Werdauer Zeitung
Eispiraten verlieren Spiele und Zuschauer
Besucher-Negativrekord im Heimspiel gegen Bietigheim-Bissingen - Manager sieht Kaufkraftverlust als Ursache - Kult-Status verflogen
Crimmitschau. Eishockey-Zweitligist Eispiraten Crimmitschau verliert nicht nur Spiele, sondern auch Publikum. Im Heimspiel gegen den SC Bietigheim-Bissingen wollten am Freitag nur noch 1129 zahlende Zuschauer den Auftritt der Mannschaft um Kapitän Kevin Saurette sehen.
In den drei Begegnungen dieses Jahres waren jeweils weniger als 1500 Zuschauer im Sahnpark. Zur Erinnerung: Vor zehn Jahren war die dreifache Zuschauerzahl Normalität. Obwohl die Eispiraten bislang die kalkulierte Zuschauerzahl erreichen, schrillen die Alarmglocken. Dazu sprach Holger Frenzel am Dienstag mit Eispiraten-Manager und Gesellschafter Ronny Bauer.
Freie Presse: Welche Gründe gibt es für den Besuchereinbruch im Januar?
Ronny Bauer: Der Januar gilt als schwieriger Monat. Es fehlt an der Kaufkraft. Viele Familien haben weniger Geld in der Kasse. Dadurch überlegt man, ob der Besuch eines Eishockeyspiels möglich ist. Für den Stadionbesuch mit Eintritt, Anfahrt und Verpflegung kommen schnell 20 Euro pro Person zusammen. Zudem leiden wir immer noch an den Nachwirkungen der vergangenen Saison, als schwache Auftritte das Fangemüt belastet haben.
Freie Presse: Zurzeit befindet sich Crimmitschau wieder im Abstiegskampf. Kann sportlicher Erfolg für steigende Zuschauerzahlen sorgen?
Bauer: Das stellen wir gerade nicht fest. Wir gewinnen beim Spitzenreiter in München oder ein tolles Sachsenderby gegen die Lausitzer Füchse aus Weißwasser - trotzdem kommen nicht mehr Leute ins Stadion. Deshalb bringen wir die Zuschauerzahlen vor allem mit der wirtschaftlichen Situation in Zusammenhang.
Freie Presse: Welche Auswirkungen hat der Zuschauerrückgang?
Bauer: Bisher liegen wir im Soll. Unsere Kalkulation basiert auf 1950 Zuschauer pro Heimspiel. Auch die Sponsoren haben alle Zusagen eingehalten. Die Zuschauerzahlen beeinflussen unsere Planungen für die nächste Spielzeit. Wir können nur die Ist-Zahlen aus der aktuellen Saison als Grundlage für künftige Planungen nehmen.
Freie Presse: Warum sollten sich Zuschauer für den Stadionbesuch entscheiden?
Bauer: Eishockey ist immer noch ein Erlebnis. Wir verfügen in dieser Saison über ein Team, das nie aufgibt und voll mithalten kann. Zudem stehen mittlerweile neun Eigengewächse im Kader. Sie sollen für Identifikation sorgen und als Vorbild für den Nachwuchs dienen.
Freie Presse: Aber der Kult-Status der 1990-er Jahre ist weg.
Bauer: Leider. Das waren andere Zeiten. Die Ossis konnten den Wessis damals Paroli bieten. Das hat für ein Selbstwertgefühl gesorgt. Mittlerweile sind wir in der Realität angekommen. Viele Fans von damals mussten die Region aus beruflichen Gründen verlassen. Das merken wir bei den Auswärtsspielen im Süden, wo die uns dann unterstützen. Bei den Heimpartien fehlen sie aber.
Freie Presse: Die Fans stehen in bei Heimspielen in der Kälte, weil der Sahnpark ein offenes Stadion ist. Wird sich da etwas ändern?
Bauer: Das ist ein schwieriges Thema. Nach dem Neubau des Mehrzweckgebäudes werden in den nächsten Jahren wohl keine größeren Dinge passieren. Wir müssen mit den Bedingungen leben. Mein Argument: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
Freie Presse: Eine Klasse tiefer in der Regionalliga spielen viele ostdeutsche Teams. Stellt diese Liga mit mehr Derbys und geringeren Kosten eine Alternative dar?
Bauer: Nein. Das würde die Einzigartigkeit des Standortes gefährden. Ich will keinem zu nahe treten, aber diese Spielklasse hat nicht viel mit Profi-Eishockey zu tun. Obwohl wir sicherlich mit durchschnittlich 1000 Zuschauern planen könnten, fallen dafür auch Kosten an. Ein Regionalligist braucht weniger Eiszeiten. Damit würde die Betreibung des Eisstadions für die Stadt verdammt schwierig werden.
Termine
Die nächsten Heimspiele der Eispiraten: Am 31. Januar gegen Ravensburg, am 5. Februar gegen München, am 14. Februar gegen Freiburg.
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