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Chemnitz bildet Junglehrer aus
Vor gut zehn Jahren kam das Aus für die Pädagogenausbildung in Chemnitz - Lehrermangel sorgt für Wende
Chemnitz. Mit dem neuen Schuljahr kehrt überraschend ein Teil der Lehrerausbildung nach Chemnitz zurück. So beginnen hier im September 82 junge Pädagogen die letzte Etappe ihrer Lehrerausbildung, den Vorbereitungsdienst für den Schul-Einsatz. In Räumen des Berufsschulzentrums an der Lutherstraße nehmen 28 Grundschul- und 54 Gymnasiallehrer die zweijährige Phase auf, in der sie nach dem Abschluss ihres Studiums bereits vor Klassen unterrichten, aber immer noch einen Tag in der Woche selbst auf der Schulbank sitzen.
Für Ines Saborowski-Richter, Bildungspolitikerin der CDU-Landtagsfraktion aus Chemnitz, ist diese Entwicklung ein Durchbruch. Gegen viele Widerstände sei es gelungen, für Sachsens am dichtesten besiedelte Region wieder eine Möglichkeit zu schaffen, "dem eigenen Pädagogennachwuchs den letzten Schliff zu geben". Dies sei umso wichtiger, als die Lehrerausbildung in den beiden Großstädten Dresden und Leipzig konzentriert sei und sie bei der Werbung um Absolventen klare Vorteile haben. An der kurzfristig umgesetzten Initiative für die Junglehrer hätten die Stadt Chemnitz und die Sächsische Bildungsagentur mitgewirkt.
Chemnitz hatte vor 15 Jahren im Gerangel um die Lehrerausbildung in Sachsen den Kürzeren gezogen: Die TU Chemnitz durfte ab 1997 bereits keine Grundschullehrer mehr ausbilden und ab 1999 überhaupt keine Lehramtsstudenten mehr immatrikulieren, so die Universität. "Die Rückkehr der Referendarausbildung nach Chemnitz ist ein Riesenmeilenstein, um hier künftig wieder eine universitäre Pädagogenausbildung anzusiedeln", so Saborowski-Richter. Die Hoffnung darauf hätten weder Uni noch Stadt je aufgegeben.
Die Bedarfszahlen rechtfertigten nach Ansicht des CDU-Bildungsexperten Thomas Colditz zunächst eine weitere Aufstockung der Referendarausbildung. In Südwestsachsen würden bis 2020 allein rund 2000 Lehrer gebraucht. Eine Weiterbildung in Praktikumsschulen in unmittelbarer Nähe ihrer Einsatzorte "hilft der oft etwas stiefmütterlich behandelten Region" mit Chemnitz, Erzgebirge und Vogtland, so Colditz. Aufgrund großer Altersabgänge von Lehrern droht Sachsen bis 2020 "ein ausgeprägter Pädagogenmangel", erinnert die CDU im Landtag in einer Erklärung. Deshalb habe sie sich im Frühjahr dafür eingesetzt, die Zahl der Lehramtsanwärter im Freistaat zu erhöhen. In diesem Jahr traten 900 Referendare ihren 24-monatigen Vorbereitungsdienst in Sachsen an - 250 mehr als ursprünglich geplant.