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Foto: dpa/Archiv

In ländlichen Regionen werden die Geburtskliniken knapp

1990 gab es in Sachsen 80 Geburtstationen. Derzeit sind es noch 38. Hartmannsdorf schließt Ende Februar. Wird das Kinderkriegen zum Problem?

Von Udo Lindner
erschienen am 05.02.2017

Chemnitz. Obwohl in Sachsen die Geburtenzahlen seit 2005 kontinuierlich steigen, nimmt die Anzahl der Geburtsstationen stetig ab. Betroffen davon sind vor allem ländliche Regionen. Die nächste Schließung steht Ende Februar im Diakoniekrankenhaus Hartmannsdorf in Mittelsachsen an. Damit reduziert sich in Sachsen die Anzahl der Geburtsstationen auf 37. Zum Vergleich: 1990 gab es in Sachsen noch 80 Klinikstandorte mit gynäkologischen Fachabteilungen. Kamen damals rund 49.800 Kinder zur Welt, waren es im vergangenen Jahr knapp 37.000.

Grund für die Schließung der Geburtshilfe in Hartmannsdorf ist der Fakt, dass die Klinik die kinderärztliche Rufbereitschaft nicht mehr absichern kann. An zu wenigen Geburten, so Geschäftsführer Stephan Lazarides, habe es nicht gelegen. 2016 kamen in Hartmannsdorf 245 Kinder zur Welt. Wirtschaftlich sei das über die Subvention durch andere Kliniken, noch zu vertreten gewesen. Erfahrungswerte anderer Krankenhäuser bundesweit zeigen allerdings, dass es unter 400 bis 500 Geburten im Jahr problematisch wird.

Nach Ansicht der Sächsischen Krankenhausgesellschaft führen oft mehrere Gründe zur Schließung der Geburtsstationen. Die fehlende Wirtschaftlichkeit bei zu wenigen Geburten sei ein Grund. Mit Quersubventionen versuchten die betroffenen Kliniken zwar noch die Geburtsabteilung zu halten, aber auch das habe seine Grenzen. Vor allem in ländlichen Regionen falle es den Krankenhäusern zudem immer schwerer, Hebammen, Geburtshelfer und Kinderärzte zu finden. In Stollberg zum Beispiel hatte das Krankenhaus im vergangenen Jahr nicht mehr genügend Hebammen. Deshalb wurde die Geburtsstation im Januar 2016 geschlossen. Auch im ostsächsischen Sebnitz war im Mai 2015 der Hebammenmangel der Grund für die Schließung.

Noch mehr Kreißsaalschließungen prophezeit Grit Kretschmar-Zimmer, die Vorsitzende des sächsischen Hebammenverbandes. Sie sieht die wohnortnahe Versorgung werdender Mütter in Gefahr, sorgt sich aber auch um die rund tausend Hebammen im Freistaat: "Viele Kolleginnen seien ausgebrannt. Immer mehr würden derzeit darüber nachdenken aufzuhören.

Auch die sächsische Krankenhausgesellschaft sieht die Schließung dieser Stationen mit großer Sorge. Gerade in ländlichen Regionen sei die Erreichbarkeit der Klinik von hoher Bedeutung. In Sachsen beträgt die größte Entfernung 43 Kilometer. Konkret ist das die Strecke zwischen Deutschneudorf und Freiberg - ein Problem, das schon seit mehr als zehn Jahren besteht. Nach aktuellen Angaben des Gemeinsamen Bundesausschussses - das ist das oberste Entscheidungsgremium von Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern - erreichen 99 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung innerhalb von 30 Minuten mit dem Pkw.

Trotz des kontinuierlichen Rückzugs der Geburtskliniken vor allem aus den ländlichen Regionen sieht das sächsische Sozialministerium die Geburtshilfe in allen Landkreisen und kreisfreien Städten sichergestellt. Bei Risikoschwangerschaften und -geburten würden eh die dafür vorgesehenen Kliniken in Anspruch genommen. Einen finanziellen Zuschlag, um den Betrieb bedrohter Geburtskliniken aufrechtzuerhalten, lehnt es ab.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 06.02.2017
    16:14 Uhr

    Blackadder: @ Interressierte: Alles falsch.

    2 2
     
  • 06.02.2017
    14:54 Uhr

    Interessierte: Wer sind Sie denn eigentlich ?
    Sie sitzen hier und stalken doch nun schon seit Jahren jedem hinterher , und das nicht nur mit einem Nick !
    Sie bringen nur Unruhe rein ...
    Welcher Aufgabe haben Sie sich denn verschrieben ?
    Oder welche Aufgabe haben Sie denn , sollen Sie uns belehren und in die richtige Richtung weisen ?
    Oder sind Sie irgendeiner Organisation angeschlossen , die uns die Richtung weisen will , wie wir uns verhalten sollen ?
    Sie sind doch sicherlich ein Westler mit ihren verdrehten Ansichten , die nichts mit den Ansichten der Sachsen zu tun haben ?

    3 3
     
  • 06.02.2017
    13:35 Uhr

    Blackadder: Wer ist "DIE"?

    2 2
     
  • 06.02.2017
    13:15 Uhr

    Interessierte: Hatten die nicht den Hebammen das Leben schwer gemacht , indem man die Versicherungen so teuer gemacht hat ?

    2 3
     

 
 
 
 
 
 
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