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Ärzte kritisieren mangelnde Voraussetzungen für Krankenhaus-Hygiene

Zu wenig Fachärzte und Fachpersonal - Tod der Frühchen in Bremen "wundert kaum"

Dresden (dapd-lsc). Ärzte und Krankenhausvertreter haben Bund und Länder aufgefordert, die Voraussetzungen für bessere Hygiene in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Arztpraxen zu schaffen. "Die Politik muss uns die Mittel zur Verfügung stellen, damit wir die Chance haben, die Gesetze umzusetzen", sagte der Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK), Erik Bodendieck, am Freitag auf dem Deutschen Hygienekongress in Dresden. Dort tauschen sich bis Samstag 240 Experten über Fragen von Infektionsschutz und Vorbeugung aus.

Es sei kein Zufall, dass kurz vor dem Kongress die Nachricht der drei an multiresistenten, also gegen viele Antibiotika unempfindlichen Krankenhauskeimen gestorbenen Frühchen in Bremen mediale Wellen geschlagen habe. Angesichts des derzeitigen Zustands der Krankenhäuser und Ambulanzen wunderten ihn solche "Hiobsbotschaften" kaum, betonte Bodendieck. "In einem Gesetz Forderungen zu stellen ist relativ einfach."

Der Bund hatte sein Infektionsschutzgesetz zuletzt im Sommer dieses Jahres geändert. Der Mediziner beklagte, dass der Staat aber eine Umsetzung behindere. So fehlten vielerorts Hygienefachärzte und -fachkräfte, die das Klinikpersonal kontrollieren, anleiten und sensibilisieren. Dem Vorsitzenden des Ausschusses Hygiene und Umweltmedizin der SLÄK, Siegwart Bigl, zufolge würden bundesweit 150 bis 200 Fachärzte und 800 bis 1.000 Fachkräfte zusätzlich gebraucht. Aufgrund von staatlichen Kürzungen an den Hochschulen werde zudem kaum Nachwuchs ausgebildet, an den sächsischen Universitäten etwa gar nicht mehr, mahnten die Experten.

Dem Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Brandenburg, Jens-Uwe Schreck, zufolge ist die Zahl der Infektionen von Patienten in Krankenhäusern zwar zurückgegangen. Die der Patienten, die Keime selbst in die Krankenhäuser hinein trügen, sei aber gestiegen. Deshalb sei es wichtig, auch Gesundheitsdienste, Alten- und Pflegeheime und andere Einrichtungen in die Diskussion einzubeziehen.

Der Kongress im Dresdner Hygiene-Museum wird von fünf ostdeutschen Ärztekammern und Krankenhausgesellschaften organisiert. Patienten können sich am Samstag zwischen 9.00 und 13.30 Uhr kostenlos über Themen wie multiresistente Keime, die Hygiene von Trinkwasserspendern oder Infektionsschutz im Alltag informieren.

(Programm des Kongresses: http://url.dapd.de/25yNcL )

dapd

 
erschienen am 02.12.2011
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