Eine leuchtend blau angemalte Verkehrsinsel auf dem Pirnaischen Platz in der Innenstadt verursacht heftige Diskussionen in der sächsischen Landeshauptstadt. Foto: dapd
Dresdner Verkehrsinsel wird zum Kunstwerk
Stadt ließ Fleck blau anmalen - Erste Bürger verschönern "See" mit Gummienten und sonnen sich dort
Dresden (dapd-lsc). Sie ist azurblau, 340 Quadratmeter groß und spaltet die Dresdner Bevölkerung: Eine leuchtend blau angemalte Verkehrsinsel auf dem Pirnaischen Platz in der Innenstadt verursacht heftige Diskussionen in der sächsischen Landeshauptstadt. Nur wenige Tage nachdem der Fleck seine Farbe erhielt, gründeten sich Facebook-Gruppen, Zeitungen starteten Umfragen zur Farbgebung und Bürger hübschten den Platz mit im Blau "schwimmenden" Quietscheenten und Tonfröschen auf.
Der blaue Fleck, zweigeteilt durch Straßenbahngleise, entstand Anfang Mai. Nach etwa einem Jahr Bauzeit erstrahlte der Platz in der Nähe des Neumarkts in neuem Glanz - mit der leuchtend blauen Verkehrsinsel in der Mitte. Nach Angaben von Karl Schuricht vom Presseamt der Stadt Dresden war die blaue Farbe eine Idee des Stadtplanungsamtes. Mit der Farbe sollte daran erinnert werden, dass sich Hunderte Jahre zuvor an gleicher Stelle eine Sumpflandschaft mit Seen befand. Nebeneffekt sei, dass sich die Farbe von der Umgebung abhebe und damit die Verkehrssicherheit verbessere.
Den Einfallsreichtum der Dresdner Bürger hatte die Stadt jedoch nicht vorhergesehen. Bereits wenige Tage nach der Einfärbung ernannten einige Menschen die meerblaue Verkehrsinsel zum Urlaubsparadies: Im Internet finden sich zahlreiche Fotos von Menschen in Tauchausrüstung und auf Handtüchern, die auf der Insel in der Sonne baden und "schwimmen". Die "Sächsische Zeitung" bezeichnete die Insel gar als "Costa del Sol", auf der die Dresdner im Schlauchboot "Staubfische angeln" könnten.
Im Hintergrund der Fotos sind immer die teilweise jahrzehntealten Hochhäuser zu sehen, die den Platz umschließen. Entspannendes Meeresrauschen können die Stadturlauber auch nicht erwarten. Nach Angaben der Dresdner Verkehrsbetriebe fahren an Werktagen pro Stunde etwa 90 Straßenbahnen und Busse über den Verkehrsknotenpunkt. 42.000 Menschen steigen ein oder aus. Zehntausende weitere Fahrzeuge queren die Kreuzung. Aufgrund der schlecht einsehbaren Verkehrslage und der teilweise hohen Geschwindigkeiten der Autos wird ausdrücklich vor dem Betreten des Platzes gewarnt.
Allerdings stößt die Stadt mit der blauen Farbe nicht überall auf Gegenliebe. Einer Umfrage der "Sächsischen Zeitung" zufolge missbilligen fast 53 Prozent der 2.800 Teilnehmer die farbenfrohe Insel. Nach Informationen der Zeitung wollen einige Dresdner eine Bürgerinitiative gegen die Farbe des Flecks starten. Die Stadt erklärt, diese könne jederzeit wieder geändert werden. Erst einmal soll die 7.300 Euro teure Verkehrsinsel aber blau bleiben. "Die Reaktionen sind bislang eher positiv", berichtet Schuricht.
Der Sprecher betont, dass es sich bei dem Platz ausdrücklich nicht um Kunst im öffentlich Raum handelt. Einige Dresdner interessiert das aber herzlich wenig. Auf Facebook engagieren sich fast 400 Menschen in der Gruppe "Stellt Gummienten auf den blauen Fleck am Pirnaischen Platz in Dresden". Dort sind alle Teilnehmer aufgerufen, am kommenden Samstag (14. Mai) um 11.00 Uhr ihre Plastiktiere mitzubringen und freizulassen.
Die Mitglieder beschweren sich zudem, dass die zahlreichen bisher aufgestellten Enten regelmäßig geklaut werden. Von wem, ist unklar. Die Stadt will damit nichts zu tun haben. "Sollten sich dort Gummienten ansiedeln, haben wir nichts dagegen", sagt Schuricht. Die Tiere könnten sich dort gerne aufhalten.
dapd