Bis zum Beginn des Ausbildungsjahres werden in Sachsen nach Einschätzung eines Experten nicht mehr alle derzeit noch offenen Lehrstellen besetzt werden können.Foto: dapd
Lehrstellen-Lücke im Handwerk befürchtet
Kaum Bewerber aus den Nachbarländern Polen und Tschechien
Dresden (dapd-lsc). Bis zum Beginn des Ausbildungsjahres werden in Sachsen nach Einschätzung eines Experten nicht mehr alle derzeit noch offenen Lehrstellen besetzt werden können. "Wir kämpfen um jeden einzelnen Jugendlichen", sagte Karl-Heinz Herfort, Hauptabteilungsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Dresden, am Mittwoch im dapd-Gespräch. Angesichts der großen Lücke werde sich aber nicht für jede freie Stelle ein Bewerber finden.
Im Handwerk gibt es nach Angaben des Sächsischen Handwerkstages derzeit noch 1.000 offene Stellen, besonders viele davon im technischen Bereich. Das neue Ausbildungsjahr beginnt Ende August. Herfort sagte, ein Grund für die schwierige Situation sei der "drastische Rückgang" bei Absolventen allgemeinbildender Schulen. 2007 habe es landesweit noch 44.000 Absolventen gegeben, 2010 seien es nur noch rund 23.000.
Es gebe auch kaum Bewerber aus den Nachbarländern Polen und Tschechien, fügte er hinzu.
Dagegen seien die Angebote an Lehrstellen im Handwerk konstant geblieben und zuletzt sogar leicht gestiegen. "In dieser Wandlungsphase stecken wir jetzt drin", sagte Herfort.
Erschwerend kommt nach seinen Worten hinzu, dass viele Jugendliche noch keine konkreten Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf hätten oder für die angestrebte Richtung nicht geeignet seien. "Man kann die derzeitigen Probleme nicht allein mit dem Rückgang begründen."
Herfort forderte Wirtschaft und Schule auf, gemeinsam für eine bessere Ausbildungsreife zu sorgen. Die Handwerksbetriebe selbst seien gefordert, sich langfristig um geeigneten Nachwuchs zu kümmern.
dapd