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Experten fordern "Kern-Abitur" statt Bildungs-Kleinstaaterei
Sachsens Kultusminister ist erfreut, aber skeptisch
München/Dresden. Bis 2018 sollte es in Deutschland eine einheitliche schriftliche Abitur-Prüfung in den Schulfächern Deutsch, Mathematik und Englisch geben. Das hat am Mittwoch der Aktionsrat Bildung gefordert. Das von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft initiierte Expertengremium stellte in München ein Gutachten über Möglichkeiten vor, Leistungen von Schülern aus unterschiedlichen Bundesländern besser vergleichbar zu machen. So soll mehr Chancengleichheit beim Hochschulzugang erreicht werden.
Zusätzlich zu den bestehenden Abi-Prüfungen sollen bundesweit am gleichen Tag drei schriftliche Prüfungen in den genannten Kernfächern abgehalten werden, deren Ergebnis zehn Prozent der Abiturnote ausmache, fordert der Aktionsrat. Ein solches "Kern-Abitur" stelle "nationale Bildungsstandards" sicher, sagte der Vorsitzende des Gremiums, der Hamburger Universitätspräsident Dieter Lenzen. Der Rat empfiehlt den Bundesländern, die Einführung eines Kern-Abiturs 2012 per Staatsvertrag zu besiegeln.
Das Anliegen, Vergleichbarkeit herzustellen, begrüßte Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) am Mittwoch, doch mahnte er, die Umsetzbarkeit der Vorschläge zu prüfen. Sachsen drängt seit Jahren darauf, das Abitur bundesweit zu vereinheitlichen. Sachsens Bildungssystem gilt als wegweisend, das Reifezeugnis im Freistaat aber zugleich als besonders schwer, was hiesige Abiturienten bei Studiengängen mit Notenschnitt-Beschränkung benachteiligt. Wöller verweist auf die Kooperation mit sieben weiteren Bundesländern. Drei Arbeitsgruppen arbeiteten derzeit "unter Hochdruck" an einheitlichen Prüfkriterien für die genannten drei Kernfächer, so Wöller.
Doch sieht die Kooperation mit Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein keine Zusatzprüfungen neben denen der Länder vor. Vielmehr sollen deren Prüfungen selbst vereinheitlicht werden. Vor dem Hintergrund kritisierte am Mittwoch Sachsens Lehrerverband die Vorschläge des Aktionsrats. Man könne sie als "Schrittchen in die richtige Richtung" sehen, sagte Verbandschef Jens Weichelt, aber auch als "Notlösung, weil sich die Mehrheit der Bundesländer vehement gegen ein bundesweites Zentral-Abitur sperrt".