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Böses Erwachen für René Timmel im erzgebirgischen Reitzenhain.

Foto: B. März

Der Winter ist zurück, aber Skigebiete haben längst abgebaut

Schnee im April ist keine Seltenheit. Aber in diesen Massen schon. Dabei haben selbst Skifahrer keine Lust mehr auf Winter.

Von Gabi Thieme
erschienen am 18.04.2017

Chemnitz. Auf der höchsten Erhebung in Sachsen liegt wieder eine geschlossene Schneedecke mit bis zu 22 Zentimetern weißer Pracht. Das sei für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich, sagte Wetterwart Pitt Preiß. In den 1980er-Jahren habe in vier Jahren bis Mai durchgehend Schnee gelegen. Auch 1992 und 2006 war das so. 2017 sei nur insofern besonders, dass der Schnee schon weggetaut war und es vor reichlich einer Woche mit 16 Grad Celsius den wärmsten 10. April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf dem Fichtelberg gab. Am Dienstag war es genau 20 Grad kälter.

Auch in anderen Kammlagen von Erzgebirge und Vogtland trauten Einheimische und Osterurlauber am Dienstag ihren Augen nicht. Die meisten Feriengäste waren mit Sommerrädern angereist und kamen nicht mal bis ins nächste Museum.

Obwohl in Sachsen noch Osterferien sind und es weiter kalt bleiben soll, werden die Verantwortlichen nirgendwo in Sachsen noch einmal die Lifte starten. Das ergab eine Umfrage der "Freien Presse". Aufwand, Nutzen und Nachfrage stünden in keinem Verhältnis, hieß es.

Am 1215 Meter hohen Fichtelberg war am 2. April Saisonende. Die Gehänge aller Schlepplifte sind entfernt, auch alle Sicherheitseinrichtungen am Hang wurden bereits demontiert. Die Vierersesselbahn wird gerade einer Frühjahrskur unterzogen. Ab nächster Woche pausiert aus dem gleichen Grund die Schwebebahn. Mit 120 Skitagen und 260.000 Gästen ist Geschäftsführer René Lötzsch zufrieden. Im Winter davor beförderte er 56.000 Skifans weniger. 1,8 Millionen Fahrten stehen für alle sechs Anlagen zu Buche - genug für weitere Rücklagen, die investiert werden sollen: an der Himmelsleiter und am Haupthang.

Am benachbarten 1244 Meter hohen Keilberg/Klinovec in Böhmen drehten sich bis Ostermontag die Lifte am Nordhang. Seit Dienstag stehen sie still. Die Betreiber wollen aber für das kommende Wochenende noch mal zwei Pisten präparieren und Skifahren möglich machen.

"Wir stellen bereits seit einigen Jahren fest, dass schon Anfang März das Interesse merklich nachlässt", ist dagegen die Erfahrung von Christoph Beetz vom Skiclub Carlsfeld. Seit 1. April sei er wieder ein Ein-Mann-Betrieb, die Verträge für alle Saisonkräfte sind ausgelaufen. Es würde enormen Aufwand bereiten, den Hang neu zu präparieren und Liftpersonal ranzuholen. "Das rechnet sich nicht. Wir können uns mit 70 Skitagen gerade so über eine schwarze Null nach dieser Saison freuen", sagt Beetz. "Hätten wir noch so einen Winter wie die vorherigen erlebt, hätte es in Carlsfeld keinen Wintersportbetrieb mehr gegeben", beschreibt der Vereinschef die wirtschaftliche Lage. Von einem Rekordjahr wie 1998 mit 150 Skitagen von Mitte November bis 11. April sei man weit entfernt. Was den Osterurlaubern und einheimischen Ferienkindern aber bleibt: Sie können den Hang zum Rodeln nutzen.

Das gilt auch für das benachbarte Eibenstock, wo am Adlerfelsen die Allwetterbobbahn geöffnet ist. Auch der im Dezember 2015 gestartete Sessellift dreht sich ganzjährig. "Aber es will niemand mehr skifahren. Die Leute sehnen sich nach Wärme und Sonne", sagt Geschäftsführer Michael Uhlmann. Die von seiner Familie betriebene Erlebniswelt biete bereits das Gros des Sommerprogramms: mit Irrgarten, Reifenrutsche, Bobbahn und Murmelwald. "Wer um diese Jahreszeit noch skifahren will, reist in schneesicherere Gebiete der Alpen", ist Uhlmanns Erfahrung. Er freut sich, dass seine Skiarena diesen Winter mit 50.0000 Gästen einen Rekord verbuchen konnte. Das war ein Viertel mehr als im Jahr davor. 94 Skitage seien ein "zufriedenstellendes Ergebnis". In Holzhau im Osterzgebirge, wo Alexander Richter im Skigebiet dafür bekannt ist, dass er auch kurzfristig viel möglich macht, reicht der Neuschnee nicht, die Piste noch einmal herzurichten. "Aber unsere Schlittenausleihe ist geöffnet. Einer zünftigen Rodelpartie steht nichts im Weg", sagt Richter.

Auch in Augustusburg, auf Rost's Wiesen, bleibt Feriengästen nur diese Alternative. "Bei Nachfrage beräumen wir auch die Sommerrodelbahn", verspricht Geschäftsführer Uwe Schreier. "Alles andere wäre völliger Irrsinn und Geldverschwendung." 110 Skitage und 270.000 Gäste stünden zu Buche. Gemessen am besten Winter mit 560.000 Wintersportlern "kein Spitzenwinter", sagt Schreier. Er und seine vielen Helfer sind aber stolz, dass erstmals Langläufer in Scharen angelockt werden konnten. "Die bringen uns zwar kein Geld in die Kasse, sondern verursachen Kosten. Aber für das Image der Stadt war die Erweiterung der Angebote ein großes Plus."

Im Vogtland spricht Bärbel Borchert vom Tourismusverband von "einem Winter, der der Region wieder einmal richtig guttat". Zahlen für das erste Quartal lägen noch nicht vor. Aber: Im Januar, der noch kein Ferienmonat war, gab es bei Übernachtungen ein Plus von 13,7 und bei Gästen von 14,2 Prozent.

 

 
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