Das Schloss Sachsenburg verfällt zusehends. Die Stadtverwaltung Frankenberg will das Objekt verkaufen. Im Gespräch war zunächst ein Wellness-Zentrum mit Badegrotte, derzeit soll ein Hotelier Interesse haben.
Foto: Falk Bernhardt
Jedes dritte Schloss in Sachsen ist vom Verfall bedroht
Nur dank des Engagements von Vereinen, Kommunen und Privatleuten bleiben einige erhalten
Chemnitz. Sachsen ist reich an Schlössern und Herrenhäusern. Rund 1000 gibt es im Freistaat - darunter Leuchttürme wie die Burg Kriebstein und die Albrechtsburg in Meißen. Es gibt aber auch zunehmend Beispiele für den endgültigen Verfall. Der Kunsthistoriker Matthias Donath, der sich seit über zehn Jahren intensiv mit Sachsens Schlösserlandschaft beschäftigt, schlägt deshalb Alarm. "Etwa jedes dritte Schloss in Sachsen ist vom Verfall bedroht", sagt er. Zehn Prozent sind seiner Einschätzung nach schon verloren.
Entscheidend für den Zustand ist oft, wem die Anlagen gehören. 19der interessantesten Kulturdenkmale befinden sich im Eigentum des Landes Sachsen. Sie werden von dem Staatsbetrieb "Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten" verwaltet, der jährlich für den Unterhalt rund neun Millionen Euro ausgibt. Dazu kommen Gelder für Investitionen. Mehrere hundert Schlösser und Güter gehören Kommunen. Die große Mehrheit - rund 800 Anlagen - sind jedoch in Privatbesitz. Vor allem in der Nachwendezeit wurden viele Objekte verkauft.
In Großstadtnähe sind die Hoffnungen der Käufer durchaus aufgegangen. Sie haben die Schlösser und Herrenhäuser oft zu Eigentumswohnanlagen umgebaut. Auf dem flachen Land funktioniert das aber so gut wie nie. Da sind die Eigentümer oft nicht in der Lage, die erforderlichen Sanierungsmittel aufzubringen, eine wirtschaftliche Nutzung ist kaum möglich. Die Folge: Die Häuser stehen seit Jahrzehnten leer. Wenn die Dächer undicht werden, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie einstürzen. Dieses Schicksal erlitten in letzter Zeit zum Beispiel die Barockanlage Heyda und das Rittergut in Grünlichtenberg - beides Anlagen im Landkreis Mittelsachsen. "In dieser Region und im Vogtland mit seiner hohen Schlösserdichte ist der Verfall am schlimmsten", schätzt Donath ein. Eine Chance auf Rettung sieht er in Sachsen derzeit nicht.
Das Land Brandenburg steht vor ähnlichen Problemen und hat deshalb mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 1992 die Brandenburgische Schlösser GmbH gegründet. Diese saniert Objekte denkmalgerecht - seit der Gründung konnten so 18 Objekte gerettet werden. Für die sanierten Anlagen werden dann Nutzer gesucht. Da die Sanierungskosten nicht zurückgefordert werden, können die Objekte zu günstigen Konditionen angeboten werden. "Quadratmeterpreise von 5,50 Euro sind da eher ein Mittelwert", heißt es auf der Homepage der brandenburgischen Schlösser- Gesellschaft. "Ich habe mehrfach eine ähnliche Gesellschaft für Sachsen angeregt - leider ohne Erfolg", sagt Donath. Auch die Idee eines Notfallfonds für eine Dächernotreparatur wurde nicht aufgegriffen.
15:41 Uhr
Ickerbocker: Es ist schade, dass das Land Sachsen nicht in der Lage ist diese Bau und Kulturdenkmäler zu erhalten. Nicht auszudenken wie viele Ruinen hier noch rumstünden, hätten die Sowjets und die SED nach dem Krieg nicht schon rund hunderte Schlösser und Herrenhäuser vernichtet. Es sei hierbei an den SMAD Befehl Nr. 209 vom 09.09.1947 erinnert, der den Abbruch von Schlössern und Herrenhäusern in der SBZ anordnete. Insgesamt über 240 Gutssitze wurden unter dem Argument mangelnden Baumaterials für nach der Bodenreform entstandene Neubauern und mit ideologischen Eifer allein in Sachsen abgerissen. Das entsprach ungefähr 25% solcher Bauwerke im Land Sachsen.