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Kinderreiches Dresden

Landeshauptstadt verzeichnet 2008 ein Geburtenhoch - Für Nachwuchs sorgen vor allem junge Zugezogene

Dresden (ddp-lsc). Vor Geschäften und Cafés in der Äußeren Neustadt in Dresden stehen tagsüber eine Menge Kinderwagen. Eine junge Radfahrerin hat gleich zweifachen Nachwuchs dabei - einen Knirps im Kindersitz auf dem Gepäckträger, das jüngere Kind vor den Bauch gebunden. Im Viertel reihen sich außerdem Geschäfte für Baby- und Kinderbekleidung aneinander. Doch nicht nur hier, in ganz Dresden gibt es mehr Kinder: Im Jahr 2008 zählte die Landeshauptstadt nach Angaben der Stadtverwaltung rund 7000 Geburten - und damit 1700 Neugeborene mehr als noch im Jahr zuvor. Und die Zahl der Babys steigt schon seit einigen Jahren, laut Statistik ist sie inzwischen höher als zur Wende 1990.

Die Mitarbeiter der Kommunalen Statistikstelle Dresdens geben sich jedoch nur vorsichtig optimistisch: Von einem Geburtenboom könne man nicht sprechen, eher von einer kleinen Erhebung im deutschlandweiten Geburtentief. Direkt nach der Wende sei die Geburtenzahl deutlich eingebrochen. Tiefstand war demnach 1994, als nur rund 3000 Babys zur Welt kamen. Die Frauen hatten sich laut Stadtverwaltung damals an die "westdeutschen Verhältnisse" angepasst.

Der Grund für die in den vergangenen Jahren nun wieder kontinuierlich steigenden Geburtenzahlen in Dresden liege vor allem an der großen Zuwanderung junger Menschen in die Landeshauptstadt, sagt Carsten Große Starmann, Leiter des Demografie-Projektes "Wegweiser Kommune" bei der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Viele junge Menschen kämen nach Dresden, um dort zu studieren oder zu arbeiten. Wegen der guten Standortfaktoren wie der relativ hohen Arbeitsplatzdichte blieben sie und gründeten dann auch eine Familie.

Dresden wird laut Prognose der Bertelsmann Stiftung in Zukunft eine der Städte mit der jüngsten Bevölkerung in Deutschland sein, der Anteil der unter 18-Jährigen in der Landeshauptstadt soll bis 2025 um drei Prozent ansteigen. Wegen der hohen Zuwanderung wird Dresden bis 2025 außerdem das stärkste Einwohnerwachstum in den neuen Bundesländern vorausgesagt.

Laut Prognose wird auch Leipzig weiterhin Zuzüge von 18- bis 24-Jährigen verbuchen. Anscheinend sind die Leipziger aber nicht ganz so fleißig beim Kinderkriegen wie die Dresdner: Der Dresdner Stadtverwaltung zufolge wurden im ersten Halbjahr 2008 in der Landeshauptstadt rund 400 Babys mehr geboren als in Leipzig, das ähnlich viele Einwohner hat. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2007 in Dresden auf 1000 Einwohner 10,5 Geburten, in Leipzig waren es 9,3 und im Bundesdurchschnitt 8,3.

Bei der im Auftrag der Bundesregierung verfassten bundesweiten Studie "Familienatlas 2007" zählte die sächsische Landeshauptstadt zu den sechs familienfreundlichsten deutschen Großstädten. Eine "optimistische Grundstimmung" unter jungen Menschen in der Landeshauptstadt sieht Frank Wießner vom Lokalen Bündnis für Familie in Dresden. Und das sei Voraussetzung bei der Familiengründung: "Das Umfeld muss stimmen." In Dresden gebe es genügend kostengünstige Wohnungen, Freizeitmöglichkeiten und eine gute wirtschaftliche Infrastruktur. Auch lebe es sich insgesamt billiger als in anderen deutschen Großstädten, sagt Wießner.

Dennoch ist der 34-jährige Familienvater auch besorgt: "Es werden nach wie vor zu wenig Babys geboren, um den Bevölkerungsrückgang aufzuhalten", sagt er. Auch in Dresden müssten die Bedingungen weiter verbessert werden, damit Eltern mit einem Kinderwunsch auch tatsächlich Nachwuchs in die Welt setzten. Nach wie vor seien zu wenige Krippenplätze vorhanden, auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse dringend verbessert werden. Wichtig ist Wießner zudem ein ganz anderer Punkt: "Wir müssen mehr über den Wert von Kindern reden. Sie sind persönlich eine größere Bereicherung, als eine berufliche Karriere es je sein kann."

(ddp)

 
erschienen am 08.01.2009
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