Chemnitz
Der Boom der Baby-Musikkurse
Unterricht für die Kleinsten ist der Renner - Musikschulchefin: Nichts anderes wird stärker nachgefragt - Neues Angebot
Da ist ja Musik drin: Klanghölzer sind nur ein Beispiel, wie an der Städtischen Musikschule Babys und Kleinkinder mit Musik vertraut gemacht werden.
Chemnitz. Chemnitzer Babys dürften immer musikalischer werden: Musikkurse für Babys und Kleinkinder sind derzeit der Renner. "Kein Bereich in unserer Schule hat mehr Zulauf als die Musikkurse für Säuglinge und Kinder bis sechs Jahre", sagt Nancy Gibson, Leiterin der Städtischen Musikschule auf dem Kaßberg. Ähnlich sieht es in der privaten Yamaha-Musikschule aus. Dort heißt es: Das Interesse an solchen Kursen sei gleich bleibend hoch. Und da man auch an der Freien Musikschule um den Trend weiß, bietet man dort ab diesem Monat erstmals ebenfalls Kurse für Babys und Kleinkinder an.
Dort steht Katja Seidel in den Startlöchern. Sie hatte mit ihrer Tochter einen Musikkurs für Kleinkinder an der Städtischen Musikschule besucht. Zwar ist sie keine Musiklehrerin, erwarb später nach eigenen Angaben aber mithilfe von Seminaren eine Lizenz für das Kursprogramm "Musikgarten", das ein Musikverlag entwickelt hat. Katja Seidel bietet nun an der Freien Musikschule - in der man im Haus an der Theaterstraße 76 Musikunterricht buchen kann - Kurse für Kinder bis 18 Monate und ab 18 Monate bis drei Jahre an.
An der Städtischen Musikschule hat sich laut Gibson die Teilnehmerzahl in den Kursen für Kinder bis sechs Jahre seit 2005 mittlerweile verdoppelt. Wurden damals 226Mädchen und Jungen verzeichnet, sind es heute 420. Und es gibt eine Warteliste mit 23 Anmeldungen. Dennoch wolle man weiter Kinder aufnehmen, betont Gibson - ab August würden neue Kurstermine frei. An der privaten Yamaha-Musikschule ist das Interesse ähnlich hoch. So seien 425 Kinder für Kurse in der Früherziehung eingeschrieben, "eine konstante Zahl seit Jahren", sagt Fachbereichsleiterin Silke Kratzsch. "Wenn man bedenkt, dass wir insgesamt rund 1000 Schüler an unserer Einrichtung haben, sind allein 400 in der Früherziehung eine hohe Zahl." Den Zulauf für den Bereich erklärt sich Nancy Gibson vor allem damit, dass immer mehr Studien nachweisen, "wie wichtig Musik für die Entwicklung eines Kindes ist. So stellt sich oft heraus, dass Kinder, die frühzeitig musikalisch erzogen werden, auch früher sprechen als andere Kinder", sagt Gibson. "Wenn ein Kind zum Beispiel mit Klanghölzern spielt und singt, ist das etwas für Ohren, Augen, Stimme und Hände. Da passieren im Gehirn so viele Verknüpfungen, das ist wie eine Explosion."
In die Kurse der Städtischen Musikschule für Säuglinge bis Zweijährige kommen Eltern zusammen mit ihren Kindern. Eingesetzt werden beispielsweise Rasseln und Klanghölzer, Fingerspiele und Lieder, die für Rhythmus und Melodien sensibilisieren sollen. "Wir wollen auch Anregungen für zuhause geben", sagt Fachbereichsleiterin Janet Lindner. "Denn oft werden Kinder zu schnell vor eine Hörspiel-Kassette gesetzt, statt sie aufs Knie zu nehmen, zu singen und mit ihnen im Takt zu wippen." Im Kurs für Zwei- bis Vierjährige würden verstärkt Instrumente eingesetzt, bei den Vier- bis Sechsjährigen auch die Notenlehre.
Der Verband deutscher Musikschulen sieht in der Entwicklung einen bundesweiten Trend. Seien in den zum Verband gehörenden Einrichtungen im Jahr 2003 rund 22.000 Schüler in diesen Kursen angemeldet gewesen, waren es 2008 knapp 30.000, so Sprecherin Claudia Wanner. Sie begründet das ähnlich wie Nancy Gibson. "Das Thema Bildung gewinnt an Bedeutung." Und da spielten auch die Studien eine Rolle, die besagen, dass frühe Musikbildung Sprache fördere.
Von Katharina Leuoth
Erschienen am 10.03.2010
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