Das hat Elsterberg noch nicht erlebt: 2000 Demonstranten zogen am Sonntag vom Enka-Werkstor zum Markt. Die Stadt zeigte Flagge, der Kampf um den Erhalt des Betriebes ist noch nicht verloren.
Foto: Ellen Liebner
Elsterberg wehrt sich: 2000 Demonstranten fordern Enka-Erhalt
Friedlicher Protestzug bewegt sich vom Werkstor zum Markt - Redner üben harte Kritik an Eigentümern
Elsterberg. Elsterberg wehrt sich gegen die Schließung des Viskosegarnherstellers Enka. Ein beeindruckender Demonstrationszug mit etwa 2000 Teilnehmern hat sich am Sonntagnachmittag vom Werkstor auf den Weg in Richtung Markt aufgemacht. Dort riefen die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und weitere Redner zum Widerstand gegen die von den Eigentümern besiegelte Schließung des Betriebes per 30. Juni auf.
Vom Balkon des Rathauses sprachen Gewerkschaftsfunktionäre und Elsterbergs Bürgermeister Volker Jenennchen (Freie Wähler). Ursprünglich wollten zum Frauentag nur Frauen mit ihren Kindern gegen die Schließung protestieren, doch das wäre zu wenig gewesen angesichts der drohenden Katastrophe für die Stadt, erklärte Vertrauensfrau Daniela Kieselbach. Den Dominoeffekt der Werksschließung mit Auswirkungen auf Bäcker, Fleischer, Frisöre und diverse andere Handwerker malte Jenennchen plastisch aus.
Die IG BCE-Funktionärin Petra Reinbold-Knape bezeichnete die Handlungsweise der Enka-Eigentümer als "Finanzgebaren einer Heuschrecke", die hier nicht gebraucht werde. Als sie hingegen den ehemaligen, vor knapp zwei Jahren in Vorruhestand gegangenen Betriebschef Gerhard Thutewohl begrüßte, brach Jubel aus, begleitet von "Gerhard, Gerhard"-Rufen. Sie würdigte auch das Engagement von Bundestagsabgeordneten und von Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD).
Weniger gut kam der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther weg. Er hatte nach einem Brief von der Enka-Führung in Wuppertal keine Chance für den Fortbestand des Werkes mehr gesehen und dies unsensibel in die Öffentlichkeit hinausgepoltert. Stefan Kademann von der IG Metall in Zwickau rief: "Bei der parteiübergreifenden Solidarität sind fast alle auf unserer Seite. Nur einer hat schon aufgegeben - Herr Günther von der FDP. Das ist der politische Arm der Heuschrecken."
Betriebsratschef Klaus Wirth rief zum Kampf auf. Das Werk schreibe schwarze Zahlen, produziere Spitzenqualität und sei topsaniert, zu 90 Prozent mit Fördermitteln von den Steuerzahlern finanziert, nicht von den Eigentümern. Wenn es schließt, würden auf alle Elsterberger hohe Kosten zukommen: Stadt und Enka betreiben gemeinsam ein Klärwerk.
Nach der Kundgebung unterschrieben viele Teilnehmer die Listen der IG BCE, auf denen der Erhalt des Enka-Werkes in Elsterberg gefordert wird.
Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU) aus Reichenbach sagte: "Wir sind ein Städteverbund, deshalb bin ich hier. Es kann morgen genauso einen Betrieb aus Reichenbach treffen, dann wären wir froh, wenn andere uns den Rücken stärken." Seine Städteverbund-Kollegen aus Greiz, Netzschkau und Mylau wurden nicht gesehen.