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Jugendklub Der Jugendklub an der Dorotheenstraße ist nach einem Brandanschlag zerstört - die Mitglieder der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung wollen das Vereinsheim wieder aufbauen.

Foto: Andreas Seidel

Erste Konsequenzen nach Brandanschlag auf Jugendklub

Situation in Limbach-Oberfrohna am Wochenende eskaliert

Von Katrin Steneberg (mit SO)
erschienen am 14.11.2010

Limbach-Oberfrohn. Limbach-Oberfrohna. Von dem Jugendklub an der Dorotheenstraße in Limbach-Oberfrohna ist nicht viel übrig: In der Nacht zum Samstag ist auf das Vereinsheim der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung ein Brandanschlag verübt worden. Laut Polizei schlugen die Täter eine Fensterscheibe ein und zündeten in den Räumen mehrere Gegenstände an. Ein 20 Quadratmeter großer Raum brannte völlig aus, verletzt wurde niemand. Wegen starker Rauchentwicklung mussten vier Personen aus dem Nachbarhaus evakuiert werden.

Ob die Brandstifter der rechten Szene zuzuordnen sind, hat die Polizei bisher nicht bestätigt. Das Motiv der Tat sei gegenwärtig unklar, sagte eine Sprecherin. Noch in der Nacht des Brandes hatten die Ermittler 13 Tatverdächtige im Alter von 16 bis 38 Jahren festgenommen, sie am Samstag aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen hat der Staatsschutz übernommen. Bereits vor dem Brandanschlag war es laut Polizei auf der Helenenstraße zu einer Auseinandersetzung zwischen rechten und linken Jugendlichen gekommen, bei der ein Beteiligter verletzt wurde. Ob ein Zusammenhang zwischen der Schlägerei und der Brandstiftung besteht, sei ebenfalls unklar, so die Polizei.

Zeugen und die Opferberatung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt in Chemnitz machen dagegen Rechtsextreme für den Brandanschlag verantwortlich. "Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Tätern um Neonazis handelt", sagte Andre Löscher von der Opferberatungsstelle. Damit sei eine neue Stufe rechter Gewalt in Limbach-Oberfrohna erreicht. Das Vereinsdomizil an der Dorotheenstraße war schon mehrfach Ziel von Übergriffen. "So schlimm war es allerdings noch nie", sagte Vereinschef Moritz Thielicke. Er berichtete von mehreren Drohungen und Beschimpfungen, die bei der Auseinandersetzung am Freitagabend von "bekannten Nationalisten" gegen die alternativen Jugendlichen ausgesprochen worden seien. Den Jugendclub wollen die Vereinsmitglieder wieder aufbauen.

Von der Stadtverwaltung, mit der die Jugendlichen am Samstag bereits ein Gespräch hatten, verlangt der Vereinschef eine eindeutige Stellungnahme. "Sie muss anerkennen, dass es in Limbach-Oberfrohna ein rechtes Problem gibt", so Thielicke. Das mag Hauptamtsleiter Dietrich Oberschelp aber nicht sagen. "Wir wissen nicht, wer die Straftaten begannen hat. Wir müssen die Ermittlungen abwarten", so Oberschelp. Die Stadt verurteile diese politisch motivierten Straftaten auf das Schärfste. "Wir sind empört und erschüttert, dass es zu dieser Eskalation der Gewalt kam." Als erste Präventivmaßnahme habe die Stadt den Jugendklub Eastside an der Albert-Einstein-Straße geschlossen. Es sei nicht auszuschließen, dass Brandstifter möglicherweise von dem Jugendklub aus losgezogen sind, erklärte Oberschelp. In dem Jugendklub seien bereits mehrfach Hausverbote für rechtsgesinnte Jugendliche ausgesprochen worden. Sobald detailliertere Erkenntnisse vorliegen, werde die Stadt über weitere Schritte entscheiden.

Linke und Grüne verlangten ebenfalls ein Bekenntnis. "Protagonisten der Stadtpolitik leugneten konsequent, dass es ein rechtes Problem gibt", hieß es in einer Erklärung der Linken. Für den Rechtsextremismus-Experten der Bündnisgrünen im sächsischen Landtag, Miro Jennerjahn, kommt der Anschlag nicht überraschend. "Seit langem ist bekannt, dass es in Limbach-Oberfrohna eine massive rechtsextreme Szene gibt", sagte er. Hauptamtsleiter Oberschelp entgegnete, die Stadt habe nicht weggeschaut. Im Präventiven Rat werde das Problem angesprochen und beraten.

Die Bewohner aus dem Nachbarhaus sind mit dem Schrecken davongekommen. "Meine Frau hat mich geweckt, weil sie Brandgeruch wahrgenommen hat. Gleich darauf wurden wir evakuiert", sagte Wolfgang Weise. Er und seine Frau haben ungefähr eine Stunde im Freien gewartet, bis der Brand gelöscht war. Mit den Nachbarn hatte er bisher kaum Kontakt. "Als sie eingezogen sind, haben sie sich mit einem kleinen Präsent vorgestellt. Sonst haben wir uns nur über den Zaun gegrüßt", sagte er.

 
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