Grossolbersdorf: Geburten gehen zurück

Erstes Halbjahr von 2012 zählt weniger Babies als in den Vorjahren

Grossolbersdorf. Sorgenvoll hat der Großolbersdorfer Bürgermeister Henry Freund in der jüngsten Ratssitzung auf einen Zettel in seiner Hand geschaut. Dort stand die Zahl, die weder ihn noch die Gemeinderäte erfreute: Nur drei Kinder kamen im ersten Halbjahr als Einwohner der Gemeinde Großolbersdorf auf die Welt. "Manchmal hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon mehr als doppelt so viele", sagte Freund.

Gleichzeitig sprach er auch von einem Lichtblick: Vom 1. Juli 2011 bis 30. Juni 2012 wurden in der Kommune 17 Mädchen und Jungen geboren. Damit sei wieder die Bildung einer Grundschulklasse für die Großolbersdorfer Einrichtung gesichert. Mindestens 15 Anmeldungen bedarf es dazu.

Zschopau: Zunächst keinen Grund zur Sorge sieht der Leiter des Zschopauer Rechts-, Sicherheits- und Ordnungsamtes, Wilfried Leibling, im Hinblick auf den Bestand der beiden Grundschulen in der Stadt. Bis Ende Juni wurden 34 Neuankömmlinge gemeldet. 2011 waren es insgesamt 83 - im Jahr davor 75. "Die Geburtenzahlen sind keine sichere Grundlage für die Bildung künftiger Klassen, da kann es noch Zu- und Wegzüge geben", sagt Leibling.

Gornau: Fällt die Zahl der Neugeborenen für das zweite Halbjahr ähnlich wie im ersten aus, könnte Gornau dagegen am Jahresende mit mehr als 40 Geburten herausstechen. Bis 30. Juni wurden in der Gemeinde 21 neue Erdenbürger gezählt (2011: 37, 2010: 24). "Ich freue mich und bin glücklich über die vielen Geburten", sagte Bürgermeisterin Johanna Vogler (CDU) am Montag. Als einen Grund für die Entwicklung gegen den Trend nennt sie die "sehr gute Infrastruktur" in der Gemeinde: "Wir haben die Krippen in den Kindertagesstätten ausgebaut, Kapazitäten erhöht." Johanna Vogler spricht ebenso von Zuzügen junger Familien, die in Gornau ein Haus bauen: "Auch 2012 wollen viele einen Bauantrag stellen oder ziehen bereits zu uns. Gornau ist eine gefragte Wohngegend." Nicht gedeckt werden könne etwa die Nachfrage nach Vier-Raum-Wohnungen.

Amtsberg: Nicht ganz so düster wie in Großolbersdorf, aber trotzdem mager sieht es in Amtsberg aus. Erst sechs Neugeborene wurden bis Ende des Vormonats im Rathaus gemeldet. Doppelt so viele waren es im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bürgermeister Sylvio Krause rechnet für 2012 mit 20 Geburten (2011: 29). Für ist das keine Überraschung. Er schaue schon länger auf die niedrigen Geburtenraten von Anfang der 1990er-Jahre. "Kinder die damals nicht geboren wurden, können heute auch keine bekommen", erklärt er. 1994, in dem Jahr mit den wenigsten Geburten in Sachsen nach der Wende, wurden in Amtsberg 15 Kinder gezählt. "Für die nächsten Jahre werden wir mit zurückgehenden Geburten- und Einwohnerzahlen rechnen müssen, es sei denn, Gemeinden gleichen das durch Zuzüge aus." Konsequenzen für die zwei kommunalen Tagesstätten sowie die Grundschule werde es nicht geben. "Die Kitas sind derzeit ausgelastet, weniger Geburten bedeuten da auch eine Entlastung." Es wäre allerdings Unsinn gewesen, hätte die Gemeinde in den vergangenen Jahren die Krippenbereiche vergrößert.

Drebach: Nach zwei Jahren mit vielen Geburten gibt es in Drebach einen Knick. Kamen 2010 64 und 2011 49 Mädchen und Jungen auf die Welt, waren es bis Ende Juni lediglich 16. Hauptamtsleiterin Kathrin Sieber rechnet damit, dass sich die sinkende Geburtenrate - auch sie sieht den Grund dafür im Geburtenknick nach der Wende - ab 2015 in den Tagesstätten bemerkbar macht. "Dann werden weniger Kinder die Einrichtungen besuchen." Durch den Zuzug junger Familien könnte es wieder mehr Kinder geben. "Dafür sind Erschließungsgebiete da." So sei etwa im Venusberger Wohngebiet "Erlengrund" genügend Baufläche vorhanden.

 
erschienen am 09.07.2012 ( Von Sandra Häfner )
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