Pendler-Parkplatz an der alten Straße nach Niederwürschnitz nahe der Anschlussstelle Stollberg West der A 72.Foto: Wolfgang Thieme (Archiv)
Hoffnung für Pendler-Parker entlang der Autobahnen
Pendeln zur Arbeit bleibt Dauerthema - Bau von Mitfahrparkplätzen wird gefördert
Chemnitz. Der Oberbürgermeister von Reichenbach im Vogtland, Dieter Kießling (CDU), ist ziemlich ungehalten. Denn dass Sachsen jetzt plötzlich Pendler- oder, wie es offiziell heißt, Mitfahrparkplätze fördert, wusste er bislang nicht. Dabei kennt er das Problem von der nahen Anschlussstelle Reichenbach der A 72 nur zu gut. Jeden Tag stellen dort an möglichen und unmöglichen Stellen Berufstätige ihre Autos ab, um Fahrgemeinschaften zu bilden. So, wie beispielsweise auch an den Anschlussstellen Stollberg-West und Pirk der A 72 oder entlang der A 4.
Vor wenigen Tagen vollzog Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) im Landkreis Bautzen an der A 4 den Startschuss für den Bau von Pendlerparkplätzen. Für die ersten beiden Anlagen bei Burkau und Ohorn brachte er die Fördermittel gleich mit: in der Summe 422.000 Euro. 90 Prozent der Kosten werden damit gedeckt. Weshalb gerade Ostsachsen Geld bekommt, begründet Morlok so: "Der Landrat dort ist halt clever. Gemeinsam mit den Kommunen wurden nicht nur Forderungen aufgemacht, sondern auch die Vorarbeiten geleistet." Für beide Parkplätze bestehe Baurecht. Wenn andere Regionen diesem Beispiel folgten, könnten auch sie in den Genuss der 90-prozentigen Förderung kommen. Die Anträge müssten über die Landesdirektion gestellt werden.
Reichenbach sucht die Offensive
Im Direktionsbezirk Chemnitz ist davon noch nicht viel angekommen. Der Reichenbacher Stadtchef will den Minister nun beim Wort nehmen. "Wir erschließen nahe an der A 72 ab Sommer einen weiteren Bereich für unser großes Industrie- und Gewerbegebiet. Dort könnte man auch Pendlerparkplätze anlegen, wenn es dafür Fördermittel gibt. Damit würden wir bei einem leidigen Problem ein ganzes Stück vorankommen."
Das Zwickauer Landratsamt hat zum Pendlerparkplatz-Thema eine andere Auffassung. Obwohl es dort seit Jahren vor allem nahe der Anschlussstelle Zwickau Ost sichtlich Bedarf, aber keine offiziellen, sondern etliche wilde Abstellplätze gibt, heißt es dort nur: "Im Landkreis Zwickau bestehen keine Planungsabsichten für den Bau von Pendlerparkplätzen an Anschlussstellen der durch den Landkreis führenden Autobahnen." Auch das Landratsamt des Vogtlandkreises, aus dem allein 9200 Berufstätige gen Bayern pendeln, versucht die "Freie Presse"-Anfrage diplomatisch zu umgehen. Es sei Sache der Städte und Gemeinden, Förderanträge zu stellen. Man werde ihnen Hilfe geben und den Bedarf erfragen. Es sei aber nicht primäre Aufgabe des Kreises, Pendlerparkplätze zu schaffen, sondern wohnortnahe Arbeitsplätze, um das Pendleraufkommen möglichst gering zu halten, so die Behörde.
Das Landratsamt im Erzgebirgskreis räumt zumindest ein, dass man derzeit die neue Förderrichtlinie prüfe. Zu beachten seien allerdings Eigentumsverhältnisse, Bewirtschaftungskosten und rechtliche Gegebenheiten. Auch müsse man die Nutzungsabsichten der Flächeneigentümer berücksichtigen.
Studie zeigt Bedarf auf
Sachsen will mit der neuen Förderung den Autoverkehr senken. Die Landesregierung erhofft sich eine Verringerung der Umweltbelastung. Bisher wurden Parkplätze nicht bezuschusst, weil sie zum ruhenden Verkehr gehören. Einer Studie des Wirtschaftsministeriums zufolge besteht Potenzial für solche Umsteigetreffs an der A 4 unter anderem bei Görlitz, Hermsdorf, Frankenberg und Meerane; an der A 72 bei Stollberg-West, an der A 17 bei Pirna und der A 14 bei Döbeln-Ost, Mutzschen und Leipzig-Ost.