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Maschinenbauer sprechen fließend chinesisch und russisch
Wema Glauchau entdeckt Osten wieder als Zukunftsmarkt – Mitarbeiterzahl trotz Krise aufgestockt
Glauchau (dapd-lsc). Ping Zhen hat immer einen gepackten Koffer bereitstehen. "Er reist nach China wie andere nach Berlin", sagt der Geschäftsführer der Werkzeugmaschinenfabrik Glauchau GmbH, Wolfhart Lampe, über seinen chinesischen Mitarbeiter. Der Maschinenbauingenieur mit einem Diplom der Technischen Universität Chemnitz ist Projektverantwortlicher für Asien bei dem sächsischen Schleifmaschinenhersteller. Seit Juni 2010 ist der Experte dabei, nun beginnt seine Arbeit, Früchte zu tragen. Die ersten Aufträge werden in wenigen Wochen erwartet.
Für den russischen Markt hat Lampe einen Muttersprachler von einem vogtländischen Maschinenbauer geholt. Seinen Vertriebsmitarbeitern verordnete er Sprachkurse und machte gute Fremdsprachenkenntnisse zu einem Kriterium für Neueinstellungen. In Indien hat sich die Wema mit einer einheimischen Vertriebsfirma verbündet. Die Internetseite des Glauchauer Unternehmens kann in acht Sprachen aufgerufen werden, darunter Portugiesisch. "Damit haben wir Brasilien im Blick", sagt der Manager.
Lampe spricht von einem zweiten Anlauf des Unternehmens auf dem internationalen Markt. Der Niedersachse hatte die Firma Ende 2007 gekauft, kurz bevor der vorherige Eigentümer Heiner Kaltenberger starb. Der hatte den traditionsreichen Maschinenbauer in schwierigen Zeiten gut aufgestellt und für volle Auftragsbücher gesorgt.
Dann kam die Krise. "Von April 2008 bis April 2011 haben wir nicht eine Maschine in Deutschland verkauft", erinnert sich Geschäftsführer Lampe. Deutsche Unternehmen seien zu investitions- und zukunftsängstlich. "Wenn das Ausland nicht gewesen wäre, gäbe es die Wema heute nicht mehr." Wegen langer Auftragslaufzeiten bei Spezialmaschinen machte sich die Krise 2010 richtig bemerkbar. Lag der Umsatz 2008 noch bei 10,9 Millionen Euro, erwirtschaftete die Firma 2011 nur noch 4,5 Millionen Euro und rutschte ins Minus.
Inzwischen geht es wieder aufwärts - auch dank der neuen Impulse durch die Vertriebsexperten. Für dieses Jahr erwartet der Firmenchef bereits wieder einen Umsatz von rund acht Millionen Euro.
Die Schleifmaschinen aus Glauchau sind unter anderem in der Automobilbranche gefragt. Als Wachstumsmärkte gelten vor allem China, Russland und Indien. Dort wollen die Deutschen mit Qualität und Kompetenz überzeugen. Vertriebsingenieur Zhen ist trotz harter Konkurrenz zuversichtlich: "Made in Germany hat in China eine sehr große Bedeutung."
Die zu DDR-Zeiten in Großserien in die Sowjetunion gelieferten Maschinen laufen beinahe zu Lampes Bedauern immer noch, aber früher oder später hofft er auch auf gute Geschäfte in Russland. Sein Umsatzziel insgesamt sind 15 Millionen Euro pro Jahr.
Trotz der unsicheren jüngsten Vergangenheit hat die Wema Glauchau keine Beschäftigten entlassen, sogar von 54 Mitarbeitern im Jahr 2008 auf jetzt 70 aufgestockt. "Wir haben Spezialisten, die wir nicht kriegen, wenn der Markt anzieht", argumentiert Lampe. Ein Konstrukteur brauche gut anderthalb Jahre, bis er so eine Maschine "verstehe".
Die meisten Maschinen- und Anlagenbauer in Westsachsen und im Vogtland haben ähnlich gehandelt, wie Sebastian Wowra vom größten ostdeutschen IG Metall-Verwaltungsbezirk Zwickau sagt: "Die Krise hat sich aufgrund der langen Auftragsvorlaufzeiten im Maschinenbau ziemlich lange hingezogen. Doch die befürchteten Massenentlassungen hat es nicht gegeben. Oft wurde Kurzarbeit genutzt, um Auftragslöcher abzufedern und Arbeitszeitkonten abzubauen."
dapd