Werdauer Zeitung
Zweiga-Brache wird zum Zankapfel
Fraureuther Bürgermeister will komplette Industriebrache abreißen
Mit einer Fläche von knapp 29.000 Quadratmetern ist die ehemalige Zweiga die größte Brache im Ort. Jetzt scheint sich eine Lösung für den Abriss anzubahnen.
Fraureuth. Die Brache der ehemaligen Zweiga an der Ferdinand-Puchert-Straße ist Bürgermeister Matthias Topitsch (CDU) seit Langem ein Dorn im Auge. Das knapp 29.000 Quadratmeter große Gelände gehört der Ruppertsgrüner Spinnerei GmbH. Die hatte nach der Wende das Areal erworben, in einem Teil davon wieder die Produktion aufgenommen, doch kurze Zeit später Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde mangels Konkursmasse eingestellt. Die beiden Gläubiger, die Sparkasse Zwickau und die Deutsche Kreditbank Berlin, blieben bisher auf ihren offenen Forderungen sitzen. Dass ein neuer Investor das Areal erwirbt, die offenen Schulden übernimmt und für den Abriss aufkommt, wäre laut Topitsch eine Alternative. Die Chancen dafür sind allerdings gering.
Mögliche Lösung in Sicht
Nach Jahren der Stagnation scheint sich jetzt eine Lösung abzuzeichnen. "Eine Möglichkeit wäre die Zwangsversteigerung", so das Gemeindeoberhaupt. Diese könnten sowohl die Kommune, als auch die Gläubiger in die Wege leiten. Warum das bisher noch nicht geschehen ist, begründet Topitsch mit noch ungeklärten Fragen zwischen den Eigentümern und den Gläubigern. Geht es nach ihm, so würde er am liebsten die Brache zu einem symbolischen Preis erwerben und den Schandfleck sofort beseitigen. Der Abriss würde nach ersten Schätzungen rund 1,5 Millionen Euro kosten. Dafür könnte die Kommune Fördermittel beantragen.
Topitsch will damit einem Teilabriss der Brache, die so groß wie vier Fußballfelder ist, zuvorkommen. Der Grund: Für die Fortführung des Baus der Westtrasse, die vorerst an der Greizer Straße endet, würde das Straßenbauamt als Bauherr einen Teil des Industriegeländes benötigen. Für das Gemeindeoberhaupt nicht die optimale Lösung. Seiner Meinung nach passen eine neue Straße, die nach ihrer kompletten Fertigstellung die Autobahnen 72 und 4 miteinander verbindet, und eine Brache nicht zusammen. Derzeit ist allerdings noch offen, wann der Bau der Westtrasse auf Fraureuther Territorium fortgesetzt wird. Topitsch bezweifelt, dass dies unmittelbar nach der Freigabe des Werdauer Teilstückes im Sommer 2009 geschieht.
Werdau plant neue Straße
Inzwischen hat sich auch die Stadt Werdau zu Wort gemeldet. Diese möchte vom Gewerbegebiet Steinpleis eine Anbindung an die künftige Westtrasse schaffen und benötigt dafür einen Teil des Grundstückes, auf dem die Brache steht. Entlang der ehemaligen Zweiga verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen den beide Kommunen. Für die geplante Verkehrsader soll die bei der Erschließung des Gewerbegebietes geschaffene Durchgangsstraße verlängert werden, die zirka 150 Meter vor dem Bahnviadukt endet. Deren Verlauf: durch einen der Eisenbahnbögen, über den Ruppertsbach, entlang der Brache bis zur Ferdinand-Puchert-Straße. In Höhe der Tankstelle würde die geplante zirka 500 Meter lange Straße aufbinden. Die Einmündung dafür wurde bereits mit dem Anlegen der angrenzenden Kreisverkehrs realisiert.
Die Pläne sind freilich nicht neu und reichen bis in das Jahr 1990 zurück. Damals plante die noch eigenständige Gemeinde Steinpleis bereits eine Anbindung in Richtung der inzwischen abgerissenen "Wiener Spitze".
Fast 20 Jahre lang lag das Vorhaben auf Eis. Erst jetzt, mit dem geplanten Bau der Bioethanolanlage, holte die Stadt die Pläne wieder aus der Schublade. Davon erfahren habe der Fraureuther Bürgermeister allerdings erst aus der "Freien Presse". Er zeigt sich verärgert, dass bisher aus dem Werdauer Rathaus noch keiner mit ihm gesprochen habe, zumal die geplante Anbindung durch einen Teil des zu Ruppertsgrün gehörenden Grundstückes verlaufen würde.
Von Uwe Mühlhausen
Erschienen am 03.12.2008
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