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Foto: Matthias Hiekel/dpa

Das wilde Leben des Pegida-Häuptlings

Das Anti-Islam-Bündnis verfällt in seiner Zuwanderungskritik zunehmend auf rechtsextreme Klischees. Und der Anführer verliert das gutbürgerliche Image.

Von Oliver Hach
erschienen am 03.12.2014

Dresden. Die Adventszeit ist gekommen, und Lutz Bachmann kämpft um den Dresdner Christstollen. Der dürfe in Deutschland womöglich bald nicht mehr so heißen, befürchtet er. Sorgen macht sich der Gründer der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) neuerdings auch um Alte und Obdachlose. "Es gibt Rentner, die ihr Leben lang gearbeitet haben und sich an Weihnachten kaum ein Stück Stollen leisten können, die in kalten Wohnungen sitzen oder keinen Strom haben", spricht der 41-Jährige am Montagabend ins Mikrofon. Andere Menschen müssten hierzulande unter der Brücke leben. "Für diese werden keine Heime eingerichtet, geschweige denn über eine dezentrale Unterbringung mit Vollausstattung diskutiert."

Die Not von Rentnern und Obdachlosen wird gegen die Flüchtlinge ausgespielt. Bis zur NPD-Hetze gegen "Asylschnorrer" ist es da nicht mehr weit. Im Internet erklärt Lutz Bachmann zu zwei NPD-Regionalverbänden: "Gefällt mir!" Und sein Pegida-Bündnis bedient immer eindeutiger rechtsextreme Klischees.

Islam- und Fremdenangst haben in Dresden einen neuen Höhepunkt erreicht. 7500 Teilnehmer meldete die Polizei nach der jüngsten Demonstration. Darunter waren wieder viele Bürger aus der Mitte der Gesellschaft - rechtes Gedankengut scheint salonfähig geworden zu sein. Der vergangene Montag zeigte aber auch: Es ist ein ostdeutsches Phänomen. Im Westen, wo weitaus mehr Muslime und Migranten die Gesellschaft mitprägen, verebbte die Pegida-Welle. Zur Kagida-Premiere in Kassel kamen 80 Teilnehmer, aber 500 Gegendemonstranten. In Würzburg gingen im dritten Anlauf 30 Pegida-Anhänger auf die Straße - 200 Gegner blockierten den Marsch.

In Dresden indes folgten die Menschen erneut dem selbsternannten Retter des Abendlandes, der gerade sein gutbürgerliches Image einbüßt. Bachmann räumte inzwischen öffentlich seine kriminelle Vergangenheit ein: Eigentumsdelikte, Fahren ohne Führerschein, außerdem sei er "in Verbindung mit Betäubungsmitteln in Erscheinung getreten". Die "Sächsische Zeitung" recherchierte: Vor fünf Jahren wurde Bachmann mit Kokain erwischt - einmal mit 40 und ein weiteres Mal mit 54 Gramm. Dafür bekam er zwei Jahre Haft auf Bewährung. Zuvor war er Ende der 1990er-Jahre nach einer Serie von Auftragseinbrüchen für das Dresdner Rotlichtmilieu zu drei Jahren Haft verurteilt worden und nach Südafrika geflüchtet.

Nach drei Jahren Asyl im Ausland stellte er sich schließlich der sächsischen Justiz und saß einen Teil der Strafe ab. In Kapstadt habe er sich unter falschem Namen an einer Universität eingeschrieben, erklärte Bachmann gestern auf seiner Facebook-Seite. Selbst diesen Vorgang verklärt der Pegida-Chef noch im Sinne seiner neuen Bewegung. Als sein richtiger Name und Pass auftauchten, sei er aus Südafrika abgeschoben worden: "Dieses Land schiebt tatsächlich schnell und unbürokratisch ab und verschenkt keine Duldungen und Bleiberechte."

Doch der Druck auf ihn wächst offenbar. Am Montagabend verkündete Bachmann trotzig: "Ich bin austauschbar." Um der Sache zu dienen, werde er gern aus dem Rampenlicht zurücktreten. An den Zielen von Pegida werde das aber nichts ändern.

Sollte Bachmann die Führung abgeben, müssten aus dem "Orgateam" Leute wie Siegfried Däbritz aufs Podium. Der Betreiber einer Pension in Meißen, Mitglied der German Rifle Association, tritt im Internet als Waffennarr und Islamhasser auf. Muslime bezeichnet er als "mohammedanische Kamelwämser" oder "Schluchtenscheißer". Über die Kurden, die sich gegen den IS-Terror verteidigen, schreibt er: "Sie sind genauso eine große Gefahr für das zivilisierte Europa/Deutschland wie alle anderen Strömungen innerhalb der Mohammedaner." Däbritz outet sich gar als Israelfreund - aber "nicht, weil mich das schlechte Gewissen aufgrund des Schuldkultes bezogen auf die Jahre 1933-1945 plagt", sondern weil Israel "dem weltweiten heiligen Krieg der Mohammedaner entgegentritt".

 

 
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Kommentare
18
(Anmeldung erforderlich)
  • 11.01.2015
    09:02 Uhr

    vomdorf: also einer, der mal *böses* gemacht hat, bestraft wurde und seine strafe verbüst hat ist ein *immer-böser*. auf den darf man auf keinen fall hören.
    wie ist das nun mit uli hoeneß? der arbeitet als noch einsitzender straftäter in der jugendarbeit...natürlich nur tagsüber, weil er nachts noch einsitzt. das ist in ordnung?
    das zeigt mir nur, dass in diesem staat einiges faul ist, wenn nicht sogar oberfaul. und wenn man uns zum aufregen solche leute wie herrn bachmann *vorsetzt* gerät anderes natürlich in den hintergrund.

    0 1
     
  • 18.12.2014
    08:50 Uhr

    aussaugerges: Wieder eine andere Überschrift zum alten Text.
    Kein Wunder wenn diesich nicht mit der Presse unterhalten wollen.

    0 0
     
  • 16.12.2014
    16:06 Uhr

    aussaugerges: Falsch PeKa:in 50 Jahren(vor den offenenGrenzen) kamen nie so viel wie jetzt.
    Durch die von Jesus Christus geduldeten Anglo Amerikanischen Ölkriege, ist die Welt zum Blutbad geworden.
    Wissen sie nicht. Wikki 50 Millionen Tote...
    Wenn die Nato Kriege(auch Religonskriege) nicht gewesen
    wähern,gäbe es den Artikel nicht.
    Verstehen sie das da hilft kein beten mehr.! ! ! ! ! ! !

    0 0
     
  • 04.12.2014
    18:05 Uhr

    PeKa: "Zur Kagida-Premiere in Kassel kamen 80 Teilnehmer, aber 500 Gegendemonstranten. In Würzburg gingen im dritten Anlauf 30 Pegida-Anhänger auf die Straße - 200 Gegner blockierten den Marsch."
    Na da warte ich bloß noch auf den Moment, bis die Dresdner Pegida auch die "Wessis" zu Feinden und Zersetzern der abendländischen Kultur in Deutschland erklärt.

    7 3
     
  • 03.12.2014
    21:57 Uhr

    Chamser: @ Haecker: Das war sie unter 1. beschrieben haben, ist wirklich so. Für die meisten Namensänderungen oder sonstige Aktionen sind nicht die Ausländer bzw. speziell die Muslime verantwortlich, sondern rot/grüne Gutmenschen die meinen in deren Namen so handeln zu müssen. Das meinen sie aber auch nur und das dürfen wir nicht vergessen! Mir ist so ein ähnlicher Fall aus familiären Gründen aus Ba-Wü bekannt wo eine Schuldirektorin ein christlich geprägtes Fest abschaffen wollte um Muslime nicht zu verärgern. Die muslimischen Eltern selbst haben energisch dagegen protestiert weil sie gar nichts gegen dieses Fest hatten und auch dies schon gar nicht unter ihrem "Namen" geschehen sollte. Es war die grün angehauchte Direktorin die unnötig und grob fahrlässig hier Unfriede gestiftet hatte!

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