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Im Gegensatz zu den Wagen ist das "Zugpferd" ganz modern: Die Mitteldeutsche Regiobahn nutzt Dieselloks des Typs ER 20 von Siemens. Die Loks sind bis zu 140 km/h schnell. Die geplanten Fahrzeiten von 59 beziehungsweise 64 Minuten seien "anspruchsvoll", so die MRB.

Foto: Wolfgang Schmidt

Bahnverbindung von Chemnitz nach Leipzig verschlechtert sich

Auf der Strecke wechselt der Betreiber. Die Mitteldeutsche Regiobahn wird hier frühere DDR-Züge pendeln lassen - zwar modernisiert, aber eben über 25 Jahre alt. Es gibt mehr als nur eine Kritik.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 17.10.2015

Chemnitz. Bahnreisende, die von Chemnitz nach Leipzig wollen, müssen sich ab 13. Dezember umgewöhnen. Mit dem neuen Betreiber auf der 81 Kilometer langen Strecke wechseln auch die Züge. Gestern stellte die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) ihre Fahrzeuge erstmals vor. Zum Einsatz kommen vier Zugpaare mit je fünf Reisezugwagen, die von einer Diesellok gezogen werden. Vier Züge pendeln täglich, einer sei als Reserve vorgesehen, sagte der Geschäftsführer der MRB-Muttergesellschaft Transdev.

Einer der Reisezugwagen, die die MRB künftig auf der 81 Kilometer langen Strecke einsetzt. Es handelt sich um Fahrzeuge, die einst die DDR-Reichsbahn in den späten 1980er-Jahren angeschafft hatte. Der Betreiber hat die Wagen neu lackiert und die Innenräume modernisiert.

Foto: Wolfgang Schmidt

Bei den Wagen handelt es sich um mehr als 25 Jahre altes früheres Reichsbahnmaterial. Die nicht klimatisierten Fahrzeuge wurden bislang von der zur Transdev gehörenden Nord-Ostsee-Bahn genutzt, die sie zwischen Hamburg und Westerland (Sylt) einsetzte bzw. dort als Reserve vorhielt. "Was für die Reichen und Schönen auf Sylt gut ist, muss es auch für Chemnitz sein", rechtfertigte Bartels die schon in die Jahre gekommenen Züge. Derzeit würden die Fahrzeuge überholt. "Alle Wagen erhalten eine neue Außenlackierung, zudem werden die Innenräume modernisiert", erklärte MRB-Chef Matthias Löser. Die Vorbereitungen liefen, einem pünktlichen Start stehe nichts im Wege, hieß es.

Die Regionalexpresslinie die im Stundentakt beide Städte verbindet, war im vorigen Jahr neu von den Verkehrsverbünden ausgeschrieben worden. Die MRB hatte sich gegen zwei Konkurrenten durchgesetzt - dazu gehörte auch die Deutsche Bahn, die hier bislang mit Dieseltriebfahrzeugen fährt. Der Vertrag der MRB läuft bis maximal 2025.

Kritik an den Zügen kam vom Fahrgastbeirat des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) und dem Sozialverband VdK. Beiratsprecher Dietmar Dedores bezeichnete das MRB-Angebot als "insgesamt einen technischen Rückschritt", VdK-Mitarbeiterin Annett Lützelberger kritisierte die unzureichende Barrierefreiheit der Züge. Während die Fahrzeit von Chemnitz nach Leipzig nahezu gleich bleibt, verlängert sie sich in der Gegenrichtung um sieben Minuten auf 1:05 Stunden. Löser begründete das mit dem weitgehend einspurigen Streckenprofil, das bei der Modernisierung vor mehr als zehn Jahren auf die Neigetechnikfahrzeuge der Deutschen Bahn angepasst worden sei.

Ein Blick in ein Erste-Klasse-Abteil. Die Sitzpolster sehen nagelneu aus. Der Tisch versprüht allerdings noch reichlich DDR-Charme. Die Fenster lassen sich überall öffnen, denn die Wagen sind nicht klimatisiert. Die mehr als ein Vierteljahrhundert alten Reisezugwagen waren bislang bei der Nord-Ostsee-Bahn im Einsatz, teils auf der Strecke Hamburg-Westerland (Sylt), teils als Reservewagen.

Foto: Wolfgang Schmidt

Steile Einstiege, zu kleine Türen, längere Wartezeiten

Fehlende optische Anzeigen, schwergängige, mit der Hand zu öffnende Türen, zu steile Einstiege - Annett Lützelberger, die für den Sozialverband VdK im Behindertenbeirat des Verkehrsverbundes VMS sitzt, fand in Sachen Barrierefreiheit etliche Kritikpunkte an den Zügen. Auch die Gänge in den Abteilwagen seien für Menschen mit Gehhilfen ungeeignet. Die Zwischentür zu dem Bereich, der für Rollstuhlfahrer vorgesehen ist, verpasst ihr zufolge mit 78 Zentimetern das Standardmaß der DB um zwei Zentimeter. Gut sei, dass alle Züge mit Zugbegleitern besetzt seien.

Reisende, die in Leipzig Fernzüge erreichen wollen, müssen sich teils auf längere Umstiegszeiten einstellen. So verkürzt sich zwar die Fahrtzeit nach Frankfurt (Main) um eine halbe Stunde, der Kunde aus Chemnitz braucht dennoch genauso lange wie heute. Beim VMS hieß es, es gebe keine Abstimmung zwischen dem DB-Fernverkehr und dem Nahverkehr, den die Verbünde bestellen. (jdf)

Nach Leipzig geht es künftig in aufpolierten Reichsbahnwagen

Ein Blick in ein Erste-Klasse-Abteil. Die Sitzpolster sehen nagelneu aus. Der Tisch versprüht allerdings noch reichlich DDR-Charme. Die Fenster lassen sich überall öffnen, denn die Wagen sind nicht klimatisiert. Die mehr als ein Vierteljahrhundert alten Reisezugwagen waren bislang bei der Nord-Ostsee-Bahn im Einsatz, teils auf der Strecke Hamburg-Westerland (Sylt), teils als Reservewagen.

Im Gegensatz zu den Wagen ist das "Zugpferd" ganz modern: Die Mitteldeutsche Regiobahn nutzt Dieselloks des Typs ER 20 von Siemens. Die Loks sind bis zu 140 km/h schnell. Die geplanten Fahrzeiten von 59 beziehungsweise 64 Minuten seien "anspruchsvoll", so die MRB.

Papierkörbe gibt es in den Abteilen nicht, stattdessen sollen Plastiktüten aufgehängt werden. Dieses Prinzip habe man schon im bisherigen Einsatz bei der Nord-Ostsee-Bahn getestet. Das habe sich bewährt, hieß es.

Foto: Wolfgang Schmidt

Papierkörbe gibt es in den Abteilen nicht, stattdessen sollen Plastiktüten aufgehängt werden. Dieses Prinzip habe man schon im bisherigen Einsatz bei der Nord-Ostsee-Bahn getestet. Das habe sich bewährt, hieß es.

Einer der Reisezugwagen, die die MRB künftig auf der 81 Kilometer langen Strecke einsetzt. Es handelt sich um Fahrzeuge, die einst die DDR-Reichsbahn in den späten 1980er-Jahren angeschafft hatte. Der Betreiber hat die Wagen neu lackiert und die Innenräume modernisiert.

Statt roter Dieseltriebfahrzeuge der Deutschen Bahn werden ab 13. Dezember zwischen Chemnitz und Leipzig grau-blau-lackierte Reisezugwagen der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) rollen. Die Tochter des Verkehrsunternehmens Transdev (früher Veolia) hatte eine entsprechende Ausschreibung der Verkehrsverbünde Mittelsachsen (VMS) und Nahverkehrsraum Leipzig gewonnen. Nach den Worten von MRB-Geschäftsführer Matthias Löser sollen die Züge mit je fünf Wagen ausgestattet sein, das entspreche rund 300 Sitzplätzen. Platz sei zudem für bis zu 20 Fahrräder oder sechs Kinderwagen. Jeweils vier der fünf Wagen haben demnach - wie es bei alten Reisezügen üblich war - geschlossene Abteile. Auf Wunsch der Fahrgäste soll es zudem Ruhebereiche in der Mitte der Abteilwagen geben - Handys und laute Gespräche sind dort tabu. Das Personal werde angehalten, darauf zu achten, so Löser. 18 Lokführer und 16 Zugbegleiter sollen für den reibungslosen Betrieb auf der Regionalexpresslinie, die Leipzig und Chemnitz im Stundentakt verbindet, sorgen. Von der Deutschen Bahn werde aber kein Personal übernommen. Die Linie wird laut VMS von jährlich 1,5 Millionen Reisenden genutzt.

 
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Kommentare
22
(Anmeldung erforderlich)
  • 17.12.2015
    12:23 Uhr

    lupo: ...ich liiiiiebe mein Auto!!!!!

    0 0
     
  • 19.10.2015
    15:01 Uhr

    kohlrabischorle: Nix

    für

    ungut,

    aber

    wenn

    ich

    Romane

    lesen

    möchte,

    dann

    kaufe

    ich

    mir

    welche.

    Trotz

    aller

    (manchmal sogar sachlicher)

    Diskussionsfreude

    muss

    ich

    feststellen,

    dass

    früher

    an

    den

    Telefonzellen

    folgender

    Satz

    stand:

    Fasse

    dich

    kurz!

    3 0
     
  • 19.10.2015
    13:29 Uhr

    Juergen79: Guter Beitrag FSB!

    Meine persönliche Meinung dazu:
    Ich finde die derzeitige Bahnanbindung nach Chemnitz für Geschäftsreisende und Dauerpendler unzumutbar und völlig inakzeptabel.
    Den Bahnreisenden wird ein Standard geboten, der nicht mehr zeitgemäß und dem heutigen Stand der Technik und des Komforts entspricht.
    Als größtes Problem sehe ich die nicht vorhandene Barrierefreiheit der Türbereiche in den Waggons. Vor allem für ältere Reisende und beeinträchtigte Reisende ist das Ein- und Aussteigen über die manuellen und schwergängigen Türöffner, sowie die hohen Tritthöhen der Stufen inakzeptabel.

    Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende Unterstell- / Ablagemöglichkeit von Reisegepäck. Möchte ich mit einer vierköpfigen Familie zum Flughafen, ist es nahezu unmöglich größere Koffer zu verstauen. Selbst vorhandene Ablageflächen entsprechen nicht mehr den heutigen Koffergrößen.

    Ein dritter Kritikpunkt betrifft die generelle Reisezeit und Anschlussbedingungen. Hier verweise ich auf die sehr gut geschilderte Situation von FSB in seinem Beitrag, den ich nur unterschreiben kann.

    Alles in allem ein Rückschritt und Ohrfeige für jeden, der zumindest ansatzweise überlegt, die Bahn für bestimmte Fahrten dem Auto vorzuziehen. Weiterhin ist es für die Region Chemnitz ein klarer Standortnachteil! Ein Ausbau der Chemnitzer Stadthalle zu einem Konferenz- und Tagungszentrum wird mit so einer miserablen Bahnanbindung massiv torpediert. Die Anfahrt-Bedingungen zum Tagungsort werden bei Entscheidern bei der Vergabe überregionaler Tagungen/Konferenzen eine wichtige Rolle spielen.

    Chemnitz braucht dringend einen IC/ICE-Anschluss!!!

    1 6
     
  • 19.10.2015
    13:06 Uhr

    Registrierter: "Chemnitz-Leipzig ist keine Fernbahnanbindung": Ja. Und ganz genau das ist das Problem. Fernbahn abgeschafft (nicht durch die Chemniter OB), die Strecke (außer Neigetechnik) durch Bund und Land (auch nicht durch die Chemniter OB ;-) ) nicht ausgebaut (Elektrifizierung, zweites Gleis) und nun auch noch der Transport dahin -unter bislang vorhandenem- Niveau. ich denke, darin sind wir uns einig. Oder? :-)

    0 2
     
  • 19.10.2015
    12:58 Uhr

    Registrierter: Ich verstehe nicht, warum bei der Deutschen Bahn immer so viel Geld für Züge augegeben wird, wenn es auch so einfach geht. Wozu meckern, was will man denn als Chemnitzer mehr?

















    ;-)

    0 2
     

 
 
 
 
 
 
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