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Politiker erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus

Auf einer Gedenkfeier mahnen Rößler und Tillich den Schutz der Demokratie an

Dresden (dapd-lsc). Mit einer gemeinsamen Gedenkfeier haben der sächsische Landtag und die Landesregierung am Freitag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Im Mittelpunkt stand das Gedenken an die Ermordung tausender psychisch Kranker und Menschen mit Behinderung durch die Nationalsozialisten bis 1945. Die Fraktion der rechtsextremen NPD blieb der Veranstaltung wie auch in den vergangenen Jahren fern.

Die Qualität und Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft zeige sich am Umgang mit Minderheiten, sagte Landtagspräsident Matthias Rößler. Es stelle sich die Frage, ob eine Gesellschaft Minderheiten integriere oder ob sie auf Ausgrenzung setze, wie es der NS-Staat getan habe. Die eigene Würde könne Menschen nur durch die Wahrung der Würde des Nächsten bewusst sein, mahnte der CDU-Politiker.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hob hervor, alle Bürger hätten in einem demokratischen Staat die gleichen Lebensrechte. Es gelte "die antidemokratischen Kräfte zu schwächen und jeder Form von Extremismus den Nährboden zu entziehen", sagte der Regierungschef. Gleichheit und Gerechtigkeit sollten die Grundwerte des Handelns sein. Den Rechtsextremen in Sachsen werde entgegengetreten, betonte Tillich.

Am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wird seit 1996 in Deutschland der Millionen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Zur alljährlichen Gedenkfeier im Landtag in Dresden kamen wieder Hunderte Gäste. Der Plenarsaal und die Besuchertribüne waren voll besetzt.

Gastredner Boris Böhm, Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, erinnerte an die Verbrechen in Sachsen und Deutschland. In den Jahren 1940 und 1941 wurden in der "Euthanasie"-Anstalt in Pirna-Sonnenstein in Sachsen 14.000 Menschen systematisch ermordet: psychisch Kranke, geistig Behinderte, zuletzt auch Häftlinge aus Konzentrationslagern, darunter zahlreiche Juden. Die einst renommierte Heil-Anstalt war zu einer Tötungsfabrik umfunktioniert worden. Eine Gedenkstätte auf dem Hügel oberhalb von Pirna erinnert an die Verbrechen.

Böhm erinnerte daran, dass die Nationalsozialisten die Menschen in produktiv und damit wertvoll sowie hilfsbedürftig und damit minderwertig einteilten. Tausende psychisch Kranke und Behinderte seien in sächsischen Kliniken zwangsweise sterilisiert worden. Für die Vergasung der Opfer in Pirna-Sonnenstein seien 100 Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungsangestellte zuständig gewesen. Den Verbrechen habe ein menschenverachtendes Gedankengut zugrunde gelegen, das Menschen in Wertekategorien eingeteilt habe.

dapd

 
erschienen am 27.01.2012
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