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Dresden-Requiem soll versöhnen und Mut machen

"Ode für den Frieden" erinnert an Zerstörung Dresdens - Uraufführung in der Frauenkirche

Dresden (dapd-lsc). Lera Auerbach ist aufgeregt. "Das ist ein herausragender Moment in meinem Leben", sagt die 38-jährige New Yorkerin. Ihr Dresden-Requiem "Ode an den Frieden" wird am Samstag (11. Februar) in der Frauenkirche uraufgeführt. "Ich weiß ja, welche Bedeutung die Zerstörung ihrer Stadt für die Dresdner hat. Und wie sie bis heute täglich damit konfrontiert werden."

Die Dresdner Innenstadt war am 13. Februar 1945 bei Luftangriffen von Briten und US-Amerikanern fast komplett zerstört worden. Die Frauenkirche, von der nur Ruinenfragmente erhalten blieben und deren Neubau 2006 geweiht wurde, wurde zum Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung.

In ihrem Werk verknüpft Auerbach Kriegserinnerung und Versöhnungshoffnung. Es sei das erste Mal, dass ein Werk westlicher Musik Elemente aller fünf Weltreligionen enthalte, sagt die gebürtige Russin jüdischer Herkunft. So ergänzt die Komponistin ein Requiem, also eine lateinische Totenmesse, mit jüdischen, islamischen, hinduistischen und buddhistischen Gebeten.

Das Kyrie, die Bitte um Erbarmen, wird in vierzig verschiedenen Sprachen gesungen. Auch das Gebet eines New Yorker Feuerwehrkaplans und Opfers des Terroranschlags am 11. September 2001, nahm Auerbach in ihr Requiem auf. Ebenso integrierte sie ein Dresdner Gedicht zur Glockenweihe der Frauenkirche von 2003 in ihre 18-sätzige Partitur.

Bei dem Konzert in der Frauenkirche sowie am Montag und Dienstag (13. und 14. Februar) in der Semperoper werden tragende Rollen von Künstlern aus Ländern übernommen, die im Zweiten Weltkrieg Deutschlands Kriegsgegner waren: Countertenor Maarten Engeltjes kommt aus den Niederlanden, der Bariton Mark Stone aus Großbritannien. Auch zwei Knabenchöre, der St. Paul's Cathedral Choir aus London, und der Saint Thomas Choir of Boys aus New York, singen mit. Die Sächsische Staatskappelle wird bei diesem Werk von dem russischen Dirigenten Vladimir Jurowski geleitet.

Mit dem Orchester hat die New Yorker Komponistin bisher "sehr harmonische Erfahrungen" gemacht, wie sie sagt. Seit August ist sie für ein Jahr als "Capell-Compositrice" für die Dresdner Semperoper tätig.

Auerbach, die 1973 in Tscheljabinsk im russischen Ural geboren wurde, hatte bereits als 12-Jährige ihre erste Oper komponiert. Bei einer Konzertreise als Pianistin durch die USA 1991 entschied sie sich, nicht in ihre Heimat zurückzukehren. Stattdessen studierte sie Klavier und Komposition sowie Literaturwissenschaft in New York. 2002 machte sie ein zusätzliches Konzertexamen an der Musikhochschule Hannover. Im gleichen Jahr trat sie zum ersten Mal in der New Yorker Carnegie Hall auf.

Die Komposition für Dresden ist inzwischen ihr drittes Requiem. Bereits 2006 entstand ihr "Requiem für einen Dichter", ein Jahr später ein "russisches Requiem". In ihrem Jahr als "Sonderkomponistin" für die Sächsische Staatskapelle stellt das Dresden-Requiem aus ihrer Sicht den Höhepunkt dar. "Ich habe beim Komponieren nicht nur an die Vergangenheit gedacht", sagt Auerbach. "Ich möchte auch Mut machen, dass aktuelle Konflikte lösbar sind. Was in der Musik möglich ist, muss auch für das reale Leben gelten."

dapd

 
erschienen am 09.02.2012
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