.
Niederfrohnaer Narren haben nur 25 Karten verkauft
Eine Faschingshochburg war Limbach-Oberfrohna noch nie. Die Narrenzunft aus dem Nachbarort Niederfrohna hatte allerdings am Wochenende zu einer Faschingsparty mit Programm und Tanz in die Gaststätte "Mannheim" eingeladen. "Eigentlich wollten wir wie jedes Jahr eine richtig tolle Fete in Limbach-Oberfrohna feiern", so Vereins-Sprecher Pierre Fiebig. Doch wegen mangelnder Nachfrage musste der Termin am Freitag abgesagt werden. "Wir hatten nur 25Karten im Voraus verkauft. Das war deutlich weniger als 2008. Deshalb haben wir die Notbremse gezogen", erklärte Vereins-Vize Volker Uhlig. Ohne vollen Saal mache eine Faschingsfete seiner Ansicht nach keinen Sinn. "Die Kosten wären nicht zu vertreten gewesen", betonte Fiebig. Deshalb sei der Verein mit dem Wirt überein gekommen, die Veranstaltung abzusagen. Bereits gekaufte Karten können am Sonnabend in der Jahnburg in Niederfrohna genutzt werden. Gewaltig war die Enttäuschung auch in den eigenen Reihen. "Wir mussten unsere Fünkchen und vor allem die fünf bis sieben Jahre alten Mädchen der Tanzgruppe Disco-Kids trösten. Sie haben fleißig trainiert und wollten zeigen, was sie können", so Fiebig.
Carnevalsclub Köthensdorf sagte Nachthemdenball ab
Wie es ist, wenn alles für die Party vorbereitet ist, doch nur wenige Gäste ihr Kommen ankündigen, hatte im November auch der Carnevalsclub Köthensdorf zu spüren bekommen. Der Verein hatte nach einer Krisensitzung seinen Nachthemdenball zum Saisonauftakt abgeblasen. Grund dafür war die Sorge, die Fete könne mit einem dicken Minus für die Vereinskasse und unzufriedenen Gästen enden.
Gute Nerven hatte im vorigen Jahr der Burkhardtsdorfer Carnevals Ausschuss gezeigt. "Wir sind in der Turnhalle in Kemtau angetreten, obwohl nur 20 Karten im Vorverkauf weggegangen waren", berichtete Vereinspräsident Uwe Hirsch. Der Abend wurde ein voller Erfolg, die Halle war mit 200 Gästen ausverkauft. "Auf den Vorverkauf ist einfach kein Verlass mehr", so Hirsch. Für die Veranstaltung im Volkshaus Thum am Sonnabend waren die Karten zuvor gefragter, gefeiert wurde allerdings mit nur 150 Gästen. "Trotzdem war es eine sehr schöne Veranstaltung", sagte Vereinsmitglied Carola Hirsch.
Würschnitztaler Carnevalsclub sucht jüngere Mitstreiter
Michael Stoppke, Vize des Würschnitzthaler Carnevalsclubs, plädiert ebenfalls für Mut zum Risiko. Sein Verein ist als erster in Chemnitz und Umgebung bereits am 30.Januar mit einer Faschingsveranstaltung im Krystallpalast Klaffenbach an den Start gegangen. Die Sitzplätze waren restlos ausverkauft. "Wir haben zum Programm ein paar Extras wie Begrüßungssekt und Gugge-Musik geboten. Zudem war es eine Festsitzung für Publikum, dass nicht die wilden Partys für jüngere Leute in überfüllten Sälen sucht", sagte er. Zur ersten Herrensitzung, die der Verein am Freitag als Gegenstück zum seit Jahren ausverkauften Weiberfasching organisiert hat, waren nur etwa 120Gäste gekommen. Rund 450 passen in den Saal. "Die gekommen sind, haben bis weit nach Mitternacht ausgelassen gefeiert. Das wird sich herumsprechen und im kommenden Jahr für mehr Gäste bei dieser Veranstaltung sorgen", meinte Vereinschef Andreas Stoppke. Die Faschingsparty am Sonnabend war ausverkauft. Für die Veranstaltungen am kommenden Wochenende und am Rosenmontag erwartet Stoppke ebenfalls ein volles Haus.
Von Rita Türpe
Erschienen am 07.02.2010
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