Foto: dapd

Die Angst ist allgegenwärtig

Junge Eltern besorgt - mehr Fragen zum plötzlichen Kindstod

Dresden. Die Diskussion um den "geheimnisvollen" Tod ist neu entfacht - auch in Sachsen. Seit dem Tod des kleinen Sohnes von Schauspieler Hardy Krüger jr. verzeichnet die Babyhilfe Deutschland mit Sitz in Dresden deutlich mehr Anrufe von besorgten Müttern.

"Es ist nun mal so, wenn Prominente einen solchen Schicksalsschlag erleiden, hören mehr hin", sagt Dr. Ekkehart Paditz, Vorsitzender des Vereins Babyhilfe. Der Dresdner Mediziner beschäftigt sich seit Jahren mit dem plötzlichen Kindstod, der auch unter dem Namen SID, (Abkürzung aus dem Englischen: "Sudden Infant Death Syndrome") bekannt ist.

Natürlich wollen Mütter wissen, ob der Tod vermeidbar ist. Doch es gibt kein Allheilmittel. Und die Suche nach Gründen ist vielschichtig. Wissenschaftler der Uni Gießen und des Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie in Berlin ließen kürzlich wissen, dass eine hoch eiweißreiche Ernährung während der Schwangerschaft und der Stillzeit möglicherweise den Tod auslösen könnte. Ein Versuch mit Mäusen hätte dies gezeigt. Demnach erhielten trächtige sowie stillende Tiere teils normale, teils stark proteinhaltige Nahrung. Die Nachkommen der Mäuse, die den hohen Eiweißanteilgefressen haben, hätten ein deutlich geringeres Körpergewicht gehabt als die anderen. Zudem wären in der Gruppe der stillenden Mäuse mit stark proteinhaltigem Futter deutlich mehr Sprösslinge plötzlich gestorben. Schwangere und stillende Frauen sollten demnach proteinreiche Diäten meiden.

Risiken sind bekannt

Paditz kennt die Forschungsergebnisse und ist nicht überzeugt. Bei dem Experiment sei eine sehr hochprozentige proteinreiche Kost verabreicht worden, die kaum ein Mensch zu sich nehme. Außerdem warnt er: "Die Übertragbarkeit von einzelnen Tierexperimenten auf den Menschen ist mit zahlreichen Fragezeichen verbunden."

Der Tod kommt über Nacht und ohne jedes Vorzeichen. Keiner kann 100-prozentig sagen warum. Doch Risiken, die zum Tod führen, sind bekannt und wissenschaftlich untermauert. "Und sie lassen sich mit einfachen Regeln mindern", weiß Paditz. Deshalb werden er und seine Mitstreiter nicht müde, Verhaltensmuster unter die Leute zu bringen, nicht nur in Sachsen. Der Säugling sollte ordentlich "eingesackt" werden, sagen sie.

Sprich: Die Winzlinge gehören in einen Schlafsack, in Rückenlage und in eine rauchfreie Umgebung. Wichtig sei, dass man über den Schlafsack nicht noch eine Decke lege. Durch das Überdecken des Körpers steige das SID-Risiko um das 36-fache. Auch ein "Überwärmen" kann schwere Folgen haben. Studien belegen, dass der Großteil des Wärmeaustausches über die Kopf- und Gesichtshaut erfolgt. Ist dies nicht möglich, weil das Kind zu dick eingemummelt ist, kann es tödliche Folgen haben. Gerade bei Temperaturschwankungen, wie sie derzeit sogar im Laufe nur eines Tages vorkommen, wächst die Gefahr.

Wenn es um den gefürchteten Tod geht, sind oft Impfungen in der Diskussion. Nein, nicht gegen den Tod, die gibt es nicht. Es geht darum, ob Impfungen gegen Infekte im Kampf gegen den plötzlichen Tod helfen. "Mittlerweile gibt es gesicherte Erkenntnisse, dass geimpfte Kinder ein geringeres Risiko haben", versichert Paditz. Doch auch so manches Laster werdender Mütter und der Familienmitglieder kann dem Baby das Leben kosten. Raucherinnen schaden schon ihrem Ungeborenen, denn es raucht mit. Je nach Dosis liegt das Risiko, dass diese Kinder den plötzlichen Tod erleiden, um das 8- bis 16-fache höher als bei Nichtraucherinnen.

Ursachenforschung wichtig

Die Prävention hat mit den Jahren Früchte getragen. Starben in Sachsen 1992 noch 21 Mädchen und Jungen im ersten Lebensjahr, waren es 2009 elf, deutschlandweit 196. Wenn ein plötzlicher Kindstod diagnostiziert werde, sollten sich die Eltern nicht einfach abfinden, meint Ekkehart Paditz. Auch wenn es schwer falle: Mit einer Autopsie sollte zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, dass die Todesursache keine andere war. "Das ist auch wichtig für Geschwister und die Kinder, die später in der Familie geboren werden. Denn gibt es Anzeichen einer anderen Krankheit, kann für den nächsten Nachwuchs eventuell vorgebeugt werden."

 
erschienen am 19.07.2011 ( Von Renate Färber )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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