Auer Zeitung
Ein Kerl von echtem Schrot und Korn
Ausbilder Schmidt zeigt in Aue vor 200 Leuten sein Programm "Zum Brüllen komisch"
Aue. Tach, ihr Leser. Am Samstag hat Ausbilder Schmidt im Kulturhaus Aue zum Manöver geblasen - oder besser: gebrüllt. Sind alle schön strammgestanden. Sogar die Ungedienten. Gut 200 Leute sprangen auf, kniffen die Pobacken zusammen und erwiderten das unumgängliche "Morgen, ihr Luschen", mit einem zackigen "Morgen, Chef."
Soweit das Ritual. Danach folgte - ebenfalls in bewährter Manier - die Selbstdarstellung des Ausbilders als ein Kerl von echtem Schrot und Korn. Logisch. Was sonst? "Zum Brüllen komisch" heißt das Programm. Und das Publikum - vom Rekruten bis zum Reserveoffizier alles dabei - fand das auch.
Der Ausbilder, von dem böse Zungen behaupten, er hieße eigentlich Holger Müller und sei ein ganz friedlicher Bursche, ließ dabei keine Gelegenheit aus, das Militärische zu loben. Angefangen von den Vorteilen, die ein Panzer bietet, wenn man mal einen Parkplatz vorm Restaurant braucht, bis hin zur schnittigen Uniform. Wobei seine eigene, ex-olivgrüne, vom vielen Waschen und Eingehen wahrscheinlich schon dermaßen griffig geworden ist, dass der Ausbilder drinnen allenfalls noch als Kuschelobjekt rüberkommt denn als harte Sau.
Aber die kann man ja trotzdem raushängen lassen. Wahrscheinlich gilt für den Ausbilder sowieso die Marke von der weichen Schale mit hartem Kern. Dann hätte aber unbedingt jemand aufspringen müssen, als sich Schmidt als Trainer für die Auer Fußballer anbot. Der hätte die Veilchen schon geknickt, von wegen sich in Jena abschießen lassen.
Aber es war nicht alles lustig, was da über die Bühne kam. Das Telefonat mit einer liebestrunkenen Kanzlerin, die ihren olivgrünen Tanga auf dem Klo vergessen hat, böte im Fernsehen immer noch eine gute Gelegenheit zum Umschalten. Im Kulturhaus war es da wie im Bunker: Man musste bis zur letzten Pointe ausharren. Aber auch wenn nicht jeder Schuss ein Treffer war: Wirklich nach hinten ging auch nichts los. Deswegen darf sich der Ausbilder auch mal wieder ans Erzgebirge ranrobben. In diesem Sinne: Weggetreten, ihr Leser.
Von Sara Thiel
Erschienen am 07.02.2010
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