Polizeihauptmeister Hans-Jürgen Clement schaut in den Innenraum der Fahrzeuge, die auf dem Parkplatz an der Ermafa-Passage in Chemnitz abgestellt sind. Trotz ständiger Warnungen ist das Ergebnis ernüchternd.
Foto: Andreas Seidel
Beim Parken regiert Bruder Leichtsinn
Jeden Tag werden in Sachsen Autoscheiben eingeschlagen oder -schlösser geknackt - Nicht zuletzt, weil Autobesitzer den Tätern verlockende Angebote machen
Chemnitz. Der Parkplatz am Einkaufszentrum Ermafa-Passage in Chemnitz ist nach dem langen Wochenende schon vormittags dicht belegt. Polizeihauptmeister Hans-Jürgen Clement läuft durch die Reihen von Fahrzeugen und wirft einen geschulten Blick in den Innenraum. Immer wieder schüttelt er den Kopf. In etlichen Autos liegen oder kleben an der Frontscheibe mobile Navigationsgeräte. Auch an einem Audi mit Freiberger Kennzeichen. Der Halter, ein Mann aus Flöha, sagt: "Ich weiß, dass ich das lieber einstecken sollte. Aber da ich nur ein paar Minuten weg war, wollte ich nicht noch mehr in meine Hosentaschen stopfen." Ein paar Meter weiter liegt in einem Toyota für jedermann sichtbar ein Handy. Ein Stück entfernt ist es eine Handtasche auf einem Beifahrersitz, die dem Beamten Clement die Stirn runzeln lässt.
Jeder hat eine Ausrede
Als eine Frau aus dem bayerischen Hof in ihren VW einsteigen will, fragt er sie: "Warum lassen sie Navi und Handtasche so leichtfertig im Wagen liegen?" Die Frau macht keinen Hehl aus ihrem schlechten Gewissen: "Ich bin eigentlich ein gebranntes Kind. In mein Auto wurde schon eingebrochen und die Handtasche einer Bekannten gestohlen. Aber hier war ich ja nur für zehn Minuten weg."
Noch keine schlechten Erfahrungen hat ein Mann gemacht, der seinen Porsche Cayenne gerade einparkt. Knapp 15 Minuten dauert sein Einkauf. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Dokumentenmappe. Ein Laptop könnte darin sein, auch ein Handy. Auf der Mittelkonsole ist eine kleine Fernbedienung sichtbar. "Wer die hat, könnte problemlos in mein Haus gelangen", gibt der Mann bereitwillig zu, als ihn die "Freie Presse" zur Rede stellt. "Aber ich habe eine gute Alarmanlage im Wagen und eine gute Versicherung." Das sei für ihn auch deshalb wichtig, weil er als Edelmetallhändler oft Waren im Auto liegen habe, die den Wert des Porsches um ein vielfaches übersteigen. Dass er dennoch an diesem Morgen leichtsinnig war, weiß er, "aber ich sehe das nicht verbissen".
Eine ältere Frau hat nicht den Polizisten, sondern nur die ihn begleitenden Beamtinnen in Zivil gesehen. Forsch geht sie auf diese zu: "Darf ich mal fragen, was Sie an den Autos hier machen?" "So viel Courage erlebt man nicht oft", meint Polizeisprecherin Jana Kindt und lobt die Dame für ihr aufmerksames Verhalten. Diese zeigt auf ihr eigenes Auto, dessen Innenraum wie eine gute Stube blitzt. Nicht mal eine Einkaufsmünze ist zu sehen.
Ein- und Zwei-Euro-Münzen in reichlicher Zahl schmücken dagegen das Cockpit eines Kleintransporters. Der Fahrer sagt, das sei das Trinkgeld von Kunden, die er beliefert habe. Dass schon wegen weit weniger Bargeld Autoscheiben eingeschlagen wurden, habe er zwar gehört. Aber hier, auf so einem großen Parkplatz und am hellerlichten Tag, habe er keine Bedenken.
16:38 Uhr
gelöschter Nutzer: @Ballfreund, falsch. "Vor 10 bis 15 Jahren": das war 1996 bis 2001. Wenn man in dieser Zeit seine Habe im Auto zurückließ, war sie genauso weg wie heute. Und es sind viele PKW-Einbrüche passiert. Mobiltelefone, ec-Karten, Notebooks. Kein Unterschied. Ich weiß wovon ich rede.
Als man seine Sachen noch hätte im Auto liegen lassen können - vor 1990 - gab es noch keine Mobiltelefone und Notebooks.
Ein PKW ist kein Safe. Die Versicherungen dürften einfach nicht mehr zahlen.
09:14 Uhr
Ballfreund: Erinnert an die Logik, dass das Vergewaltigungsopfer einen zu kurzen Rock getragen hat und letztlich am Übergriff selbst schuld war. Weshalb steigen denn derartige Delikte in den letzten Jahren massiv an? Warum konnte man noch vor 10 - 15 Jahren seine Utensilien einfach auf dem Beifahrersitz liegenlassen? Na, an was wird das wohl liegen?