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Auch das Erzählen will gelernt sein
Erstes Seminar der privaten Autorenschule "Textmanufaktur" in Leipzig
Leipzig (ddp). Carsten Brinzing hat einen Traum. Er will irgendwann als Schriftsteller so erfolgreich sein, dass er davon leben kann. Bis dahin, weiß er, ist es noch ein weiter Weg. Der junge Mann aus Berlin ist seinem großen Ziel allerdings schon ein Stück näher gekommen: Er hat seinen ersten eigenen Roman fast beendet. Am Samstag und Sonntag stellte er sich im ersten Seminar der neu gegründeten "Textmanufaktur" in Leipzig der Kritik anderer Autoren, um sein Werk vielleicht noch zu verbessern.
Der Literaturwissenschaftler André Hille ist der Gründer dieser - wie er selbst sagt - ersten privaten Autorenschule Deutschlands. Sein Premierenkurs "Grundlagen des Erzählens" befasste sich mit dem Selbstlektorat. Die 15 Teilnehmer aus Deutschland, Belgien und Österreich waren zumeist Hobbyautoren mit gewisser Erfahrung im Schreiben. Sie alle träumen wie Brinzing den Traum von der ganz großen Autorenkarriere.
Der Schriftsteller und Lektor Hille weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das professionelle Bücherschreiben ist. Das A und O ist für ihn dabei neben dem sprachlichen Ausdruck und einem eigenen Stil die gute Geschichte, die den Leser fesseln muss. "Ich möchte gern den Autoren in meiner ´Textmanufaktur´ das Geschichtenerzählen beibringen", sagte der 34-jährige selbstbewusst. Damit hätten zahlreiche deutschsprachige Autoren ihre Probleme. "Es ist verdammt harte Arbeit, ein Buch zu schreiben", fügte er hinzu.
Auf die Idee zur Gründung einer privaten Autorenschule sei er vor einem Jahr gekommen, als er selbst an der Buchakademie Wolfenbüttel einen Kurs belegte, um sein schriftstellerisches Know-how auf Vordermann zu bringen. Da die Seminare dort stets überlaufen sind, wurde Hille bewusst, wie groß das Interesse deutschsprachiger Autoren an Weiterbildung in Sachen Bücherschreiben ist. Also gründete er seine Autorenschule in Leipzig.
Die Textmanufaktur wendet sich an Schriftsteller, die an professioneller Kritik interessiert sind und mehr über ihr Handwerk erfahren wollen. Hille lädt dafür renommierte Lektoren oder Autoren als Kursleiter ein, welche die Schriftstellerei in all ihren Nuancen kennen. Prominentester Vertreter ist im April der Autor Wladimir Kaminer, der in seinem längst ausgebuchten Seminar mit den Teilnehmern über Humor in der Literatur philosophieren wird.
An diesem Wochenende befasste sich der Lektor Thorsten Ahrend mit den Texten der 15 Autoren des ersten Kurses. Sie mussten zuvor ihre Werke an Hille schicken, der sie wiederum allen anderen als Hausaufgabe vorab zum Lesen zusandte. Am Samstag und Sonntag schlug dann die Stunde der Wahrheit. Nach einer kurzen Einführung wurde jeder Text kritisch unter die Lupe genommen.
Carsten Brinzing hatte vor Beginn des Kurses ein wenig Angst vor dem Urteil seiner Mitstreiter, freute sich aber zugleich auf deren "Feedback". "Es geht mir darum, Anregungen zu bekommen", sagte der 35-Jährige. Auch die junge Halbgriechin Myriam Papantoniou, die über einen Job als Werbetexterin zum Schreiben kam und sich eine Zeit lang mit dem Verfassen von Drehbüchern über Wasser gehalten hat, will unbedingt einen eigenen Roman verfassen. Sie hat für das Seminar ihre spezielle Version des "Suppenkaspars" eingereicht. Christian Stahl ist großer Literaturfan. ""Man bildet sich ein, es auch zu können", sagte der Mann aus Wien, der in dem Kurs mehr über das Autorenhandwerk erfahren wollte. Ebenso ging es Gunhild Lorenzen aus Brüssel, die hauptberuflich als Psychologin "gestresste Eurokraten" betreut, wie sie sagt.
Hille, der für seine zweitägigen Seminare 155 Euro verlangt, hat mit seiner "Textmanufaktur" einiges vor. Die gute Resonanz auf die fast ausgebuchten Kursangebote des ersten Halbjahres machte ihm Mut zur Erweiterung seines Repertoires. Künftig will er unter anderem Seminare im Schreiben historischer Romane und von Science-Fiction-Romanen sowie Kurse für Lektoren und Pressesprecher anbieten.
(ddp)